Montag, 12. November 2012

Bleischwere Schönheit ...

Ein paar Reparaturen sind nötig in der Wohnung - konnte die Tür nicht mehr abschließen, weil sich alles verzogen hatte. Sagte der Vermieterin Bescheid - die ich nun ein gutes, halbes Jahr nicht mehr gesehen hatte, obwohl sie um die Ecke in der Siedlung wohnt. Des Morgens klingelte der Nachbar - und richtete das. Zuvor hatte er schon mal geklingelt - es ging um die Heizung bzw. um den höchsten Punkt der Anlage, der direkt an meiner Wohnungstür liegt.
Dabei ergab sich - daß ein paar alte Heizungsventile ausgewechselt werden müssen. Die Vermieterin ist im Karnevals-Terminstress - und fragte in der Limousine telefonisch an, ob es ok für mich wäre, wenn sie am Nachmittag mal in die Wohnung gehen würde, um zu notieren, welche Ventile sie besorgen müsse. Das erste Mal überhaupt - daß meine Vermieter einen Schlüssel meiner Wohnung haben. Ich sagte "Ja - machen Sie mal ...." und wunderte mich. Vor kurzem in der Kolonie noch ein Albtraum für mich - daß jemand in meine Räume geht, wenn ich nicht da bin.  Auf dem "Dorf" ganz anders. Stimmt auch wieder nicht ganz - in der Kolonie standen sogar wochenlang meine Wohnungstür und die Haustür im Parterre sperrangelweit offen, während ich unterwegs war mit der Limousine .... und eine Handwerkskolonne ging den ganzen Tag ein und aus - nach einem Rohrbruch im Bad und dessen Sanierung im Anschluß. Bzw. sie saßen auf dem Hof zum Essen und Schwätzchen halten  - und der Zugang für jeden potentiellen Dieb stand weit offen. Immer, wenn ich nach einem langen Tag "nach Hause" kam - mußte ich erst mal groben Dreck beseitigen. Aber Diebe - sind nie aufgetaucht. Allerdings - Energiediebe.
Hier fühlt es sich etwas anders an - und ich staune selbst. Heute hatte ich den Kellerschlüssel für die Vermieterin deponiert - weil der Glaser kam. Ein Fenster ist kaputt, nur verklebt .... der Glaser hat´s ausgemessen und in den kommenden Tagen wird alles repariert. Gut. Die Vermieterin paßte mich am Abend ab, als ich kam - ich sah sie zum ersten Mal wieder seit Mai - sie seien "verbotenerweise" in meinem Schlafzimmer  gewesen - um schon mal das Heizungsventil zu wechseln. Ich höre mich nur sagen "Ja - gut. Danke. Freue mich auf´s neue Kellerfenster."
Und wundere mich - daß ich nicht (mehr) in einem Albtraum befindlich bin - daß "fremde Leute hier ein und ausgehen", während ich nicht da bin.
Das neue Ventil - funktioniert nicht. Es läßt sich nicht zudrehen und ich habe tropische Temperaturen im Schlafzimmer. Der Nachbar - der es getauscht hat - öffnet nicht. So werde ich kein Auge zutun können, vor Hitze.
Nochmal telefonieren - der Nachbar kommt - und korrigiert nochmal. Funktioniert nun. Gibt mir noch einen sehr wertvollen Hinweis bezüglich der Beheizung und Nutzung der vielen Heizkörper hier in der Wohnung - ich hatte genau andersrum gedacht. Die Lampe oben im Hausflur - repariert er gleich noch mit. Er ist der männliche Part der von mir einst so genannten "Kontrollinstanz" - und inzwischen finde ich ihn recht amüsant. Und korrekt.
Was denn das für ein Quarz sei auf der Fensterbank im Schlafzimmer - ein Amethyst? Ja - genau. Ich habe viele Steine.
Er auch. Die meisten im Keller inzwischen. Warten Sie mal ... ich zeig´Ihnen mal einen - komme gleich wieder ......
Er kommt wieder mit einem Steinwesen, welches mich geradezu umhaut! Ein Riesenteil - bleischwer. Ich nehme das entgegen - viele Kilos. Sagen Sie nix - ich komme gleich drauf, was es ist  ..... Pyrit? Eine Schönheit und Pracht von einem Stein! Hat er selbst aus dem Bergwerk rausgeholt .... wat für´n Bergwerk? Na - hier im Ort -  aber inzwischen stillgelegt. Ich habe noch viel zu lernen hier .... Am Gewicht sollte ich es erkennen ....
Es ist Blei - mit Zinn und nochwas Metallischem  .... hab´s gerade wieder vergessen - ist aber gut für die Knochen. Zink natürklich, Sati .... Mensch!
Ein unglaublich kraftvoller "Stein" - ich muß lachen, als ich den halte. Pure Kraft. Und erstaunliche Schönheit, die dem Blei ja nicht etwa als Ruf vorauseilt.
Da kann mensch mal wieder sehen - was so alles Wundersames geschieht - wenn die Vorurteile wegfallen.

2 Kommentare:

Ich will...... hat gesagt…

kleine geschichte zum thema fremde leute in meiner abwesenheit in meiner wohnung.... ich muss grinsen, liebe sati, weil ich anhand deiner geschichte auch meine veränderung soeben feststelle.
also vor ca. 7 jahren, ich wohnte noch in maschen, hat sich ein hausmeister vor mir körperlich in sicherheit gebracht und das kam so. ich hatte einen schlüssel bei der alten dame, die unter mir wohnte, deponiert und irgendwie vergessen. diese alte dame wußte von mir, dass ich keinen fernseher habe und daran auch nicht interessiert bin. nun wurde im haus neues fernsehkabel gelegt und die mieter mußten zugang zu den wohnungen gewährleisten. das tat ich, aber niemand kam. andere hatten wohl den termin verschlunzt und so mußten die monteure noch mal anrücken. vom neuen termin hatte ich nichts erfahren und demzufolge nicht zu hause. sitze also im büro und da klingelt das telefon, die nachbarin dran: "die monteure sind jetzt da, ich habe sie reingelassen." ich hatte schlagartig 250 blutdruck und gefragt, wovon sie spricht. "na, die fernsehmonteure, ich habe dem hausmeister den schlüssel gegeben und er ist mit oben". ich war wie irre und sowas von wütend. ich sagte ihr, sie soll den schlüssel mal ganz schnell wieder holen und ich komme sofort nach hause. bin mit höchstgeschwindigkeit 30 km aus hamburg in die vororte gerast und kam mit quietschenden bremsen zum stehen. der hausmeister vor dem haus....sah mich kommen....der fürchtete echt um sein leben wie er guckte und das mit recht. ich war sowas von aufgebracht, kann mich an kaum eine situation erinnern, die ähnlich war. ich habe sie mir alle "zur brust genommen", was sie sich denken, ohne mein einverständnis die wohnung zu betreten und so weiter...."naja, wir dachten...ich dachte....der schlüssel....".
es stellte sich raus, dass die alte dame unter mir schiss hatte, sie steht ohne fernsehen da, wenn die monteure nicht in meine wohnung kommen, wäre auch so gewesen, weil ich nicht informiert war. da hat sie eben mal entschieden, sie gibt den schlüssel, kriegte dann wohl gewissensbisse und rief mich in der firma an...., rest bekannt.
mit der energie, die ich da ausstrahlte, an diesem übergriffs-tage, hätte man eine stadt 24 stunden mit strom versorgen können, glaube ich. würde ich heute gar nicht mehr aufbringen können. okay, sie kriegten alle ihr fett, für meine verhältnisse noch in gewählter form....und ich "fuhr runter".
auslöser für mein ausrasten war: ich bin eine aufräumerin, eine hygienetante und hatte angst vor dem "reden der leute", verließ meine wohnung NIEMALS unaufgeräumt, nie nicht, nur an diesem tag war mein bett nicht gemacht, weil ich morgens verschlafen hatte. fremde menschen konnten also sehen, dass ich mensch bin. das war mein problem....
muss ich heute drüber grinsen, hatte ich auch komplett verdrängt. das zusammen wohnen mit dem mann seit 2 jahren hat mir viel viel abverlangt. ich kann nicht pausenlos hinter ihm her putzen und räumen und erziehen funktioniert nur teilweise und zeitweise (er ist vergesslich).
ich habe also beim lesen deines posts meinen "auftritt" von damals vor meinem geistigen auge gesehen und mir an den kopp gefaßt. was werden die armen mitmenschen von der irren, die mit 100 km/h in die seitenstraße einbiegt und den hausmeister maßnimmt, wohl gedacht haben.... die gehört in die anstalt?
danke für die erinnerung.
es grüßt
m.
chaos im post bitte ich zu entschuldigen, die vorschau klappt bei mir/dir hier nicht. der text breitet sich nur horizontal aus, das liest sich schwer nach

Sati hat gesagt…

Danke für die lebendige Geschichte. Muß mal wieder schmunzeln über so einige Sätze wie "erziehen funktioniert nur teilweise und zeitweise (er ist vergesslich)." ...

Ja - das ist wohl der Punkt - sie sehen hier, was ich für ein Mensch bin.
Und meine Ordnungsliebe - ist eine eher unkonventionelle. Mag für Außenstehende teils chaotisch aussehen - ich weiß aber genau, wo was ist. Und kann dem Nachbarn auch fast jedes Werkzeug in Windeseile heranholen, habe viel hier - so daß er nicht immer rauf und runter laufen muß.
Dachte für einen Moment - da liegen die Tarotkarten gut sichtbar auf dem Tisch im Flur - und mein Tagebuch liegt auch einfach so rum .... aber das ist Unsinn, denn wen interessiert das schon!
Die vergangenen Jahre in der Kolonie, in denen die neue Hausbesitzerin immer neue Baustellen aufmachte und die Handwerker gefühlt in meinem Salon saßen - waren sehr anstrengend. Auch das mir-die-Dame-vom Leib halten, die einen Stock über mir wohnte und ständig irgendwas wollte.
Vermutlich ist auch die ganz in Ordnung - aber die Situation war einfach grauslich in dem Fall.
Hier nun denke ich - mit einer "Teilöffnung" im Sinne von freundlicher Nachbarschaftspflege - läßt es sich erheblich besser leben.

Einen schönen Tag wünsche ich Dir, Sati