.... habe ich gestern morgen gebraucht, um zur Limousine zu kommen. Der helle Wahnsinn. 10 Kilometer Stau auf meiner Bahn - wegen Bergungsarbeiten. Ich fahre also raus und arbeite mich über die Dörfer vor - alles dicht. Halte an einer feinen Bäckerei, um mir was zum Frühstücken zu holen. Komme mit der Bäckersfrau in ein längeres Gespräch - über die handgemachten, köstlichen Backwaren, die sie dort selbst zubereiten - mit frischem Korn, welches tatsächlich selbst gemahlen wird. Da steckt viel Arbeit, Zeit und Liebe drin. Wie schon mal neulich mit einem pensionierten Bäckermeister - kommen wir ins Gespräch über aus China importierte "Teigrohlinge", die eingefroren im Flieger hier landen und von den Billig-Bäckerei-Ketten aufgebacken werden. Totes Material - und jede Menge Elend und Ausbeutung steckt drin. Höre der Frau gerne zu - sie ist sehr gut informiert und reflektiert. Draußen geht eh nichts voran. Treffe immer mehr Leute, die sich ihre Gedanken gemacht haben - und bewußt mit dem Thema Konsum, Qualität und Wertschätzung umgehen.
Zweieinhalb Stunden - statt 20 Minuten - das ist einfach nur verrückt. Egal ...
Mittags fahre ich ein bezauberndes, altes Ehepaar zu einem Strahleninstitut. Er befindet sich nun schon seit eineinhalb Jahren in dieser Mühle. Ich sage zum Abschied: "Werden Sie gesund." Er wird sein Bestes tun. Ist erstaunlich humorvoll und gut gelaunt.
Um die Ecke am Halteplatz sah ich bereits, daß da mein zukünftiger Unternehmer steht - ich nutze also die Gelegenheit und setze hinter ihm an. "Guten Tag, Herr Kollege. Hinter Ihnen steht Ihr neues Auto." Chef - sage ich nicht. Meine Kollegin sagt immer "Chef" - aber isch habe gar keinen Chef - nur Vertragspartner. Also "Kollegen".
Scheint ganz nett zu sein. Wir unterhalten uns eine Weile - ich kläre mal ein paar Punkte für mich. Grundsätzlich - alles klar- für mich - der Rest wird sich zeigen, wenn es soweit ist.
Sehr komisch manchmal, das Leben: Ausgerechnet mit einem Nachtfahrer, den ich niemals freiwillig wieder hergeben würde, wenn ich Unternehmerin wäre - wird es vermutlich nicht so weiterlaufen, wie bislang. Der Mann ist Gold wert, fährt Umsätze ein, die für unsereiner geradezu utopisch sind. Ist freundlich, zuverlässig, hält das Auto tip-top in Schuss .... aber dennoch wird es wohl ausgerechnet ihn treffen, aus anderen Gründen. Naja - der wird sicher mit Kußhand ein neues Auto finden. Aber - wie gesagt - komisch, das Leben.
Und die Einzelheiten, die ich da gerade vernehme - gehen mich gar nichts an. Ich sage das dann auch - das es gar nicht mein Thema ist, wie er und sein Kompagnon die "Unternehmer-Angelegenheiten" handhaben werden. Bin ganz froh, die Gelegenheit ergriffen zu haben - jetzt kennen wir uns schon mal. Was ihn mir sehr sympathisch macht - er fährt auch "nur" vier Tage. Als ich meine, das reiche mir - stimmt er sofort zu. Das ist gut - denn nicht alle sind damit einverstanden, daß die Besetzung nicht 5 Tage fährt - also nur eine schlappe 48-Stunden-Woche runterreißt - statt 60. Mit 72 Stunden habe ich seinerzeit angefangen ... 6-Tage-Woche - von dort auf 5 Tage runter und dann auch mal auf nur noch dreie für eine Weile. Derzeit - die vier - eingependelt auf ein gerade noch "erträgliches Maß".
Nachdem ich schon sehr sehr spät angefangen habe - stelle ich mal eine Stunde früher ab an diesem verqueren Montag. Kommt eh nichts mehr. Fliege bei freier Bahn in Windeseile raus aus der Kolonie. Immer wieder schön, der Abschied!
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