Dienstag, 26. Juli 2011

"Ist der zu haben?" ...

fragt das männliche kölsche Original beim Einsteigen. "Ja-aaa" ("ja" auf kölsch gesungen) lautet meine Antwort "was wollen Sie denn geben?" Er meint, da reden wir gleich mal in Ruhe drüber. Ruhe - gibt es mit dem aber gar nicht.
Sein Fahrziel ist nicht wirklich weit, aber er redet extrem schnell und so erfahre ich einiges. Hat sehr viel Temperament.
Auf dem Weg begegnet uns eines dieser zahlreichen Wesen, die im Prinzip sehr schlecht zu Fuß sind aber dazu tendieren, "mal eben" und quasi unter Lebensgefahr Strassen und Kreuzungen zu queren, bei "Rot"  versteht sich oder eben da, wo´s brenzlig ist.
Er bemäkelt das - ich meine nur "davon gibt es viele. Gerade die, die kaum laufen können, sind gerne derart wagemutig unterwegs." Wir tauschen ein paar diesbezügliche Begebenheiten aus - stellen fest, daß es auch unmögliche Ampelschaltungen gibt, die selbst Gesunde nicht zu Fuss schaffen. Dann berichtet er von einer waghalsigen älteren Dame,  die er bei ihrem "Strassenquerungs-Stunt" ansprach mit "Junge Frau - ist das nicht gefärlich?!" Diese meint "Ja, ich bin ja schon 78 - da geht eben einiges nicht mehr so schnell."
Er ist selbst 80. Sagt er der 78-jährigen - und jetzt gerade mir.
Donnerwetter - eine Ausnahmeerscheinung!
Pfeffer im Hintern und Lebensfreude wie ein junger Spund.
Ich höre mir die Geschichten an, die von seiner Schwerlast-Kraftfahrerzeit berichten - nach dem Krieg zum Wiederaufbau  um die 1949 ging es los. Ein Bauunternehmen in Köln mit 2.000 Beschäftigten.
Wow - kurz bin ich beeindruckt - und dann fällt mir dazu ein: Eigentlich nicht wirklich ein Wunder, schließlich war ja alles platt.
Mitte der 80er war die Firma dann pleite.
Ich sinniere in Millisekunden über den steten Wandel im Leben.
Er erzählt jetzt die Geschichte, wie er sich daraufhin - arbeitslos geworden -  bei einer anderen Transportfirma vorstellt. Es ist früh am Morgen - und die Chefin des Unternehmens, bei dem er sich gerade als Fahrer bewirbt, lädt ihn allen Ernstes erst einmal zu einem "Bierchen" ein. Er lehnt entschieden ab - worauf sie ihn noch zu überzeugen versucht mit "man müsse sich doch schließlich erst einmal kennenlernen".
Natürlich ist dieses vor Energie sprudelnde Wesen neben mir seinen eigenen Prinzipien treu geblieben - ich vermute mal, daß mensch auch nur so derart lebendig bleiben kann - auch mit stattlichen 80 Lenzen.

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