Wohltuend - Themawechsel im Hausgeschehen.
"Aufmerksamkeitswechsel". Sagte eben nur nochmal kurz und klar auf ein paar nebensächliche "Neuigkeiten" bezüglich der nun von dannen ziehenden, zanksüchtigen und eigenblutleeren Stinkstiefel - daß ich das alles nicht mehr wissen möchte. Und nachdem uns dieser vollkommen eigenblutleere Vampir wie immer extra und rein sinnlos-provozierend - viermal über den Weg gelaufen kam. Aber - keine Beachtung mehr fand.
Gestern nach vielen vielen Monden - der wirklich erste freie Tag, an dem ich überhaupt nichts von diesen hörte bzw. erzählt bekam. Das ist doch mal ein guter, neuer Anfang. Sogar alle Waschmaschinen laufen rund - immer noch oder wieder.
Vorländlicher Luxus vor der Haustüre: Tannenzweige ohne Ende. Einfach ein paar abzwicken - und fertig. Die Tannen freuen sich über´s Spitzenschneiden. Und jede Menge Thujas hat´s auch.
"Meine" Kräuter im Beet - haben sich gut angewurzelt. Besonders die Minze hat es sich schon sehr gemütlich eingerichtet - und sich ausgebreitet.
Zum üppig-opulent-wilden Gesteck vor der Haustür merke ich nur trocken an: So soll es sein - wir brauchen ja schließlich viel "Geborgenheit" hier. So ist es - lautet die Antwort.
Dieser Dekorations-Drang - ist eben ein "Geborgenheits-Surrogat".
Und darf es auch sein.
In einer Welt voller immer durchgeknallterer Geschehnisse - darf es ruhig in ein paar Ecken ein wenig sanft glitzern und glänzen. Und ein bischen Geborgenheits-Surrogat auf einem Planeten, auf dem mensch 24 Stunden am Tag herumgewirbelt wird - ohne es in der Regel zu bemerken - ist wohl in Ordnung.
Das ganze hübsche "Zeugs" - hat mir eine Gesamt-Investition von etwa 12 Euronen abgefordert. Das ist durchaus im Rahmen des Überschaubaren. Und das Beste - die Zweige also, wie geschruben - bekomme ich hier noch geschenkt - höchstpersönlich von der Quelle.
Am vergangenen Samstag wagte ich mich ein letztes Mal ins Kaufhaus - als ich in der Halteschlange stand mit der Limousine. Wollte nur kurz was besorgen - und fand mich in einer Art "Nahkampf" wieder. Allzuviele Menschen - die allzu viel unnötiges Zeugs einkaufen. Die schöne Glitzer-Wunderwelt der Geschenke eben - wie jedes Jahr wieder. In der Woche zuvor - das gleiche Spiel in einem Haushaltswaren-Laden, schon überlange Schlangen an der Kasse. Ich scharre also bereits mit den Hufen - als sich doch zwei Damen erfrechen, den Betrieb nochmal extra aufzuhalten. Sie möchten gerne wissen, ob die "LED-Lichterketten" warmes oder kaltes Licht erzeugen. Bin sofort versöhnt über solche Frage - und freue mich einfach, daß diese Damen ein gesundes Gespür für warmes Licht haben.
Beschlossen also: Vor dem neuen Jahr gehe ich nicht mehr in solche Läden.
Mußte lachen über den neuen "Lidl-Prospekt" am Morgen. Innerlich zumindest. Lauter Zeug, was kein mensch braucht. Herrenanzüge für 50 Euro - die werden ja sicher ganz prima sitzen. Und was für ein originelles, individuelles Geschenk! Hatte nur einmal reingeblättert, bevor ich ihn wegwarf. War mir alles "zuviel". Diese permanenten "Konsum-Surrogate". Kurze Erhellung also - danke an den Prospekt vom Discounter - daß Konsum immer nur sehr kurzfristig zufrieden macht. Ist ein wenig wie beim Glücksspiel - die Zeiträume, in denen mensch sich wirklich freut an "Dingen" - werden mit zunehmendem Konsum eigentlich kürzer. Also dieser Ausstoß an vermeintlichen Glückshormonen.
Dennoch freue ich mich gerne und aufrichtig darüber - daß ich alles habe, was ich so brauche. Aber auch darüber - daß ich nicht mehr soviel unnötiges Zeugs brauche - wie früher mal (scheinbar).
Da bekommt das Durchbättern von solchen Verheißungs-Prospekten eine ganz andere, gar tiefsinnige Qualität.
Die alte Weihnachtskiste aus Kindertagen fiel mir neulich wieder ein. Die war quasi heilig. Über viele viele Jahrzehnte gesammelte Weihnachtsdekoration, noch Objekte von der Großmutter drin. Oder besser: Eigentlich nur so uraltes Zeugs. Jedes Jahr wieder wurde die heilige Kiste aus dem Keller geholt - und nichts Neues wurde dazugekauft. Höchstens mal - ein neues Päckchen "Lametta". Aber selbst dieses wurde bei der "Ab-Dekoration" im neuen Jahr fein säuberlich und sehr sorgfältig von den Baumspitzen genommen und - soweit es eben ging - fein säuberlich ausgestrichen für eine erneute Verwendung im kommenden Jahr.
Die heilige Kiste aus dem Keller zu holen - oblag meinem Vater. Das Dekorieren des Baumes - ihm und mir.
Beide waren wir - Zwillingssonnen. Und so - soll niemand sagen, wir wären nicht in der Lage, äußerst akribisch vorzugehen. Sind wir nämlich durchaus. Manchmal schlimmer als Syssyphos .....
Das Lametta hübsch dünn an die Zweige anzubringen, war meine Aufgabe. Somit auch - es später wieder glattzustreichen. Quasi liebevoll. (Übrigens auch - täglich sinnfrei Teppichfransen hübsch in Form zu kämmen an einem Teppich, den die Mutter einst fahrenden Zigeunern an der Haustür abgekauft hatte ....)
Und all das - war etwas Besonderes. Ein echtes Ritual.
Muß ergänzen - daß ich schlicht kein "Lametta" mehr verwende seither ...
Diese heilige Weihnachtskiste fiel mir also neulich wieder ein. Und auch - daß ich einst radikal den Keller der Mutter entrümpelte. Also wirklich radikal. Eine aus der Generation, die manche Dinge ein Leben lang sorgfältig hütete. Als ich also durch war mit dieser Aufgabe - war der Keller wirklich leer, ausgefegt, und ich rieb mir zufrieden die Hände ob des Ergebnisses. Rechtschaffen müde ....
Sie - blieb sich selbst treu - und freute sich nicht über meinen Erfolg. Ihre erste Frage auf meine erfreute Mitteilung nach gründlich getaner Arbeit - "Alles - weg!" war: Ja, und wo ist die Weihnachtskiste? - "Ja, weg halt".
"Ja - bist Du denn verrückt geworden?!" - war ihre ganz eigene, immer charmante Art, sich für mögliche Unterstützung zu bedanken.
Immer jenseits - jeder Ratio. Jahrelang war die Frau Steinböckin nicht mehr in ihrem eigenen Keller gewesen. Jahrelang - war die heilige Weihnachtskiste nicht mehr in den Einsatz gekommen. Jahrelang - hatte die Frau Steinböckin geäußert, daß sie keinen gesonderten Wert mehr darauf lege.
Und nun - nach Jahren - als Nägel mit Köpfen gemacht waren - hatte sie keinen anderen Gedanken, als an diese dringliche Wichtigkeit der einst heiligen Weihnachtskiste.
Tja ... hätte sie mal besser meine Schwester beauftragt - die hätte die Kiste sicher mitgenommen als Stierin.
Und dazu - hätte diese sich endlich mal als nützlich, hilfreich und zupackend erweisen können - jenseits von oberflächlichem Schein.
Bitte also niemals Zwillingssonnen - etwas aufzuräumen - an dem Du möglicherweise noch hängst.
Wir sind da sehr gründlich.
Ich selbst habe schon - viele einstige Leben einfach an den Straßenrand gestellt. Zur Mitnahme von möglicherweise noch brauchbaren Gegenständen. Meist wurde das abgeräumt - wie frisch gebackene Semmeln. Und immer - habe ich mich sehr darüber gefreut.
Eine einstmals heilige Weihnachtskiste - muß ich nicht mit mir herumtragen.
Die - findet sich im Herzen wieder.
PS - ein prächtiges, handgewirktes Gesteck hat mich erreicht. Du kannst auch solches "Zeugs" im Discounter erwerben. Was ich sicher nicht getan hätte. Dies hier aber - ist ein handgemachtes Geschenk und hat eine ganz andere Qualität. Diese ist von Hand und Herz aus - hineingewirkt. Ich freu mich drüber - hat mittlerweile rechten Seltenheitswert. Und hat - als wertgeschätztes Geschenk - einen guten Platz bekommen.
8 Kommentare:
heute, am 27.11.13 habe ich beim gang "in die stadt" vorgehabt, mal beim waschmaschinenhöker zu gucken, was so eine winzige waschmaschine für das sommerdomizil kosten könnte.
das habe ich sogleich gründlich abgebrochen......nicht mal bis zur tür bin ich gegangen.
vielleicht mal morgens um 10:00 beim öffnen, aber eigentlich dieses jahr wohl eher nicht mehr.
der wahnsinn ist voll im gange, wie bei euch halt.
übrigens, ich dekoriere schon jahrelang nicht mehr. kein platz, keine lust.
teppichfransen glätten kenne ich auch noch...das waren noch zeiten. da war meine welt noch einfach gestrickt, ach ja.....
Das freut mich aber - endlich mal auf jemanden zu treffen, der einst ebenso sinnfrei Teppichfransen geglättet hat.
Damals - habe ich mich noch gerne aufgeregt über meine Erzeugerin und ihre für mich oft seltsame, befremdliche Ordnungsliebe.
Muß aber auch gestehen, daß Teppichfransen kämmen an sich - also ohne Bewertung - eine eher meditative und durchaus angenehme Tätigkeit ist.
Ehrlich - ich hab´s oft genossen.
Und akribisch betrieben - bis ich zufrieden war mit dem Ergebnis.
Heute - kaufen die Leute sich kleine Sandgärten und harken die durch ....
Ne - was mir auf den Nerv ging - war nicht das Teppich-Fransen-Zen-Gekämme an sich - sondern die Motivation meiner Erzeugerin - die wollte immer, daß es nach außen hin gut aussieht.
Und ich durfte nie dieses aufgeklebte Qualitäts-Siegel von der Unterseite des Teppichs abziehen - welches mir immer so überflüssig erschien.
Viele Jahre lang - blieben auch solche Siegel auf edlen Eß- und Trinkgefäßen aus Prinzip kleben ... und ich dachte immer - die ticken doch nicht ganz sauber.
Bzw.: Mehr Schein als Sein?
Was ist - braucht ja keine Aufkleber .... Naja - so war´s halt mal.
Übrigens - generiere ich keinen zusätzlichen "Platz" für meine Weihnachts-Geborgenheits-Surrogate.
Hab z.B. einfach ein paar prächtig-wachsende Pflanzen mit ein paar sanft-glänzenden Kugeln belästigt ... und einen eher bescheiden ausgemessenen "angestammten Platz" habe ich immer - für Rituale. Das muß! Saludos - Sati
dein weihnachtsschmuck ist auch sehr ansprechend. ganz im ernst.
dekorieren kann ich nur mit (ausschließlich) naturzeugs, was ich nur hinlegen muss...:-)
gestern kam jemand und hat meine muschelsammlung gekauft. nun ist wieder ein bißchen mehr platz für neues!
"Viele Jahre lang - blieben auch solche Siegel auf edlen Eß- und Trinkgefäßen aus Prinzip kleben..."
kenn ich auch ganz genauso....also in ost und west der gleiche schein.
Ja - so scheint mir auch schon lange - in Ost und West - der gleiche Schein. Die gleiche Gehirnwäsche - nur anders facettiert.
Und - im Westen waren die ausgelegten Köder einfach etwas facettenreicher orchestriert einst - z.B. in Form von mehr Automarken.
Das war ja wirklich nicht besonders einfallsreich seinerzeit - also diese ewig-langweilige Nummer mit Trabbi und/oder Wartburg.
Bitte um Verzeihung - für diesbezüglich schonungslose Bewertung von einem einstigen, gewissen Phantasiemangel ...
seitens der "Ausliefernden" (doppeldeutig - literal).
Umso interessanter, daß es immer wieder gelingt, Menschen gegeneinander auszuspielen - die doch im Grunde die gleichen Spiele spielen (sollen).
Muschelsammlung verkauft - gratuliere. Da hast Du wohl einen echten Liebhaber aufgetan - der das noch wertzuschätzen weiß. Freut mich - für Dich ebenso, wie für die Muscheln, Sati
An solchem Tun habe ich nun so gar keine Freude- um so erstaunter, hier so etwas zu sehen, von dieser Nachbarin zu lesen- mein inneres Weihnachtsheimwehmädchen heult fast vor klammheimlicher Freude...Du bist `ne Marke!!
Rasend gern lese ich die Geschichten hier, immer weiter- und denke oft, besonders beim Autofahren, an Dich!
Ich staune auch in diesem Winter - über solchen entschiedenen Dekorationsdrang. Dazu noch termingerecht - alles am Start zum ersten Advent.
Ist aber meinerseits mehr einem heidnischen Ursprung gewidmet - dem Rückzug der Natur in sich selbst, in die eigenen Säfte - und die Vorfreude auf die Wiedergeburt der Sonne am 21.12. ... durch ein paar sanft glitzrnde goldene Kugeln symbolisiert. Die immergrünen Tannenzweige stehen für die Hoffnung, daß sich das Leben weiterdreht. Und die Sonne schon bald wieder zum Himmel hochsteigt.
Vielleicht auch ein wenig "Trotz" gegen überbordende Dummheit - in Berlin wird ja gerade "Weihnachten verboten" ... und umbenannt.
Ein Freund erzählte mir einst von Wortschöpfungen in der ehemaligen DDR - Manuela, dafür bist Du die Expertin - ich glaube, Weihnachtsengel hießen da "Jahresendzeitpüppchen".
Ne, mal anders gesagt: Ich mag diese dunkle Zeit - irgendwie - wenn ich mal rübergeschaukelt bin. Zumindest, wenn ich meine Ruhe habe und diese genießen kann. Was ich tun werde .... und ich "mag" auch den Perchtenflug, der ja demnächst wieder losgeht
Meine dies Jahr reichlich ausgefallenen Gebrgenheits-Surrogate - sind also lediglich dem natürlichen Jahreslauf gewidmet - wie er einst von den sogenannten "Heiden" zelebriert wurde.
Einem Prinzip Hoffnung - daß die Sonne wiederkommen wird.
Schaumermal, Sati
PS: Kein Zufall also - daß ein Ziegenkopf in den Zweigen steckt ..
Mit Perchtenflug und dem Weiteren kenne ich mich nicht aus, und lernen mag ich da nicht mehr, eher jaule ich diesen wunderbaren virtuellen Schreibgruppen nach, die wir vor ein paar Jahren noch mit Claudia Klinger aus Berlin in der Jahres-End-Zeit machen konnten...mach ich mir halt meine eigene...und Du Dir Deine ruhige Zeit...
Gruß von Sonja
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