Freitag, 5. März 2010

Der Eid des Hippokrates ...

... ist ja vielen irgendwie ein Begriff - was heutzutage nicht mehr bedeutet, als daß wir eventuell wissen, daß jedes "staatlich anerkannte Arztwesen" einen solchen Eid leistet nach abgeschlossenem Studium und vor der offiziellen Arbeitsaufnahme als Arzt.
Gerade lese ich mir selbst zum ersten Male den Original-Worlaut durch und staune, was die Leute da so für einen Eid ableisten - i.d.R. oder meistens ohne jeglichen Bezug zu den angerufenen Göttern. 
Ich gehe davon aus, daß die meisten keine Ahnung haben, mit wem bzw. mit welchen Göttern sie es da zu tun bekommen -  und davon, daß die meisten den Original-Wortlaut eher inws Lächerliche ziehen würden, weil sie den Glauben an und die Existenz der Götter und Göttinnen für albernen Aberglauben halten. 
Hier die Übersetzung des überlieferten griechischen Originals, die man auf Wikipedia finden kann:
 
„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygeia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.
Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.
Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.
Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben.
Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.
Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.
In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.
Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiterreden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.
Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

Und hier der modernisierte Eid im Wortlaut, den die Damen und Herren Ärzte heute ableisten, die heilungsbefähigten Gottheiten sind herausgeschnitten worden (s.o./Originaltext) - gilt wohl seit 1948 in dieser bzw. ähnlich unverfänglicher Form:
Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand: 
Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;
Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein; 
Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;
Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;
Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;
Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung;
Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden;
Dies alles verspreche ich feierlich, frei und auf meine Ehre.

Nur zu blöd, daß Freiheit, Feierlichkeit und Ehre nicht mehr viel galten bis dato und dafür eine "monetäre Wertigkeit= Nutzbarkeit von Menschen" in den Vordergrund trat ... ich nutze hier bewußt die Vergangenheitsform.

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