Dienstag, 27. Juli 2010

Bitte sauber differenzieren und: In Liebe weiter zusammen feiern

Ja - ich war auch betroffen, als ich es am Samstag abend gehört habe.
Komischerweise auch traurig - daß es gerade bei der "Love-Parade" geschehen mußte, die ja im Ursprung und im Titel eine gute Intention hatte - nämlich der Liebe geweiht zu sein, im Namen der Liebe zusammenzukommen und zu feiern. Nein, ich mag persönlich kein Techno und ich wollte auch nie dorthin - gehe eh nicht zu Massenkundgebungen/-veranstaltungen - aber ich habe genug Phantasie und Erinnerung an meine eigenen wilden Zeiten, um nachvollziehen zu können, daß es eine tolle Party sein kann für junge Leute. Vielleicht sogar gerade weil es so offenherzig zugeht! Lieber öffentliche Liebe und viel hübsche, nackte Haut - als kutten- und burkatragende verlogene HeuchlerInnen in relgiiösen, politischen und/oder anderen machtvollen Ämtern, die ihre Anvertrauten jahrzehnte- bzw. jahrtausendelang heimlich hinter verschlossenen Türen vergewaltigen und mißbrauchen!

Duisburg - ist wirklich übelst gelaufen. Ein Tunnel - dazu nur für einen Bruchteil der ein- und ausströmenden BesucherInnen ausgelegt - geht grundätzlich gar nicht. Sovieles ging da wohl gar nicht, auch ein Zaun ist absurd - zumal genug Raum dort war via gesperrter Autobahn 59. Soviel - wissen wir nun alle.

Während eine Eva Hermann und sicher viele andere "sich-moralisch-integer-dünkende-Christenmenschen" in diesem Lande von einer "Strafe Gottes gegen Sodom und Gomorrha" reden - hatte ich am Samstag abend beim Aufnehmen dieser Nachricht eher den spontanen Eindruck einer schwarzmagisch-ritualisierten Menschenopferung (wegen dem seltsamen Tunnel ...). Dafür sprach die energetisch extrem hochgeladene Schockwelle, die dieses Ereignis offensichtlich auslöst und mittels derer enorme Energie freigesetzt wurde. Beides darf natürlich gerne von Rationalisten als Schwachsinn eingeordnet werden.

Massenpanik - kann sich jederzeit wie ein Funke bei jeglichen Massenzusammentreffen entzünden, hätte also auch bei jedem Public Viewing etc. plötzlich hochkochen können - nur, daß da meistens genügend Fluchtwege eingeplant sind, durch die möglichst viele noch entkommen können.

In der Kolonie, in der ich lebe, finden Massenveranstaltungen sozusagen ganzjährig statt.

Will sagen: Die Love-Parade als Fest an sich nun zu stoppen und mit diesem Ende in ein schlechtes Licht zu rücken - ist heuchlerisch.

Wahr ist, daß sie zu Konsumzwecken benutzt wurde von GeschäftemacherInnen.
Wahr ist aber auch, daß junge Leute zusammen gefeiert haben und sicher das ein oder andere unvergessliche Erlebnis für ihr Leben dabei hatten.
Wahr ist auch, daß sämtliche MSM den Schock über die Toten und die vielen Verletzten in den wenigen Tagen seit Samstag gnadenlos zu ihrem Vorteil ausschlachten - statt den Toten Ruhe zu gönnen.  
Wahr ist auch, daß viele Menschen mit den Betroffenen von Herzen mitfühlen.
Wahr ist auch - daß als Spezialisten bezeichnete Dilettanten stunden- und tagelang hochdotiert übelsten Dünnschiss von sich geben in den Medien - allein schon die Berufsbezeichnung "Panikforscher" bei einem Herrn Schreckenberg mutet wie eine schlechte Parodie an. 
Es gibt sehr viele Schichten der Wahrheit - auch hier.

Eine davon ist auch - es ist so passiert, wie es passiert ist.

In dieser Kolonie mit einer Million Menschen und vielen Touristen und Business-Leuten dazu  - passieren seit Jahren täglich Dinge, von denen wir Anwohner kaum glauben können, daß sie passieren.
Gerade ist die jährliche CSD-Parade vorbei, kommt brandneu eine Gay-Games-Olympiade hinterher.
Im Herbst kommt der alljährliche Marathon - und die ganze Stadt mit sämtlichen Zu- und Ausfahrtswegen wird abgesperrt. Für mich als Taxichauffeuse unfassbar, daß nicht wenigstens die Hauptzufahrtsstrassen offengelassen werden mittels geringfügiger Änderungen der Laufstrecke!
Merkt auch keiner im Vorfeld - erst, wenn´s brennen würde, wäre das Geschrei unüberhörbar!
Ein historisch unschätzbares Stadt-Archiv stürzt ein wegen einem dilettantischen U-Bahn-Bau, den kein Kölner und keine Kölnerin gutheissen - es gibt Tote deswegen, doch der Karneval geht weiter. Die Zugstrecke des Rosenmontagszuges wird nicht etwa umgeleitet, stattdessen wird die Großbaustelle mal eben auf einem Stück Traditonsweg für jede Menge Kohle schon seit Jahren provisorisch asphaltiert, damit die roten und blauen Funken drübermarschieren können. Das Bauende der komplett sinnlosen U-Bahn - verzögert sich bereits um mehrere Jahre und die Kosten sind erheblich explodiert. Anwohner fürchten hier und da, mit ihren Häusern einzukrachen, weil mal wieder etwas schiefläuft. Wird nun geflutet oder nicht? Gibt es nun eine Gasexplosion am Chlodwigplatz oder geht der Kelch vorüber? Zahleiche Geschäftsleute mußten ihre alteingesessenen Traditonsgeschäfte und somit ihre Existenzen aufgeben, weil auf die Langzeitbaustellen keine Kundschaft mehr kommt. Dafür haben wir jetzt u.a. ein künstlich zusammengetackertes herbeigezwungenes gläsernes Yuppie- und Promi-Viertel am Rheinufer.

Ich gebe zu, das Massenspektakel hier in der Kolonie seinerzeit beim Weltjugendtag samt Papstvisite schien gut geplant. Allerdings - hat mir ein Massenauflauf im früheren Müngersdorfer Stadion - heute gekauft und kommerzialisiert von der Rheinenergie - erheblich die Haare hochstehen lassen, weil´s mich mich von der Akkustik in der Arena, zu der ich einige Fahrgäste brachte, eher an 1933 erinnerte ....und mensch stelle sich vor, die vielen Sonderzüge der KVB wären nicht nur über viele Kilometer im Rückstau zum Stillstand  gekommen aufgrund von komplett unmöglicher, nicht-durchführbarer Taktung- alle mußten zu Fuß weitergehen - sondern gar umgekippt, weil beispielsweise die tragenden Teile überlastet wären.

Ja, auch die Fussball-WM 2006 schien ganz gut organisiert. War auch wirklich nett alles, besonders das internationale Flair und die vielen freundlichen und friedlichen Menschen miteinander.

Will nur sagen: Es kann immer viel passieren, wo auch immer solche Massen in Bewegung sind.
Mal ganz abgesehen von der offensichtlich unzumutbaren Planung und  Gestaltung des Geländes in Duisburg, die ja wohl unzweifelhaft ist.
Auf jeder friedlichen Demo - kann es innerhalb von wenigen Sekunden hochkochen und zu Wellen von Aggression und Gewalt kommen. War mal bei einer dabei und habe das sehr interessiert beobachtet. Bei jedem dumpfen Fussballspiel - wurde mal in Italien von Polizisten unter Sicherheitsgeleit zum Auto gebracht .... alles in den wirklich insgesamt wenigen Situationen, in denen ich mich überhaupt  in die Nähe von Massen brachte. Mal ganz abgesehen davon, daß ich als Großstädterin im Einzugsbereich der Innenstadt jederzeit in einer solchen Menschenmasse lebe und mich befinde ..... die jederzeit hochkochen kann. Obwohl wir hier in der Kolonie einige Erfahrung haben und allgemein sehr tolerant sind im Umgang miteinander.

Vielleicht - nenne ich mich ab sofort auch "Panikforscherin" wie der Typ, der Duisburg´s Love-Parade mitgeplant hat für viel Geld - oder "Journalistin" wie diese Hermann´sche .... und lass mir meinen überflüssigen  geistigen Dünnschiss zum Drama anderer Menschen richtig teuer bezahlen. Stadtplanerin in der Kolonie - davon träume ich schon länger. Da kannst du ständig nach Herzenslust nur Scheiße bauen .. Dann wäre ich raus aus dem Bereich des monetären Prekariats. Das geistige Prekariat in diesem schönen Lande - ist ein anderes Thema!

Bitte - laßt uns also ruhig weiter zusammenkommen und feiern. Friedlich, freundlich, international - und in Liebe. Und achtet dabei selbst gut darauf, wie es sich anfühlt, wo ihr gerade seid.

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