... man kann über die Kolonie viel Schlechtes sagen - sie ist eine endlose Baustelle, ist an vielen Stellen sehr häßlich und sogar schmuddelig. Aber es gibt etwas - was sie vortrefflich kann: Gute Nerven halten - und eine Menge unterschiedlichster Menschen aufnehmen.
So auch am vergangenen Samstag - als der Herr Erdogan kam (das ist der Mann, der auf der Straße seine Leute verhaut ....) - und mit ihm ein paar Zehntausende türkischstämmige Demonstranten. Anhänger wie Gegner.
Alles blieb friedlich - und als ich an der Stelle vorbeikam, auf der die Gegendemonstration stattgefunden hatte, die sich gerade langsam auflöste- schien es mir eher wie ein nettes Volksfest - als wie eine Demonstration.
Lauter friedliche, freundliche Menschen.
Nur die Redner auf der Bühne, die über´s Mikrophon laut etwas auf türkisch verkündeten - waren ein Indiz für ein Demonstrieren. Als Versammlungsort - nach einem Zug durch die Straßen - hatte man sich den "Grüngürtel" gewählt. Also große, weitläufige Rasenflächen mitten in der Stadt.
Auf die andere Rheinseite kam ich nicht an dem Tag - wo der Patriarch und seine Anhänger sich versammelten - und auch andere Gegendemonstranten. Aber auch dort blieb es wohl - friedlich.
Eine Boulevard-Zeitung titelte am folgenden Tag etwa "In Köln wurden nur Döner geworfen." und ausnahmsweise mußte ich mal schmunzeln über diese Schlagzeile. Auch - wenn es albern ist, türkische Kultur immer nur mit "Dönern" gleichzusetzen.
In der Stadt auffällig wenige Taxen am Start - vermutlich waren einige Kollegen auch bei den Veranstaltungen? Einen fragte ich am nächsten Tag. Nein - er war nicht dort - hatte sich freigenommen und nur die Beine hochgelegt.
Ein junger, aufgeweckter türkischer Fahrgast - der auch nicht demonstrieren wollte und den ich einfach von seinem Einkauf abholte und nach Hause fuhr - über viele Schleichwege, denn der Verkehr war quasi zum Erliegen gekommen durch viele Absperrungen - beschwerte sich darüber, was dieser Erdogan hier eigentlich zu suchen hätte? Langsam - würde es ihm wirklich reichen - was in Deutschland so alles erlaubt sei. Und was Deutsche sich so alles gefallen lassen - im eigenen Land.
Ich muß lachen - und merke ironisch an: "Sie dürfen das ja hier sagen. Wenn ich sowas sage - zieht man mir gegenüber sofort die berühmte, dumme Nazi-Keule!" Und ergänze - "Wäre sicher mal ganz interessant, zu wissen, wie das in der Türkei aufgenommen würde - wenn soviele Deutsche einwandern und Ähnliches veranstalten würden. Übrigens - in jedem anderen Land wäre es ebenso interessant."
War ein sehr interessantes, angeregtes Gespräch - und weil die Fahrt mindestens doppelt solange dauerte wie sonst - auch ein ausgiebiges.
Amüsiert hörte ich ihm zu - wie er u.a. kundtat, daß es doch nun wirklich reicht - auch mit der Zuwanderung von Osteuropäern - die ja hier eh nur stehlen und für Ärger sorgen würden. All das - würde schließlich auch auf ihn zurückfallen ... irgendwie. Und er - ist gerne in Deutschland.
Wir einigen uns drauf - daß wir - wären wir arme, gebeutelte Osteuropäer - vermutlich auch unsere Gelegenheit ergreifen würden und in ein scheinbar reiches Land auswandern würden. Das ist - schlicht menschlich und verständlich.
Er selbst - bekommt seit geraumer Zeit nur noch Jobs zu Niedriglöhnen und über Zeitarbeitsagenturen angeboten hierzulande - obwohl er eine qualifizierte Ausbildung hat, für die er einst vier Jahre investiert hat. Es sei beleidigend für ihn. Und wenn er sagt - daß er zu dem Preis nicht arbeiten und davon leben könne - bekommt er zu hören, daß er ja gehen kann. Es stehen genug Andere vor der Tür.
Was das "Klauen" betrifft - welches stark zugenommen hat - besonders am Bahnhof und anderen zentralen Punkten .... sage ich: Wir würden vermutlich auch klauen in solcher Situation - was sollen die denn sonst auch machen? Wenn Sie schon keinen vernünftig bezahlten Job hier bekommen - kriegen die schon gar keinen. Und so - ist es politisch gewollt. (Von meinem Salär rede ich erst gar nicht ..... und auch nicht darüber - warum es nur noch sehr wenige "deutsche Taxifahrer" gibt - bzw. - wie es mir oft mit verwunderlichen Freudenausbrüchen seitens der Fahrgäste entgegenbracht wird - "deutsche Taxifahrerinnen" ..... eine Antwort dazu hätte ich wohl - aber oft keine Lust, etwas dazu zu sagen ... *** .... man muß es halt mögen)
Stimmt auch .... sieht er ein. Ebenso wie - daß es politisch so gewollt ist: Immer mehr Zuwandernde aus armen Ländern Osteuropas - um das Lohndumping noch weiter voranzutreiben. Und um das "Dividere" der Leute aufrechtzuerhalten.
Du kannst nicht einfach zwangsweise alle möglichen Kulturen im Affenzahn durcheinanderwürfeln - ohne daß es zu Befremdlichkeiten kommt. Und diese - sind gewollt von den Immergleichen. Haben Methode.
Wir reden noch ein wenig über religiöse Aspekte - ebenfalls amüsant, ihm zu lauschen. Und mit ihm zu lachen - besonders als es auf das Thema der nicht vorhandenen Erotik kommt - unter dinosaurisch-patriarchalen Eheleuten.
Übrigens ist er nicht der einzige türkischstämmige Bewohner der Kolonie - der die Faxen dicke hat - und sich "sein einstiges Deutschland" wiederwünscht. Wie dieser Herr Akif Pirinci - der ja neulich ein Buch dazu geschruben hat - und von dem ich ihm erzähle.
Oder so - wie ich es sehe und erlebe, hat die vielzitierte "Integration" schon lange bei sehr vielen türkischstämmigen Menschen im Land stattgefunden. Es ist halt die Frage - was immer wieder medial transportiert wird. Und das sind meistens anderslautende "Informationen" - die da selektiert werden und nichts über die Mehrheit der Menschen berichten, die sich längst gerne hier niedergelassen hat und ein ganz normales Leben führt. Jenseits von überzogener Religiösität und/oder irgendwelchem "Extremismus". Ebenso "arbeitsselig" wie die hiesigen Einheimischen. Manches Mal die einstigen so deklarierten "deutschen Tugenden" mehr schätzend als diese - weil sie die Schnauze voll haben von der alltäglichen Korruption in ihren Ursprungsländern. Wobei - es diese hier natürlich auch längst gibt - nur unter einem anderen Deckmäntelchen ..... und unter dem - daß es in Deutschland sowas ja gar nicht gäbe.
Und - am Rande - habe ich in zehn Jahren vielleicht zweimal einen Auftrag nach Düsseldorf über´s Display bekommen .... komisch komisch?!! Meistens - wenn überhaupt - waren es Einsteiger. Und neulich sagte mir ein Kollege: "Wenn Du einen "Rückruf" für einen Auftrag bekommst: Fahr auf jeden Fall hin! Es könnte sich um eine richtig gute Fahrt handeln!"
Kurz berichtet der Fahrgast mir noch über ein sich rapide änderndes Istanbul. In den Achtzigern sei das völlig weltoffen gewesen - eine Weltstadt und international. Inzwischen würde es retardieren - und immer mehr Frauen wieder Kopftücher tragen. Ihm gefällt das ganz und gar nicht.
Über die Frauen unterhalten wir uns auch noch - und er regt sich geradezu über diese auf - wie sie es offenbar immer zahlreicher gerne hinnehmen, daß ihnen diese seltsamen Männer ihr Leben befehlen und sie wie Vieh behandeln. Soviel zur oben erwähnten "Erotik" .... und ich berichte ihm gerne von meinen Beobachtungen zahlreicher türkischer Ehefrauen, wie sie wie Esel mit Tüten bepackt vom Markt kommen und sich oft nur noch wie Walzen in viel zu dicken und langen Gewändern bewegen können - und davon, daß ich es sehen kann - daß diese in ihrem ganzen Leben noch nie Freude an ihrem Mann hatten. Er ergänzt - daß diese Typen echt keine Ahnung hätten - und nie im Leben auf die Wünsche einer Frau eingehen würden.
Ich lerne noch - daß es nirgendwo im Islam diese Regelung gibt - daß ein Mann aus rein vergnüglichen Motiven heraus vier Frauen haben dürfen soll. Das wäre einst - aus "sozialen Gründen" so gewesen - um die Frauen abzusichern, die z.B. verwitwet waren. Soso .... ich zweifle ein wenig und frage "Und wie ist das bei den Arabern - von wegen Harem?" Das wisse er nicht so genau .... aber für die Türken könne er das so sagen.
Und: Dieser jetzige Patriarch - habe die Türkei mindestens um zwanzig Jahre wieder zurückgeworfen - was ihn ärgert.
Eine gute, interessante Fahrt für mich - und für ihn. Wir verabschieden uns freundlich - bedanken uns gegenseitig für den lebendigen Austausch. Geht doch - viel öfter und erheblich besser, als es uns so oft Glauben gemacht werden soll.
Und die gute alte Kolonie - hat die paar Zehntausend locker und friedlich verkraftet - immerhin ist sie da Einiges mehr gewohnt.
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