Mittwoch, 12. Mai 2010

Verschwundenheit

Die Ereignisse in der "äußeren Welt" überschlagen sich, eine Verrücktheit übertrifft die andere und eine Katastrophe toppt die nächste. Seit Beginn des Jahres jagen sich die Horrormeldungen von Haiti über virtuelle Aschewolken bis zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico, alles während dieser vielzitierten Finanz- und Wirtschaftskrise .... und kaum mehr etwas von alledem berührt mich im Innern oder wo auch immer.
Dieser Gang der Welt - fühlt sich für mich komplett surreal an.
Während also alles scheinbar zusammenkracht und in Chaos versinkt - sitze ich hier und denke höchstens "Ok, dann eben das jetzt. Wen kümmert´s?"
Es scheint, als wäre irgendwo eine Schwelle gewesen, ohne es direkt gemerkt zu haben - und seither wird es immer klarer, daß es hier nichts gibt, was sich festzuhalten lohnt. Mir gehört nichts. Und ich bin sehr einverstanden damit. Eine Erleichterung darüber macht sich breit. All die Dinge, die ich für wichtig erachtet hatte, spielen überhaupt keine Rolle. Höchstens noch das Handtuch erscheint mir sinnvoll im weiten Raum, falls doch nochmal ein kurzfristig verlockendes Raumschiff vorbeikommt. Alles andere - Träume, Erscheinungen, Schweinwünsche, erfüllte und nicht-erfüllte ... verpufft. Keine neuen Wünsche tauchen auf. Keine Visionen. Vergangenheit und Zukunft erweisen sich als ewiger Traum. Selbst die Angst - ist völlig entspannt und geniesst sich selbst genüsslich darin. 
Hat lange gedauert, bis die alten Widerstände hingeschmolzen sind und ich nun nichts und niemand mehr sein brauche. Nichts und niemand mehr bin. Hat es? Oder habe ich mich eh nie bewegt?
Manchmal falle ich noch auf solche alten Identifikatiönchen rein, ich wäre vielleicht eine Taxifahrerin oder sowas ... Musikerin bin ich auch keine mehr. Keine Tochter, keine Schwester, keine Partnerin ... Jeder Atemzug - ist einfach geschenkt. Und ich habe & brauche auch keine Ahnung, wer ich bin. Die vielen Vor-stellungen von "Spiritualität" haben sich in Windeseile in sich selbst aufgelöst und lassen mich höchstens noch schmunzeln, besonders die hierarchischen und die eines "höheren Selbst" - und es gab absolut nichts zu lernen oder zu werden. Bin genauso unperfekt wie zuvor. Nur ein wenig mehr in Frieden damit. Das Menschsein ist einfach so, wie es ist und da ist Genuß der Sinne und der Existenz. Der Verstand dreht gerne weiter durch und will etwas suchen, behauptet sogar, er wolle etwas finden - doch da ist nichts weiter. Es gibt nichts zu finden. Danke an Merkur, der mich wohl in einem der vielen Flüge neulich über diese Schwelle gebracht hat und mir zeigt, daß es völlig in Ordnung ist, niemand zu sein und einfach völlig in der Luft zu hängen. Es ist herrlich hier.

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