.... bekomme an einem Halteplatz, den ich nicht wirklich gerne frequentiere, kurz vor Highnoon nach etwa einer Dreiviertelstunde einen Auftrag mit Vorahnung auf mein Display.
Ich bin sehr selten an diesem Halteplatz, da sind mir zuviele Kölsch-Kneipen und "betont lustige kölsche Kneipenurzstreckenfahrgäste" sowie "Einkaufstütenkurzstreckenfahrgästinnen", allesamt mit "Stammkundschaftsallüren" - die mir ins Ohr säuseln werden "Ihre Kollegen machen das aber immer so und so."- einer der sinnlosen Sprüche, die mir je nach Tagesform auch nach Jahren noch meinen marsischen Anteil ins Vorhirn pressen können vor lauter Flachheitt.
Dieser Fahrauftrag - nach etwa 50 Minuten - ist eine Befürchtung, die sich zur Gewissheit kristallisieren wird.
Ja, ich erinnere mich mittels meines Elefantenhirns dunkel .... mir Schwant es ..... ja, ich weiß es - ok - ich war viele viele Monde nicht hier und kriege ausgerechnet SIE wieder .... nicht mein Halteplatz, wie ich schon sagte.
Hetute treffe ich nach einem Klingeln an der Tür eine sehr ent-nervte Haushaltshilfe an, die nicht einmal weiß, das dieser 98-jährige Fresen (einheimisch für "Drachen") ein Taxi rief - um damit zur Sparkasse um die Ecke zu fahren - und der Person am Steuer abstruse Anweisungen zu geben ..... die die Fahrerin im Folgenden sicher nicht befolgen wird, da sie die zu befördernde Person bereits mehr als zu Genüge kennenlernte und sich bei der ersten Begegnung durch deren "Altersterrorismus" manipulieren liess .... einst.
Einst - versuchte ich,behutsam und geduldig
mit diesem Fresen umzugehen.
Aus reiner Nachsicht auf ihr Alter.
Das war übrigens auch meine Konditionierung:
Rücksicht nehmen -
besonders auf alte Leute.
Einfach nur - weil sie alt sind?
Nein.
Diese 98-Jährige ist gemeingefährlich in ihrer dominaten Art.
Da ich sie schon intensivst kennenlernte vor Monden -
eröffne ich ihr daß ich nicht auf sie warten kann -
sie soll sich drinnen einen neuen Wagen rufen lassen.
Ich sage das in einem sehr dominanten Tonfall -
der ihr bestens vertraut ist -
den sie aber gewohnt war, selbst anzugeben.
Sie versteht diesen Tonfall meinerseits bestens
Sie hat vermutlich ihr Leben lang genau diesen
TON angegeben. Jetzt - hat sie mein Echo.
Das - verstent sie.
Beim Aussteigen wettert sie noch: Ich bin Urgroßmutter!
Und ich bin 98 Jahre alt!
Ich denke - du kannst mich mal - es gibt keine Verdienstkreuze mehr für´s Vögeln und Nichtverhüten -
und sage ihr, während ich beobachte, wie ein Lieferwagenfahrer haarscharf an der Limousine vorbeischreddert, ich halb auf einer großen Kreuzung stehend: "Hallo !!! Sie glauben wohl, sie sind alleine hier auf dem Planeten und es dreht sich alles nur um Sie? Ihr Alter interessiert mich niicht dabei - ich muß gerade schauen, daß dieser Fahrer nicht mein Auto plattfährt - nur, damit ich Sie herauslassen kann.
Wir befinden uns - im adeligen und tiefsten Preussen.
Nur das Personal - also die Chauffeuse - ist nicht mehr das, was es einmal war.
Fast -
freue ich mich auf ein Wiedersehen ....
denn Respekt kann ich ihr zollen für ihren Eigensinn und ihren Mut,
sich inmitten des Gewühls in ihrer Verfassung noch zurechtzufinden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen