Freitag, 21. November 2008

Hommage an den alten Gärtner

Manchmal liebe ich ja diese Stadt. Oder besser gesagt: Ihre Menschen.
Heute morgen war ich bei mir um die Ecke auf dem Wochenmarkt und habe bei dem alten Gärtner mit den O-igsten O-Beinen, die ich je sah, einen Strauß schön gemischtes Nadelgrün erstanden, mit Liebe zusammengestellt und -gebunden und ganz frisch wie alle seine Blumen und Pflanzen, die er selbst anbaut. Alles beste (Freiland-) Ware.
Der Mann ist eines der immer seltener werdenden kölschen Originale und wenn wir mal ein kurzes Schwätzchen halten, muß ich aufmerksam zuhören, denn er verwendet viele der nur noch selten erklingenden, urkölschen und manchmal von nichts anderem abzuleitenden Wörter. Herrlich!
In dem schönen Strauss Grün waren auch vier Zweige mit Weidenkätzchen miteingewunden und mein Verstand starrte etwas stutzig darauf. Der alte Gärtner registrierte das und erzählte mir sofort von den größten Weidenkätzchen seines Lebens, die hatte damals vor -zig Jahrzehnten sein Bruder aus Frankreich met no Kölle jebraaach ... sowas hatte er zuvor noch nicht gesehen. Er zeigte mir mittels einiger Finger seiner in vielen Jahren großgearbeiteten Lederhaut-Pranken etwa 4 cm hohe Blüten an. Ja, so groß waren die. Davon hat er damals ein Exemplar angezogen und ans Wachsen gekriegt - aber dann mußte er mit seinem Betrieb umziehen und der Busch kam irgendwie nicht mit. Diese hier, die habe er alle selbst gepult. Ich frage mal so unbewandert, wie ich mit sowas bin, ob es die denn sonst nicht erst so um Ostern gibt? Ja, sagt er, aber die sind alle selbst gepult. Sagt er. Und: "So geht das!" - schon zeigt er mir, wie er jede einzelne Blütenkapsel der Weidenkätzchenzweige mit den Fingern freigelegt hat, damit die weichhaarigen Kätzchen darunter bereits jetzt zum Vorschein kommen. "Dat es ene Arbigg för Bekloppte!" Ich lach mich weg und frage ihn, ob er vielleicht in einem früheren Leben mal Krabbenpuler war. Ich mag eigenwillige Originale. Sehr!

Keine Kommentare: