In diesen Tagen fiel mir nach mehr als zwei Jahren (!) auf - daß ich sehr lange nicht mehr an einem meiner Lieblingsorte war, der mir viel Kraft gegeben hat für eine ganze Weile. Vor etwas mehr als zwei Jahren saß ich dort oben im schönen Siebengebirge bei Sonnenschein und klarer Sicht auf einer Bank, schaute auf den Rhein hinunter und versuchte, meine schwerkranke und vor weniger Zeit ins Heim umgezogene Mutter per Handy zu erreichen. Als sie sich nicht meldete, wußte ich, daß wieder etwas passiert sein mußte. Sie war zum -zigsten Mal ins Krankenhaus gekommen mit einem Erstickungsanfall- und ein paar Tage später hat sie sich von dort verabschiedet. Sie hat sich selbst den Sauerstoff abgedreht.
Typisch eigentlich für sie - letztlich hat sie auch am Ende ihre eigene Entscheidung getroffen. Das sie schon seit Monaten mit Morphium vollgepumpt war - habe ich in der Klarheit auch erst später erfahren. Sie wollte nicht, daß ich das weiß. Hatte mich nur immer wieder mal über eine gewisse Zerstreutheit und einen gläsernen Blick gewundert, die so gar nicht zu ihr paßten und auch nur selten im Vordergrund standen.
Ich habe mich jetzt über zwei Jahre lang schuldig gefühlt und sozusagen als "Mörderin" .... zumindestens teilschuldig. Aufgrund der beschissenen Familien-Situation und eben, weil ich mich zurückgezogen hatte aus dieser. Sicher auch, weil ich sie am Vorabend nicht mehr dort besucht habe - hatte ich ihr aber gesagt - sondern Musik im Satsang gespielt habe. Was ich auch nach ihrem Gehen weiterhin tat - es war schön und tröstlich, für sie zu spielen - besonders weil sie mein Musikmachen in den letzten Jahren durchaus respektiert hatte. Habe dann auch die Musik für die Trauerfeier vorausgewählt .. nach ihren wenigen Vorlieben ... der Sohn meiner "Schwester" hatte genügend anderen Stress.
Bei der Trauerfeier - habe ich dann ein letztes Mal die "Arschloch-Rolle" im Clan übernommen - damit die Frau, die meine "Schwester" ist, sich wieder einmal besonders gut fühlen kann. Bin nach der Trauerfeier nicht mehr mit zum sogenannten "Leichenschmaus" - war auch weder von meiner Schwester noch von deren Sohn eingeladen worden dazu. Der Mann meiner "Schwester" kam zu mir und sagte mir Bescheid, was nun geschieht - und ich habe mich daraufhin lieber bei den nahestehenden Freunden meiner Mutter verabschiedet und auch offen gesagt, daß ich mich unter den gegebenen Umständen besser nicht mit an den Tisch setze, um nicht noch unnötig auszuflippen auf Martha´s Beerdigungsfeier. Schön war, daß die es locker genommen haben. Erinnere mich heute noch gut an den "Leichenschmaus" und die vielen Peinlichkeiten bei der Trauerfeier für meinen Vater vor vielen Äonen - und daher wußte ich, es ist mehr als in Ordnung, wenn ich mir nicht das ganze seltsame Gerede anhöre - und für mich weiterfeier!
Jetzt - fiel diese Ego-Geschichte endlich von mir ab - und ich will mich morgen auf den den Weg zu dem lang vergessenen kraftspendenden Ort machen, um diesen Unsinn und den Rest an Verstrickungen auch symbolisch im Außen zu lösen. Bin mal gespannt, ob diese Amsel dann immer noch in mein Fenster schaut - die u.a. Hinweisen an dem Tag auftauchte, an dem meine überbesorgte und kontrollsüchtige Erzeugerin diesen Planeten verliess.
Und auch hier eine Wiederholung: Volare - Dean Martin
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