Dienstag, 28. Juni 2011

Frische Minze

Der Geruch von frischer Minze - hat mich diese schöne Begegnung erinnern lassen, die sich in einer anderen Zeitzone auf diesem Planeten abspielte, wo nicht nur de Uhren anders ticken. Sie erfreut noch heute mein Gemüt.

Mein erster Trip nach Kuba.
Soviele Rat-Schläge zuvor ......
so entspannt vor Ort mit lauter wunderbaren kubanischen Menschen -
die mir die Taschen meiner Weste schließen wollen, damit ich nicht bestohlen werde.
Die passen alle auf auf mich.
Und ich liebe sie auch!

Mein erster Trip erfolgt von einem Tag auf den anderen - ich muß jetzt endlich dorthin!
Keine Flüge mehr nach Havanna - schon gar keine nach Santiago -
ich lande also de facto in Varadero -
das ist sowas wie der Ballermann auf der - eigentlich - schönen Insel Mallorca.
Zuächst also nur Touris um mich herum.

Aber selbst mit diesen - habe ich echt Glück bei meinem ersten Trip -
auf  die Insel. Ich suche nach etwas - was in Varadero schwerlich zu finden ist:
Einheimische - Eingeweihte
Wobei - ich schon einige treffe ...... mit denen ich mich sehr entspannt unterhalte und hier und da schwinge ich schon mal die Rasseln oder sitze mittendrin in der kubanischen Unterhaltungscombo im Krokodil-Park an einer Trommel .... Letzteres eher dank einer sehr temperamentvollen, quicklebendigen und hellwachen Münchnerin, die ich bis heute sehr schätze und die ständig "Kontakte macht".
 
Kubaner dürfen nicht ins eigene Paradies - es sei denn, sie kommen, um zu arbeiten - oder aber es sind Privilegierte,  Spitzel zum Beispiel. Ich "darf" auch nicht einfach raus aus dem Paradies um im Land herumzustromern, wie es mir vielleicht belieben täte.Überall die unsichtbaren Augen der Stasi und viel Polizeipräsenz. Inselbewohner, die am Paradiesstrand auftauchen, werden unverzüglich kontrolliert.
Am vorletzten Tag meines sehr spontanen 14-Tage-Übernachttrips in die Touristen-Hochburg .... treffe ich endlich den Meister, den ich dort suchte ....wir verabreden uns für den nächsten Tag .... und rate mal, wer nicht kommt!
Denke ich mir so - als entsprechend konditionierte Deutsche - aufgewachsen in einem Land, in dem die Menschen darüber klagen, daß Züge  oder Flugzeuge einige Minuten (Sekunden?) später eintreffen. Ich gewöhnte mich schnell an die Erfahrung - irgendwo zu sitzen - wo völlig unklar ist, ob es an diesem Tag - oder morgen - oder irgendwann -  nochwas geht, wenn es auch manchmal hart an die Nerven ging - soviel Wind für Nichtigkeiten, manchmal reine Schikane und Wichtigtuerei der zuständigen Entscheidungsträger - nun, ich kehre ja zurück in dieses reiche Land in Europa, in dem vergleichsweise alles reibungslos funktioniert (damals noch ...).

Der von mir sehnlichst erwartete Meister kommt doch noch - etwa eineinhalb Stunden später. Nicht aus Absicht zu spät - es gibt ganz andere Barrieren in diktatorischen Ländern und er hat hart daran gearbeitet, überhaupt kommen zu können, was mir bis hierher noch nicht klar war .... ich teffe ihn an im Gespräch mit der Putzfee - sie sitzen unten auf dem Sofa und betreiben Konversation. Ich hatte mich schon wieder strandtechnisch bekleidet - und freue mich nun sehr - ihn doch noch hier zu treffen!

Wiir sind dann mit dem Bus für die "Varadero-Sklavem" in das "richtige Kuba"  rausgefahren ... er hat mir erklärt, daß ich jetzt so tun müsse, als sei ich eine Kiubanerin - und er lege den Arm um mich im Bus, damit wir als Paar durchgehen. Ich soll aber besser nicht reden. Ich spiele mit - ohne jegliches Misstrauen - weiß darum, daß er nicht mit mir unterwegs sein darf und seine Berührung ist einfach der Situation entsprechend.

Ich brauche sicher auch nicht reden - habe mehr als genug Eindrücke zu verarbeiten. Wir kommen in Cardenas an  .... dort gibt es Eselstransporter. wir springen auf einen auf. Der unbelannte und dennoch so vertraute Meister - kennt dort Hinz und Kunz und wir treffen auf einen Trompeter. Ja, ein begnadeter Musiker, gratuliert der mir. Wir gehen essen ... in einem sozialitischem Etablissement .....
ich mag den Mann .... er ist sehr lebendig und voll da.

Und mit mir gerade einfach präsent in seiner Stadt unterwegs.
Das Essen - bezahlt er - con pesos cubanos ......
derweil hat er mir ein Lied geschenkt.
Er hat es aufgeschrieben am Tisch,
während wir dort saßen!
Wir haben nicht "auf´s .... gewartet".
Will sagen: Ich wollte gerne, daß er mir etwas auf den Batás beibringt - aber spüre auch instinktiv, daß dazu ein wenig mehr als Technik gehört. Es ist lebendige Musik.
So ist das, wenn mensch etwas Traditionelles wirklich lernen will, finde ich - der Kontext gehört dazu, läßt es erst erspüren.

Wir essen also  -
eines meiner absoluten Lieblingsgerichte: Reis und Kidney-Bohnen.
Was für ein schönes Lied er geschrieben hat in Windeseile.
Jetzt führt er mich eiin wenig durch
die Stadt und stellt mich in verschiedenen und sehr ärmlichen Haushalten  
seine großen Familie vor - er ist der Patron.

Wir sind  in Afrika -  nicht in diesem vielzitierten vorbildlichen Kuba mit dem tollen Bildungs- und
Gesundheitssystem .... das ist alles eine Mär.
Seinerzeit - war ich noch zu dumm, um vieles zu kapieren,
sonst - hätte ich meine gesamte "Habe" dortgelassen.
Ich wuirde gefragt, ob ich vielleicht ein, zwei, drei T-Shirts da lassen kann -
und habe geantwortet: Die T-Shirts, die ich trage - kann ich niemand weitergeben - die will niemand haben."

War völliger Unsinn - sie hätten jeden Fetzen Stoff gut gebrauchen können - aber ich hatte es noch nicht realisiert. Bei meiner nächsten Reise auf die Insel zahle ich Strafzoll wegen Übergepäck und habe unter anderem eine große Tasche voller Klamotten für diese Leute dabei - leidier klappt es mit unserer Verabredung in Santiago nicht, und so verschenke ich es anderweitig. Ich nehme auch jedesmal ein Fahrrad mit, welches mir gute Dienste vor Ort leistet - und lasse es bei darüber glücklichen neuen Besitzern zurück.

Nach dem Essen gehen wir in ein altes, großes Gebäude, es ist wohl eine Musikschule. Musik, Tanz, Kunst ... In einem schönem, sehr großen und angenehm  kühlem Raum lerne ich ein paar Schläge auf den Batá-Trommeln - deshalb bin ich gekommen. Er bringt mir ein wenig "Chachalokuafu" bei .... eine Art "Partyrhythmus für die GötterInnen".
Wir bleiben nicht lange allein - ein paar hübsche Kinder mit ein paar tausend kleinen Zöpfen stecken ihre neugierigen Nasen herein - bevor sie ganz da sind und tanzen.
Als zusätzliches Sahnehäubchen gehe  ich abends mit dem Maestro zu einer echten Bembé, ein Fest für die Götter.
Alle meine Wünsche haben sich erfüllt - und geben mich weiter auf kommende Wege.
DANKE!

Jetzt die Minze -
die erfrischende Minze:
Von Varadero aus wollte ich unbedingt nach Matanzas - das ist das Herz der Rumba - und dort spielen die Leute Samstags am Fluss. Das habe ich den relativ aufgeschlossenen Touri-Bekannten verklickert - und dann waren wir tatsächlich dort,  inmitten meiner heiß geliebten Rumba. Erst passierte stundelang nichts -viel Wind und Wirbel um nichts - "kubanischer Aufbau" quasi - doch wir hatten sofort einheimische und neugierige Gesellschaft und amüsierten uns gut. Irgendwann später sttze ich tatsächlich mittendrin in der Rumba del Sabado in Matanzas.
Zuvor finde ich mich wieder
mit einem wunderbaren Wesen
auf der Strasse
welches taubstumm ist
und mir mit Augen, Händen und Füßen Geschichten erzählt.

Schade - daß ich immer noch diesen
vernichtenden Rest an Miss-trauen habe
auch - wenn ich spüre - es ist alles in bester Ordnung!
Die Freundin aus München bewundert meine "Sprachkünste" mit dem Taubstummen .... sie spricht selbst einiges.
Er verschwindet kurz und bringt uns frische Minze aus seinem Garten, in den er mich so wortgewandt-stumm einlud - und in den ich nicht mitgehen wollte, um mich nicht zu sehr zu verwickeln!
Dennoch - eine von diesen Geschenken, die das Leben und das Herz wirklich reich machen.

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