Montag, 16. August 2010

Einer meiner neueren Lieblingsbegriffe: Nachtmeerfahrt

"Nachtmeerfahrt" - so nannten die Ägypter das, was anderswo als die "dunkle Nacht der Seele" oder heutzutage mal eben als "Depression" bezeichnet wird. Das, was Goethe wohl meinte mit dem ewigen "Stirb und werde". Die Häutung, das Verbrennen, bevor der Phoenix aus der Asche aufsteigen kann. Überall auf der Welt ist dieser Prozess bekannt und wird unterschiedlich benannt. Kern der Sache ist, in die eigene Unterwelt abzutauchen und zu erkennen, daß dort alles vorhanden ist - es muß nichts ins Außen bzw. auf "Andere"  projiziert werden. Alle Abgründe dieser Welt - kenne ich, da ich sie in mir habe. Ebenso wie alles Lichte.
Liebe - ist das, was weiß und nicht in Gut und Böse unterteilt.

Hier ein wie ich finde interessanter Internet-Artikel mit dem Titel  "Drachen, Helden, Nachtmeerfahrten" - der schön herausstellt, auf welche Weise alle alten Mythen der Menschheit auch ins Jetzt greifen - ob Mensch es will oder nicht, ist den Göttern dabei egal und auch Leugnen ändert nichts daran, daß all diese Geschichten heute noch lebendig sind.

"Nachtmeerfahrt" finde ich auch deshalb einen schönen Begriff, weil er für mich so abenteuerlich klingt. Auf diese Weise sehe ich das Brodeln im Kochtopf der eigenen Hölle etwas anders als nur tragisch - es ist ja schließlich auch spannend und äußerst lehrreich - wenn auch nicht immer lustig. Ergiebiger kann keine äußere Reise sein.

Habe außerdem das Gefühl, daß meine Nachtmeerfahrt sich nun langsam aber sicher dem Ende nähert - alter Bodensatz ist aufgestiegen, gesehen und angenommen bzw. integriert - im Sinne von Bereicherung -  und ich wundere mich manchmal, wie menschlich und wenig bedrohlich vieles ist, was ich einst für verwerflich hielt - oft nur, weil ich es gefürchtet habe. Was noch kommen will, ist herzlich willkommen! Von vielen Ängsten lasse ich mich lange nicht mehr  tyrannisieren und an manchem Tag bin ich bereit, zu sterben - wenn es sein soll. Noch mutiger: An manchen Tagen bin ich sogar bereit, zu leben. Unliebsame schmerzhafte Zustände wie Langeweile, Eifersucht u.v.m. .... haben ihre Schrecken verloren und gehören zum "Lehrpersonal" bzw. zum "Leerapparat".  Auch ein Tanz mit den eigenen Dämonen - kann schön und kraftvoll sein (eben fällt mir mein erster direkter Kampf mit "dem Teufel" wieder ein - und erscheint mir im Rückblick recht harmlos - auch "der Teufel" ist ein guter Lehrer!). In den hellsten Momenten erkenne ich, daß jeder Zustand lediglich Energie ist, lediglich eine andere Zusammensetzung von Feuer, Wasser, Luft, Erde und Äther - und daß diese Energie genutzt und gewandelt werden kann.

An dem vielen Elend in der "äußeren Welt" in ihrer ungreifbaren Komplexität - bin ich auch nicht mehr (ganz alleine) schuld, was eine wunderbare Erleichterung ist. Immer mehr Vor-stellungen und Glaubenssätze fallen ab ... sie sind substanzlos. Was zählt - ist dieser Moment. Etwas Anderes - existiert gerade nämlich nicht.

Rückfälle erkenne ich sofort daran, daß ich in alte oder neue Geschichten einsteige, die alle nicht wahr sind. Gleich-gültigkeit macht mir keine Angst mehr, Desinteresse darf sein, auch Träumerei, tags und nachts. Einfach hier sein zu dürfen mit allen Sinnen - ist Magie und Glückseligkeit.

Genau deswegen hapert es gerade mit weiteren Studien: Was sollte ich erreichen? Und wo wohl hinkommen, wo ich nicht bin? Je mehr ich all diese Abgründe lieben lerne - desto reicher beschenkt mich das Sein, ohne das ich etwas suchen müßte. Dieses in Gänze und TOTAL durchdringen - möchte ich noch gerne, wenn das Leben einverstanden ist.

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