Ich gehe nochmal gegen 23 Uhr kurz raus zu diesem Kiosk in meiner Strasse, der bis 1 Uhr nachts geöffnet hat. An der nächsten Kreuzung treffe ich auf eine berlinernde Frau, die jünger ist als ich und die reichlich "Strüüscher" = kleine Blumensträuße gefangen hat heute op dem Zoch = beim Karnevalszug. Sie hängt sich quasi in meine Fußspuren mit dem Ausruf "Ach Gott, was ist das für eine düstere Strasse hier!" Ich staune nicht schlecht, da ich zu der Spezies gehöre, die die Kolonie als völlig überbelichtet erlebt und sich freut, wenn es denn irgendwo mal so etwas wie Dunkelheit gibt. Zumal der besagte Teilabschnitt meiner fast in der Innenstadt gelegenen Strasse, den sie gerade anspricht, etwa schlappe 20 Meter beträgt. Daher entgegne ich auch "Na, da vorne ist doch schon wieder alles hell erleuchtet?!" Ja, aber ... hier könne einem ja glatt jemand auflauern. Ich erwidere, daß ich seit einigen Jahren hier wohne und sie sich sicher keine Sorgen zu machen braucht - hier passiert ihr schon nix (und schon gar nicht jetzt, wo sie sich mal eben in meine Aura eingeklinkt hat, lache ich so in mich hinein, hmpffhhh). Ich füge hinzu, daß mir das nicht einmal aufgefallen ist in den Jahren ... Ne - ich denke nicht einmal über sowas nach. Seltsame Ängste allerorten - darüber denke ich oft im Stillen nach - während sie mir erklärt, daß sie im Grunde auch keine Angst habe, aber es sei ihr so beigebracht worden. Aha?! So verhält es sich wohl bei vielen von uns - beigebrachte Ängste .... Sage jetzt wieder laut "Ich fahre Taxi - und wenn ich da Angst hätte, dann wäre ich wirklich an der falschen Stelle" Erzähle ihr noch schnell von den über 70-jährigen Damen, die so gerne klagen, wie schlimm das doch alles "heutzutage" sei mit den Überfällen - und wenn ich dann nachhake, wie oft sie schon überfallen worden sind in ihrem Leben? Ja, genau, die quirlige Berlinerin neben mir im unheimlichen Dunklen kennt die Antwort sofort. So, ich habe den Kiosk erreicht ....
Danke für die nette Begegnung - Ja, ich danke ebenso!
Ich habe keine Ahnung, wie diese Frau bei ihrer Lebendigkeit auch nur auf die Idee von Angst kommt in einem völlig banalen, etwas unterbelichteten Teilstück ihres Lebens? Auf dem Rückweg schaue ich genau nach: Es sind vier Strassenlampen, die hier nicht leuchten.
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