Jemand erzählte mir, daß ein Adler im Alter von 45 oder sowas um den Dreh sämtliche Federn verliert und sich dann entscheiden muß, ob er stirbt oder nochmal ein neues Federkleid bekommen möchte. Die alten Federn sind für ihn zu schwer geworden, um zu fliegen.
Ich fragte völlig fasziniert nach, ob das wahr sei? Ja.
Heute abend fällt mir diese Geschichte vom Adler wieder ein.
Fühle mich im Moment ebenso - mit den alten Federn kann ich nicht mehr fliegen.
Das Kleid der Gewohnheit und damit des Vergangenen wiegt zu schwer.
Nun hat die Natur es bei mir nicht so vorgesehen, daß das alte Kleid einfach von selbst abfällt - ich muß es selbst hergeben, und das Mir-selbst-die Federn-ausreissen dauert seine Zeit. Viel länger, als ich dachte. Und wer will sich schon freiwillig nackt fühlen - in der verrückten Menschenwelt? Dennoch - trotz der Mühseligkeit - zupfe ich weiter Feder für Feder aus - in dem Wissen, daß sie ausgedient haben und nicht mehr weitertragen.
Manchmal wünsche ich auch, alles auf einmal abwerfen zu dürfen und stelle mir vor, was für eine Erleichterung das sein kann.
Ideen und Vorstellungen müssen immer zuerst abgeworfen werden, dann kann die Tat folgen. Habe heute wieder einmal einige Kilo Bücher verschenkt - und es sind immer noch viel zuviele. Ich will das alles nicht mitnehmen und bin immer mehr bereit, es wirklich wegzugeben und fallen zu lassen. Nur die wichtigsten Bücher und Musikinstrumente (hier: Alle - grins...) mitnehmen, ist der Gedanke. Wenigstens leicht werden, wenn schon nicht alle Federn auf einmal lassen.
Es ist nicht das erste Mal, daß ich so über meine viel zu gewichtige materielle Ausstattung sinniere, bevor ich umziehen werde. Und auch nicht das erste Mal, daß ich manchmal lieber einfach weglaufen würde vor all dem Zeug. Was anders ist - es passiert langsamer und mit mehr Bedacht darauf, was denn wirklich wichtig ist im Leben. Oder so .... Und diesmal weiß ich auch zutiefst - ich nehme ohnehin alles mit, was "meins" ist. Mit und ohne Materie. Immerhin - gibt es in meinem Leben keine schweren Möbel, weil ich noch nie "sesshaft" oder "ansässig" war.
In diesen Tagen hörte ich nochmal einen vielgehörten Spruch meiner Kindheit, der mich damals oft ärgerte - heute kann ich herzlich drüber lachen und sehe die tiefe Wahrheit darin "Mach mal die Augen zu - was Du dann siehst, gehört Dir."
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