Heute ist Allerheiligen, Samhain ... die Zeit, von der es heißt, daß die Türen zwischen den Welten offen stehen. Es wird der Toten gedacht. Und diese - denken vielleicht an uns. Der Eintritt in die dunkle Jahreszeit.
Gedachte gestern bereits der Toten - als ich nach langer Zeit mal wieder mittels einer CD von Dahlke auf Reise ging. Der Titel lautet "Das Gesetz der Anziehung" - und erstmals ging ich größtenteils bewußt mit, statt einfach wegzutrancen. Zwar denke ich, daß vieles wahr ist, was ich hörte - nämlich, daß wir durchaus Ereignisse und auch Materie anziehen mittels Geist - aber ich ärgerte mich auch über Passagen, in denen ich quasi aufgefordert wurde, mal wieder über Mami und Papi nachzusinnieren. Ich ärgerte mich - über mich selbst. Über diesen Unsinn, soviele Jahre den Eltern, den Verwandten, Freunden oder sonstigen Menschen irgendeine Schuld zugewiesen zu haben. Es ist durchaus unangenehm - zu sehen, daß ich selbst für mein Wohlsein verantwortlich war - und bin. Das ich es war, die bestimmte Situationen immer wieder angezogen hat - weil ich erst gar nichts Anderes erwartet habe.
Ich ärgerte mich darüber, wie tief alte Strickmuster sitzen und wirken. Und fand es doch äußerst erhellend, daß mal in großer Klarheit zu sehen - meinen eigenen, beigetragenen Teil zu Allem, was war und ist.
Wünschte mir einen kurzen Augenblick die Möglichkeit zur "Beichte". Wie praktisch wäre doch das, alles an jemanden abgeben zu können. Bleibt aber niemand - außer mir selbst, dem ich "beichten" könnte - was ich alles versaubeutelt habe, welche Fehler ich gemacht habe und immer noch mache. Welchen Vor-stellungen ich aufsitze. Wie ich mich derart selbst beschränke. Und bleibt auch niemand, außer mir selbst - der mir das vergeben könnte.
Bei Mami und Papi - brauche ich jedenfalls nicht mehr zu suchen. Auch nicht bei Anderen. Das waren alles "Spiegel". Wenn ich also nochmal schaue, wie bislang die Geschichten in meinem Leben verliefen - darf ich jetzt sehen, was mein Anteil war. Darf also die Verantwortung übernehmen. Niemand da - dem ich sie aufladen könnte.
Das - ist unbequem, aber ehrlich. Hat auch lange gedauert, es in Klarheit zu sehen - und nicht immer ist diese Klarheit vorhanden. Aber gerade heute - kann ich sie noch gut spüren und einen entsprechenden, kurzen Gruß nach "drüben" schicken. Nicht mehr.
7 Kommentare:
Jedes Wort hier kommt gut bei mir an
Schon wieder aus dem Schatten herausgetreten ... fein. Liebe Grüße, Sati
deine gedankengänge sind in etwa den meinen gleich. ich bin nicht bei dahlke unterwegs, sondern immer noch bei dethlefsen. meine faszination über die klarheit dieses menschen ist ungebrochen.
inzwischen habe ich drei bücher beschafft und bis auf wenige jeden verfügbaren vortrag gehört.
ja, es ist echt unbequem, die erkenntnis der eigenverantwortung.
ich brauche auch noch ein paar wiederholungen, glaube ich.
alles liebe
m.
Nachdenken über die "Spiegel" ...
Die katholischen haben "wenigstens" noch Allerheiligen (und ein bisschen Allerseelen) die evangelischen haben gar nichts, nur den "Totensonntag" und damit habe ich noch nie etwas anfangen können ...
... es so machen wie die Ahnen? in gutem Glauben hat Luther uns von den Ahnen abgeschnitten - und von den Juden - die wir doch wohl zu unser aller Besten unter uns hatten ... sie, die nie etwas anderes haben sein dürfen als: nur Europäer (Hannah Arendt.
Meine Toten habe ich am Freitag besucht,nur wenn ich mal alle paar Jahre in Hamburg bin, und weil beim Gärtner diese Gestecke für 12,50 lagen, dachte ich - Kinderherz - ich könnte auch. Aber die Gestecke da, die sind für Leute mit zwei gut Verdienenern, dachte ich. Ein Topf mit Erika war's dann ... Hinterm Grabstein war eine Tonschale von meiner Schwester, Heidetopf da rein.
Vor den Grabstein. Dann Fichtenzapfen die ohne Ende herumlagen gesammelt und zu einem Strahlenkranz gelegt um den Topf 'rum und dann zuletzt Moos gesammelt und die Heide im Tontopf bissl umrandet. Wieder mal bei Oma, Mama und Papa gespielt ...
In der Tat, es gibt Momente ... aber, dass nur an einem, zwei Tagen die Tore offen stehen sollen, davon kann mich kein Eiferer überzeugen - was ja immer mit hinüber ziehen zu tun hat - ich für mich bleibe dabei: die Toten sind Tag und Nacht zugegen
und freuen sich mit oder leiden mit Gott ... am Menschen.
Soweit MM zum heutigen in Bayern stillen Tag mit seinem Lichtermeer auf den nächtlichen Gräbern
Strahlenkranz aus Tannenzapfen, verspielte Kleinskulptur- das ist so anders nichtkommerzig wunderbar!
Gruß von Sonja
@ M. - das ist ja auch reichlich "Stoff", was vom Herrn Thorwald erlauschbat ist im Netze ... Lesen werde ich ihn nicht - was er sagt, ist für mich eine Art "Wiederholung", nochmal anders - und trefflich - auf die Punkte gebracht.
@ MM: "Kinderherz ... Wieder mal bei Oma, Mama und Papa gespielt ..."
Und den schönsten Topf weit und breit haben sie bekommen, da bin ich sicher.
Mit selbstgestaltetem Liebeskranz und wärmendem, weichem Moos..
Ja, die trocknen Evangelen - keine rechte Ahnung von Ritualen, immer nur Arbeit - und Pflicht. Die ganze Mischpoke war evangelisch - ich bin wieder Heidenmensch. Und nicht wirklich traurig, das Katholische nicht erlebt zu haben. Oder so: War als Jugendliche viel freiwillig in zahlreichen Kirchen unterwegs und habe mir mal alles angeschaut. Fand bei beiden Konfessionen - wenig "Echtes".
Was die Verbindungen betrifft - sicher bestehen die ggf. immer. Aber m.E. sind die Zugänge in der dunklen Jahreszeit durchlässiger, es scheint jedenfalls manchmal so, zu den Toten und allem anderen Nicht-Sichtbaren. Also nicht an einem Tag - sondern in den kommenden Monden.
Novembergrüße - aus dem Bergischen, aktuell bei Sonnenschein und Himmelsspiel, Sati
" m.E. sind die Zugänge in der dunklen Jahreszeit durchlässiger, es scheint jedenfalls manchmal so, zu den Toten und allem anderen Nicht-Sichtbaren. Also nicht an einem Tag - sondern in den kommenden Monden."
das lasse ich gerne so stehen
MM
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