Seit vielen Monden schon wundere ich mich hier in der Kolonie darüber, wie sich die Nutzung der vielen leerstehenden Gewerbeobjekte gestaltet, nachdem die bunten EinzelhändlerInnen zugunsten einer alles verschlingenen Geschäfts- und Konsum-Monokultur pleite gegangen sind.
In den Anfangszeiten dieser Entwicklung - also in den 90ern - war es so, daß viele ehemalige Ladenlokale und auch Gaststätten zu Teestuben umfunktioniert wurden, in denen sich meist moslemische Männer die Zeit mit Gespräch und Kartenspiel vertreiben. Seit einigen Jahren allerdings eröffnen in der Kolonie immer mehr große Glücksspiel- und Wettläden, die von außen geschickt unauffällig gestaltet und nicht einsehbar sind und die diesen Teestuben sicher auch viel Kundschaft abgraben.
Auch mit Kiosken und Imbissen versuchen es die Menschen immer mal wieder. Danach gab es diese Handyladen- und Callshop Epidemie überall. Auch das läßt wieder nach, wird wohl eine gewisse Sättigung eingetreten sein.
Seit etwa drei Jahren wundere ich mich nun über den aktuellen Trend: Fast überall schießen in ehemaligen Ladenlokalen und sogar in pleitegegangenen Gaststätten private Kinderaufbewahrungsstätten wie Pilze aus dem Boden.
Ja, gibt es denn doch soviele Kinder im Land? Es heißt doch immer, die Landsleute wären so unproduktiv in Sachen Nachkommenschaft? Und türkische Landsleutinnen sind es derzeit eher noch nicht, die ihre Kinderchen dort abgeben? Kann mensch denn mit Kinderhüten Geld verdienen? Oder arbeiten die da in äußerst prekären Situationen? Ich vermute Letzteres.
Kürzlich traf mich die Information einer dynamischen, selbständigen Geschäftsfrau und Mutter, die ich fuhr, als sie mir berichtete, was die Kita für ihren bezaubernden Sohn im Monat kostet. Und wieviel mehr andere Einrichtungen kosten. Das Gespräch bewegte sich in Größenordnungen von 300 bis 600 Europro Kind und Monat und ließ mich ziemlich baff erstaunt zurück. Es ist ja nicht meine Welt mit dem Kinderchen-großziehen ...
Daher bleibt meine Beobachtung hier auch einfach so im Raum und mit allen Fragezeichen stehen.
Eine - ebenfalls kinderlose - Freundin hat vor einigen Jahren federführend und zusammen mit drei anderen Frauen in Hessen so eine Einrichtung geplant, organisiert und aus dem Boden gestampft, bevor sie wieder etwas Neues machte. Das wurde alles mit staatlichen Mitteln gefördert und auch die Gehälter wurden so finanziert - ich vermute, das muß hier in den vielen Ladenlokalen ebenso sein.
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