Gestern kochte die Kolonie über. Gerade in den dunkler werdenden Tagen gibt es statt Ruhe und Besinnlichkeit alljährlich diese dagegen haltende Energie der Menschen, die sich nicht in sich selbst zurückziehen, sondern umso mehr herumwirbeln, wohl, um die Dunkelheit zu vergessen.
Je näher es auf die Wintersonnenwende zugeht, desto mehr wird gewirbelt.
Neben dem anwachsenden Konsumrummel - bald ist Weihnachten - gab es dieses zu aller Erstaunen wegen dem Schiri abgesagte FC-Köln-Spiel, welches zusätzliche Menschenmengen in die Stadt verschlug. Demonstrationen liefen an verschiedenen Stellen - von Zugewanderten gegen die Mordserie von Rechtsextremen. Seit dem 11.11. an allen Ecken wieder karnevalistische Veranstaltungen. Die Kolonie kocht hoch.
Nach einem weiteren umsatzschwachen Tag mit vielen doch ausschließlich kurzen Fahrten fuhr ich als letzte Fahrgästin eine sehr sympathische Dame, die dringendst dem Hexenkessel entfliehen wollte, kurz vor Schichtwechsel um 18 Uhr. Ich fragte sie, wo sie genau hinwolle und rechnete meine verbleibende Zeit aus bis zur Übergabe - müßte klappen. Sie war echt erleichtert, dem Gebrodel zu entkommen und ich widerum ganz froh, daß ich am Ende doch noch einen akzeptablen Tagesschnitt machen konnte.
Erfahrungsgemäß wird dieses Gebrodel nun umso heftiger, je mehr es auf Weihnachten zugeht. Morgen eröffnen bereits die Weihnachtsmärkte, die jedes Jahr zahlreicher werden, was zu nochmehr Menschenaufläufen führt.
Gelärme gegen den Winter, gegen den Rückzug der Natur, gegen den (vorübergehenden) Tod?
Ich freue mich auf die Perchtenzeit - die dunkelste und die ruhigste - wenn Weihnachten vorbei sein wird und das neue Jahr noch nicht gekommen ist. Da darf die Kolonie kurz aufatmen.
Bis dahin- werde ich sehen, daß ich den Samstag nicht mehr unbedingt fahre - der geht mir zu sehr gegen die und meine Natur.
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