.... der erste ein Verkehrsunfall. Es kracht laut, kurz nachdem ich
am Halteplatz angesetzt habe. Ein Lieferwagen ist gegen die Straßenbahn
geprallt. Stillstand .... bei 40 Grad Hitze.
Der Lieferwagenfahrer
wollte nochmal kurz verboten abbiegen - die Verkehrsführung an diesem
Ort ist etwas seltsam und zumindest für Ortsfremde, die sie nicht
kennen, nicht gut ersichtlich. Scheint bei einem schweren Blechschaden
zu bleiben. Fuerwehr rückt an .... die Bahn kommt nicht weiter und muß
wohl irgendwie angehoben werden.
Nicht lange danach
bekomme ich natürlich Kundschaft - ein quirliger Typ, den ich in die
Stadt weiterfahre. "Glück gehabt" - sagt der zu mir und meint mich. Er
hat Glück, war schnell genug, sich eines der wenigen Taxen hier an der
Peripherie zu besorgen. Jetzt steigen nämlich die vielen Menschen aus
den Waggons aus und schauen, wie sie weiterkommen.
Ich
meine - das ist aber nicht das erste Mal auf diese Strecke, daß was mit
der Straßenbahn ist. Der fährt die Strecke mit der Bahn jeden Tag - und
berichtet, da passiert ständig sowas.
Für mich an
diesem Tag nochmal eine gute "Erinnerung": "Fahr einfach ordentlich,
mein Herz." Alles Andere - bringt es nicht, besonders nicht, wenn mensch
soviele Stunden im Chaos unterwegs ist. Zwar weiß ich das schon lange,
aber hier und da gibt´s mal kleine Versuchungen ... besonders, wenn
mensch soviele Stunden im Chaos unterwegs ist.
Und:
Nochmal mehr aufgepaßt - wenn jetzt die große Hitze kommt und langsam
die Hirnflüssigkeiten weichkocht. Da agieren die Leut´ oft erstaunlich -
anders als sonst. Und ich neige dann zu einem eher zügigen Fahrstil.
Der
zweite gute Spiegel: Der Kollege "Methusalem" am Flughafen. Seit 54
Jahren fährt der Mann jetzt Taxi. An einem Samstag kam ich mit ihm ins
Gespräch - und ließ mir was erzählen von ihm - hörte mal zu. Vielleicht
kann ich ja nochwas lernen? Für meinen Geschmack aber - klagte er
einfach zuviel ....
Gestern setzt er hinter mir an -
und "paßt mit auf", wann wir dran sind. (Im Grunde braucht er mir nur
zu vertrauen .... egal.). Nach einem Kurzurlaub bei angenehmem Wind im
Schatten der Bäume und einer formidablen, echten, handgemachten und
köstlichen Pizza mit hauchdünnem Teig und moderatem Belag (genauso soll
das sein!) aus der "formidablen Bude" ... geht´s irgendwann langsam
weiter. Ich gucke auf den Monitor - der anzeigt, wann wir hochfahren
können auf die Rampe - und "Methusalem" fragt aus dem schattigen
Plätzchen heraus:
"Sind wir jetzt dran?" - Ich grinse und meine "Hast Du´s eilig?"
"Ich bin aufgeregt." sagt der.
"Anfänger!" - gebe ich mal zurück - und lach mir einen.
Oben
erzählt er mir eine Story - aus seiner langjährigen Karriere. Neulich
habe ihn eine junge Kollegin total angebrüllt an dem Halteplatz, den er
seit 54 Jahren bevrozugt ansteuert. Soundsoundso sei das gewesen. Und er
schüttelt mit dem Kopf - das könne doch nicht sein, daß die ihn so
anbrüllt! Eine weitere Story folgt - mit einem jungen,
testosteronlastigen "Kollegen" - der ihn, statt nach seinem Wunsche die
Fahrgäste im Konvoi zu fahren, verblasen hätte. Und und und - wenn man
ihn nicht ausbremst, wird er sicher so weitererzählen.
Ich meine nur - wozu er sich denn überhaupt noch aufrege - nach 54 Jahren?
Naja - das könne doch so nicht sein.
Doch - es ist so.
Es
gibt eben immer wieder mal solche Situationen - in denen man eventuell
kurz aneinanderprallt. Aber das sei doch das, was wir am wenigsten
brauchen können - untereinander noch zusätzlichen Streß zu machen - es
reicht doch, was sonst alles abläuft.
Was ich denn machen würde - wenn mir einer so kommt?
Ich rede nicht mehr mit denen, ignoriere die - ist meine Antwort.
Habe nach ein paar Jahren gemerkt - daßmir solche überflüssigen "Streiterein" lediglich auf meine eigene Gesundheit schlagen.
Hmmmhhhh.
Kann man auch - meint er - aber wie sollen die dann lernen, wie sie es anders machen (sollen - nach seiner Ansicht .....)?
Dieser
Mensch ist eine gute Erinnerung - daran, daß es sich nicht lohnt - und
ich sag´s ihm auch so: ".... sich für die paar Kröten aufzuregen über
sowas."
Erinnere mich an meine Anfangszeit - in der ich mir noch
ein paar "Schlachten" lieferte mit speziellen Kollegen. Nicht immer war
ich im Recht - aber aus Prinzip habe ich drauf bestanden. Hahaha ....
Heute
steige ich nur noch sehr sehr selten auf solche Situationen ein. Das
letzte Mal kurz - als einer zu mir sagt: "Hast Du nicht gehört, was ich
Dir gesagt habe?!!!!" Von mir aus kann der auch ein Lied singen - und
akrobatische Kunststücke machen - warum sollte mich das interessieren?
Methusalem
spiegelt mir heute gleich zweierlei: Ich bin immer noch keine echte
Taxifahrerin - und will auch gar keine sein - sonst würde ich mich wohl
mehr aufregen und das blöde Spiel ernst nehmen. Und: Es lohnt sich
wirklich nicht - sich an diesen kleinen Dingen festzubeißen - schon gar
nicht nach Jahren der Er-Fahrung.
Im Prinzip gibt es in
dieser Branche keine "Kollegialität" - denn jeder fährt für sich - was
in der Natur des Geschäftes und der Geschäftsbedingungen liegt.
Aber
- es gibt viele feine Menschen, die in der gleichen Angelegenheit wie
ich auf den Straßen unterwegs sind - und die ich immer wieder mal
antreffe. Wir grüßen uns freundlich - unterhalten uns ein wenig - und
machen auch gerne Späße während der Wartezeiten. Wie gestern - als ich
nach langer Zeit mal wieder die zwei Pünktchen auf dem Display erreicht
hatte (mehr als 99 Minuten Wartezeit .... ) - und der ganz feine Kollege
sich beim Ankommen hinten erfrechte, mir zuzurufen "Du blockierst mal
wieder!". Kurz danach - ging´s ganz gut weiter .....
Es
ist gesünder und erbaulicher - sich an die vielen netten Menschen zu
halten - die man immer wieder trifft - als an ein paar unangenehmere
Ausnahme-Exemplare und -situationen unter Tausenden.
Nur noch vier Wochen Ferien - sagt ein anderer vormittags - dann hätten wir´s geschafft.
Der
- fährt heute "Doppelschicht" - von Freitag morgen um sechse bis
Samstag morgen um fünfe - so lautet sein Plan. Und der macht das ....
hat das früher schon gemacht - und wird es jetzt erst recht tun, seit er
sein eigener Unternehmer ist. Ich erlaube mir dennoch - anzumerken, daß
das der helle Wahnsinn ist und sich nicht wirklich lohnt - rein
gesundheitlich. Da eh nicht viel laufen würde bis vier, fünf Uhr
nachmittags ...... aber wem sage ich das. Der weiß es ja - ist schon
seit Jahrzehnten ein echter Taxifahrer.
Übrigens -
einer von denen - mit denen ich lange nicht mehr geredet habe - weil er
mir einst auf recht schäbige Weise eine Fahrt weggeklaut hatte. Später
erfuhr ich - daß er sich selbst unter hohen, finanziellen Druck begeben
hat - er hatte Raten für ein Haus abzubezahlen. Kein Grund - sich
schäbig zu verhalten eigentlich - aber möglicherweise verständlich. Und
seit einigen Monden reden wir ja wieder miteinander .....
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen