Mittwoch, 23. Juni 2010

Stolz ....

... gefunden auf den Seiten vom astroschmid.ch unter "Vermischtes"
"Als ich, unbekümmert um die große Welt da draußen, mich in meinem Arbeitszimmer einsperrte, entwickelte sich allmählich in mir der Glaube, dass ich unentbehrlich sei. Von allen Mitteln, derer sich die Natur bedient, um den Menschen zur Arbeit zu zwingen, ist dieses stolze Gefühl der Unentbehrlichkeit das wirksamste. Wer nur für Geld arbeitet, arbeitet nur soweit, als sich die Arbeit bezahlt macht; was darüber hinausginge, würde er als Verlust betrachten. Aber wen der Stolz zur Arbeit antreibt, der kann sich nie genug tun. Ich war so eifrig in meinem Glauben an meine Unentbehrlichkeit, dass ich kaum Atem zu schöpfen wagte. Mein Arzt warnte mich wiederholt und sagte: "Nun hören sie einmal auf und gönnen sich Ruhe!" Aber ich erwiderte: "Wie soll die Sache weitergehen, wenn ich ruhe?" Da versagte meine Gesundheit, die Räder meines Wagens brachen, und er blieb hier unter diesem Fenster liegen. Von hier blickte ich hinaus in den grenzenlosen Raum. Da sah ich den Siegeswagen der Zeit an mir vorbei rollen; seine unzähligen Räder blitzten, kein Staub erhob sich, kein Lärm, nicht einmal eine Spur blieb auf dem Weg zurück. Plötzlich kam ich zur Besinnung. Ich sah klar, dass die Sache auch ohne mich ging. Da war keine Gefahr, dass diese Räder anhielten, oder auch nur im geringsten schleiften, weil irgendein einzelner Mensch fehlte. - Aber kann man sich so leicht mit dieser Tatsache abfinden? Selbst, wenn ich sie mit Worten zugebe, so wehre ich mich innerlich doch dagegen. Wenn es wirklich ganz gleich wäre, ob ich da bin oder nicht, wie könnte mein Selbstgefühl auch nur einen Augenblick im Weltall Platz finden? Worauf könnte es sich stützen? Bei all der Fülle, von der Zeit und Raum wimmeln, war es doch nicht möglich, dies, - mein Selbst, auszulassen. 

Die Tatsache, dass ich unentbehrlich bin, wird allein durch die Tatsache gerechtfertigt, dass ich bin."
(Rabindranat Tagore)

Jaja - so sind wir Menschen - auch die "Weisen": Wenn´s nicht recht passt, machen wir´s halt passend ... was sollten wir mit den vielen Paradoxa unserer Leben sonst auch tun?

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