Am Halteplatz sehe ich einen jungen Mann mit einem sehr jungen Hund in meine Richtung kommen. Der "kleine Hund" wackelt lustig und tapsig durch die noch unwägsame Welt - er ist noch ein Baby-Hund - und ein sehr hübscher. Denke noch - der wird mal richtig groß werden - und denke, die beiden werden gleich an mir vorbeigehen - sind keine Taxikunden.
Doch - sind sie doch. Fein - ich freu mich ja immer über gute Hundegesellschaft. Der junge Mann ist aber auch sehr sehr nett - ein gutes Team. Der Hund ist ein tiefenentspanntes Baby .... und erst seit zwei Tagen bei dem Mann. Erstaunlich - die sehen schon aus, wie ein gut eingespieltes Team.
Die "Rasse" vom Baby habe ich wieder vergessen - aber ja - der wird ein richtiges Kalb werden, massiv und muskulös. Bei der Geburt vor acht Wochen wog er 230 Gramm - jetzt wiegt er 9 Kilogramm !!!
Der kleine Hund sieht zum ersten Mal in seinem Leben das Chaos auf den Straßen einer Stadt - sonst darf er auf dem Land wohnen - in Gesellschaft von weiteren Hunden - naja, äh, einer davon ist ein Chihuahua .... Der junge Mann - der wohl weit jünger aussieht, als er tatsächlich ist - hat also reichlich Hundeerfahrung - und berichtet davon.
Er ist der Ansicht - daß jedes Wesen über seine Ängste hinauswachsen sollte. Nur, indem man mitten hineingehen würde in irgendwelche Ängste - könne man diese auch überwinden.
Oder so: Das sei nicht anders als bei uns Menschen. Je mehr wir unterwegs wären und erleben würden - auch im Chaos - desto weniger Angst hätten wir doch. Zum Beispiel vor anderen Menschen oder Situationen. Und dieser kleine Hund hier - geht offensichtlich tapfer und mühelos durch sein frisches Leben - angstfrei quasi.
Er läßt ihm aber auch reichlich Zeit dafür - seine Welt zu erkunden. Zieht nicht an ihm - läßt ihn ausgiebig schnuppern und lernen .... was die Welt so alles ist.
Deshalb haben sie jetzt auch eine halbe Ewigkeit für eine an sich kurze Strecke gebraucht. Und deshalb fahren sie den Rest des Weges mit mir. Der kleine Hund wird auch noch schnell müde.
Ja - ich würde auch gerne wieder mit Tieren leben, sag ich. Aber mit dem Job - ist das nicht drin gerade, wäre nicht gut für diese. Kurz erzähle ich vom Nordosten neulich ... und wie schön es dort ist - für die Tiere und natürlich auch für die Menschen. Daraufhin - gerät er ins Schwärmen, denn er kennt die Gegend. Ist auch sein Traum .... denn dort auf dem Land, wo er lebt - gibt es auch zuviele Autos. Er kennt auch die Preise vor Ort - also im Paradiese - für Grundstücke. Zwar seien die Häuser meistens eher "Bruchbuden" - aber daran könne man ja arbeiten. Genau!
Dieser - noch - kleine Hund - hat es trefflich erwischt!
Womöglich zieht er sogar noch ins Paradies um.
Wir lachen noch ein bischen über meine Empfehlung an einsame Männer - sich einfach einen "soooo süßen kleinen Hund" auszuleihen - damit die Frauenwelt wieder mal aufmerksam wird. Er selbst ist in zwei Tagen in der Stadt -zigmal fotografiert worden mit seinem bezauberndem Exemplar. Von Frauen. Anfangs fand er das noch lustig .....
und jetzt schon nicht mehr so. Ist aber auch kein einsamer Mann.
Als ich ihm am Ziel noch eine Info aus dem Handschuhfach holen will und meinen Arm rüberstrecke - legt der kleine 9-Kilo-Hund sofort tiefenentspannt seinen Kopf auf meinen Arm .... zum Piepen!
Ich meine - wenn ich den heute abend wieder abhole - ist er bestimmt schon wieder gewachsen.
Tja - die letzte Tour heute - um Zehne morgens. Wegen Limousinen-Breakdown. Aber dafür - eine wirklich sehr angenehme, tiefenentspannte und lebendige Ausnahmefahrt.
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