Freitag, 12. Februar 2010

Räume und Ansammlungen

Auf dem Foto sieht man eine Metalldose aus den 60er Jahren, ich glaube, sie stammt von einem Kaffeegeschäft, bei dem man sich seinerzeit die köstlichen Bohnen frisch hat mahlen und in solche Behältnisse hat einpacken lassen. Von diesen Dosen gab´s zwei in meiner Kindheit, beide waren gefüllt mit einfachen, funktionellen Lego-Bausteinen, die auch meine sechs Jahre ältere Schwester bespielt hat. Viel mehr dingliches Spielzeug hatte ich nicht als Kleinwüchsige und ich hatte nicht nur wenig Dinge, sondern auch keinen eigenen Raum. Habe die ersten sechs Jahre kein Zimmer für mich gehabt, tagsüber war ich irgendwo ... viel draußen, manchmal im "Kinderzimmer", in dem aber alle Möbel und Sachen meiner Schwester gehörten und ich maximal geduldet war, manchmal im Wohnzimmer oder im Sommer auch viel auf dem Balkon - und nachts schlief ich im Schlafzimmer meiner Eltern. Erinnerungen daran habe ich nur wenige.
Am meisten war ich draußen, wir hatten Gott sei Dank noch viel  "Freilauf", auch hier in der großen Stadt. Es gab einen großen Hinterhof mit Rasen und Sandkisten - als eines Tages Männer kamen mit Schildern, auf denen "Rasen betreten verboten" stand, gab´s einen kollektiven Aufstand aller Erwachsenen und Kinder, ja, die Erwachsenen selbst spielten damals gerne Federball draußen- und auch auf der Straße habe ich viel gespielt, Rollschuhlaufen, Gummitwist, Seilchen springen. Jahrelang.
Meine Eltern hatten damals einen Schrebergarten, das war noch einmal eine andere Welt für sich und dort fand viel Leben statt. Von dem Garten träume ich noch heute, auch von einigen Nachbarn dort, die eine Art "Vogelfreie" waren. Und von der alten Wasserpumpe ...
Im Kindergarten war ich nie, mein Vater wollte das nicht, und ich bin damit bis heute sehr einverstanden. Meine Mutter wäre mich sicher gerne noch mehr losgeworden - aber ich war ja auch so schon sehr pflegeleicht und irgendwie "selbständig". Ja, ich hatte auch oft Langeweile - besonders, wenn ich mit mußte zu den vielen Familienfeiern mit den vielen Erwachsenen, die den ganzen Tag gegessen haben und mit denen ich nichts gemeinsam hatte - außer die Passion für´s Kartenspielen, schon als Kind. Heute- hat sich das in Richtung Tarot verlagert und ich finde es interessant, wie sich meine schon immer enge Beziehung zu den Karten (-bildern) entwickelt, nachdem ich früher jahrelang Skat, Doppelkopf u.v.m. gespielt hatte.
Interessant finde ich heute diese Ansammlung an "Spielzeug" in meinen Hallen im Kontrast zu den beiden bescheidenen Lego-Kisten von damals. Sicher auch ein Stück weit "Nachholbedarf" - das Auskosten einer Möglichkeit, die als Kind so nicht gegeben war.

Noch mehr beschäftigt mich dieses Thema "den eigenen Raum einnehmen".....wo ja im Grunde auch alle Dinge  mit hineingehören. Der Raum selbst geht ja über Wände hinaus, geht ins Unendliche und auch ins bisher Unmögliche hinein.

Gerade vor ein paar Stunden dachte ich darüber nach, wieviel Dinge ich während meiner 5 Umzüge binnen weniger Jahre mitgeschleppt und/oder eingelagert habe, aus dieser "Wenn-mal-was-ist-Mentalität" heraus, die ich sicher auch von einer langen und ehemals vielköpfigen Ahnenreihe geerbt habe, die halt einige Kriege miterlebt hat. Ich kann  mich kaum mehr an die Einzelheiten dieser vielen Umzüge erinnern, es ist irgendwie untergegangen und es bleiben nur ein paar Bilder.

Auffällig die Reaktionen von Menschen, die mich besuchen und mein vielschichtiges Sammelsurium an Kleinod entdecken: Frauen sind meist entzückt und finden es spannend, daß es hier soviel zu entdecken gibt - von einem Mann kam nur ein trockender Kommentar "Ah, ein Museum!" Beide haben völlig recht. Die Frage ist nur, was ich gerade brauche .... und ich brauche jetzt einfach mehr Platz, Raum und wieder Wesentlicheres. Daran erinnert mich die alte Lego-Kiste: Im Grunde brauchen wir nicht viele Dinge, um gut zu leben. Aber viele Freiräume halte ich für absolut lebenswichtig!

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