Zack - Glück gehabt. Keine drei Minuten vergangen und schon - ein Einsteiger. Die haben wir am liebsten, ganz ohne Anfahrt, einfach losfahren ....
Ein schlanker Mittdreißiger, dunkler Typ, Akzent.
"Paaascha bitte" (für die, die es nicht wissen - das ist der offizielle Kölner Puff).
"Ja, gerne." sage ich aufrichtig - Hauptsache, die Kiste rollt!
Und ich rekapituliere nochmal in Windeseile, daß ich es am Anfang meiner Limousinenlenkerinnentätigkeit eher verwerflich fand, wenn die Herren in den Puff oder auf den Stassenstrich wollten. Ich hatte damals noch eine Meinung dazu - und das war wahrlich anstrengend!
Heutzutage ist mir das eher wurscht und ich habe ja schon ein paar Mal erwähnt, daß es sich auch in dieser Parallelwelt meist einfach nur um durchaus freundliche Menschen handelt ... jede(r) mit einer ganz eigenen Geschichte.
Der Fahrgast neben mir stöhnt etwas über die Hitze - in gemischten Brocken aus deutsch, englisch und italienisch. Aha, ein Italiener. 40 Grad in Mailand, schon seit ein paar Wochen. Soso .... dann werden es auf Sizilien wohl 50 sein. Ich antworte - wenn überhaupt - auf deutsch, englisch, italienisch und spanisch. Wir verstehen uns blendend (Hä? Wat will er jetz sagen?). Ich fühle mich erinnert an längst vergangene Tage, in denen ich mich in einen Calabresen verliebte, der in Rom lebte und wahrlich wie ein Zigeuner aussah - Schlagzeuger von Profession und seit dem sechsten Lebensjahr, ein sehr guter! Und einen Kopf kleiner als ich - eine echte Herausforderung.
Auch sprachlich - nach einem halben Jahr sprach und verstand ich nicht nur italienisch sondern auch nach wenigen Tagen im Süden härtesten Dialekt! Ansonsten gehöre ich eh zu der Spezies, die sich mit Händen und Füßen, Herz und Augen unterhalten kann - wenn ich möchte.
Also … ich glaube, ich war eben ein wenig nostalgisch …. Schwärmerisch, begeistert, lebendig, lachend, geniessend, scherzend, auch nachdenklich, gemeinsam und in geselligen, generationsübergreifenden Runden über das Leben sinnierend, interessiert, etwas vom Anderen wissen wollen, etwas von sich geben, die Schönheit hervorhebend - immer die Schönheit des Lebens hervorhebend. La Belleza!
Aber genau das war und ist noch meine vorwiegende Erfahrung mit den Menschen aus sonnigen Ländern und Kulturen – es findet ein ganz anderes Gespräch statt. Einfacher: Es findet ein Gespräch statt, kein Monolog. Und die Fragen sind anders. Die Reihenfolge der Fragen ist ganz anders. Sie wollen wissen, was du magst, was du gerne tust, was du geniesst, was dich wirklich interessiert.
Auf Kuba habe ich es nochmal wieder und anders erlebt. Italiener lieben Kuba ….
Andere Latinos – haben auch diese ganz andere, aufmerksamere Gesprächskultur.
Viel mehr im Leben …. viel weniger im Jammern.
Ja - und jetzt zurück zum Italiener .... der muß ja nur wenige Worte in seiner Sprache singen, um mich zu verzaubern. Haha ... ein Scherz, und doch so wahr!
Wir betreiben also ein wenig Konversation in o.g. Kauderwelsch unter Zuhilfenahme der äußeren Gliedmaßen - worauf ich mich glatt verheddere und den falschen Weg nehme in meinem endlich mal wieder gefordertem Naturell - muß wieder zurückdrehen - no problema - ich fahre wirklich über eine rote Ampel und drehe genau bei der Polizei bei - ich amüsiere mich innerlich, ohne, daß er Bescheid weiß, worüber genau. Denke noch leise - tja, eigentlich schade, daß der jetzt in den Puff geht - gaaanz leise nur denke ich das, er kann es nicht hören.
Auf dem weiteren Weg – entschuldigt sich der Italiener indirekt dafür, daß er nicht gesehen hat, daß der Taxifahrer eine Frau ist …. Ich sage, kein Problem. Wirklich, ich fahre auch gerne zum Puff, wenn am Abend mein Umsatz stimmt. Und solange sich die Herren mir gegenüber adäquat gebären – bin ich durchaus friedlich.
Ob ich verheiratet sei und Familie habe?
Nein.
Ah – gut …. kein Ärger abends nach der Arbeit.
Genau, sage ich, kein Ärger, wie wahr!
Findet er gut.
Ja, ich auch.
Punkt.
Wir sind uns einig.
Beim Pascha angelangt, bietet er mir an, per cortesia, mich anzurufen, damit ich ihn abhole später. Ich überlege kurz – und lehne dankend ab …. Sage ihm, ich habe keine Ahnung, wo ich nachher bin. Und so – ist es auch in der Tat bei mir … ich fahre nur sehr selten auf Anruf oder, anders gesagt, erst ab einem gewissen Salär - dann aber gerne. Einen anderen schönen Italiener fuhr ich mal nach außerhalb zu einem Etablissement, das war eine nette Strecke und dem bot ich daher gerne von mir aus an, ihn wieder aufzulesen, als er mich fragte, wie er denn später wieder zurück in die Kolonie käme.
Ist ganz süß, dieser Italiener ….denke ich nochmal bei mir.
Vielleicht so eine Art angenehmer Kunde bei den Damen im Pascha?!
Quien sabe?
Zum Abschied gibt er mir noch einen lebensweisen Ratschlag vorm Puff:
Ich soll mir einen guten Mann suchen,
der mein Leben leichter macht –
und mit dem ich ebendieses geniessen soll.
„Ascoltame!“
(Hör mir mal gut zu - was ich dir jetzt sage ....)
(Hör mir mal gut zu - was ich dir jetzt sage ....)
Hmmm …. Die Wege der GötterInnen sind unergründlich.
Der nette Italiener könnte ein freundlicher Bruder des Merkur gewesen sein ….
Der sich als Hermaphrodit mal wieder einen Scherz erlaubte.
Nimm Dir einen Mann –
und Dein Leben wird richtig gut -
vorm Puff.
und Dein Leben wird richtig gut -
vorm Puff.
Hahaha ….
Manchmal finde ich das Leben einfach genial- ironisch!
By the way - meine Dienste waren sofort wieder gefragt vor der Tür, ich fuhr eine sehr beeindruckende, sehr reife Dame dieses Gewerbes mit ihrem Fifi a casa.
Manchmal finde ich das Leben einfach genial- ironisch!
By the way - meine Dienste waren sofort wieder gefragt vor der Tür, ich fuhr eine sehr beeindruckende, sehr reife Dame dieses Gewerbes mit ihrem Fifi a casa.
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