... das ist eine sehr gute Empfehlung für alle, die in irgendeiner Form therapeutisch arbeiten, aber sicher auch sehr wertvoll und nützlich für jeden einzelnen von uns, sofern wir an einer Kommunikation mit dem Gegenüber interessiert sein sollten. Und so langsam begreife ich, was das bedeutet.
Vor allem bedeutet es, die eigene Person aus der Situation herauszuhalten - die eigene Person und die mit dieser verbundenen Einstellungen und Überzeugungen.
Wenn ich es zum Beispiel mit einer überzeugten Klugscheißerin zu tun bekomme .... gilt es, die Herausforderung anzunehmen und meine persönliche Überzeugung, daß Klugscheißer ätzend, nervig und im Grunde ziemlich dumm bzw. einfältig sind, einfach außen vor zu lassen und besser hinzusehen, was diese Person da wirklich mit ihrer überzogenen Darstellung der von ihr auswendig gelernten Daten (Wissen mag ich sowas nicht nennen) bezweckt. Es kann zum Beispiel sein, daß sie einfach ein bischen Zuwendung braucht. Ist sogar sehr wahrscheinlich. Endlich mal etwas Bestätigung erfahren, vielleicht sogar Anerkennung für das, was sie schon alles weiß von der Welt .... vermutlich strampelt sich diese Person schon seit Äonen dafür ab .... und dann schauen wir mal weiter, ob es auch wirklich Substanz hat, oder ob es eben nur dieser weitverbreiteten Kompensation von ganz anderen Themen der Seele dient.
Das Gleiche gilt für solche, die immer alles "von Haus aus" (besser) wissen und nie je ein Buch lesen brauchen oder sich gar von jemand anderem belehren lassen möchten. Alles was zählt im Leben, ist das eigene Urteil, das Erleben und Erfahren aus sich selbst heraus und die anderen sind per se alle doof, besonders, wenn sie nicht ebenso absolut eigenständig ihre Lebensthemen meistern und nicht die gleiche Härte an den Tag legen. Sich selbst und anderen gegenüber. An Beispielen mangelt es nicht. Und haben wir nicht alle mal als Kind gelernt, daß immer nur die Anderen doof sind?
Langsam begreife ich, das niemand dort ist, wo ich gerade bin - und vor allem, daß ich auch niemanden in mein Boot holen muß, niemals. Gleichzeitig erkenne ich, daß es keinen Menschen gibt, der je "etwas aus sich selbst heraus" gelernt hätte oder darstellen könnte. Es ist alles nur übernommen - von anderen oder aus dem Äther oder weiß der Teufel woher. Deshalb gibt es ja auch nicht wirklich etwas Neues unter der Sonne. Es ist alles schon da und manche bilden sich ein, sie hätten´s sich selbst ausgesucht, was sie da denken und woran sie glauben.
Manchmal ficht es mich noch an, wenn ich wieder mal ganz klar auf die Doofheit der Anderen stoße (s.o.) ... aber immer öfter erinnere ich mich daran, daß es ziemlich doof ist, sich an der Doofheit aufzureiben.
Viel interessanter und berührender ist eigentlich, hinter die Masken zu schauen, will sagen, aufmerksam zu sein und zu beobachten, welcher Mensch bzw. welche Emotionen und Ängste hinter diesen zur Schau gestellten Masken eigentlich stecken.
Falls ich doch mal wieder drauf reinfalle und etwas persönlich nehme ... erinnere ich mich einfach immer öfter dran und lasse die eigene Maske fallen. Was durch die Masken durchscheint, ist meistens sehr liebenswert.
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