Samstag, 30. August 2008

Aus uns selbst heraus?

Seit vielen Monden wundere ich mich über diese menschliche Angewohnheit des Menschen, ernsthaft diverse Wertungen und besonders Abwertungen zu treffen über die verschiedenen
Arten, das Leben zu leben und etwas über das Leben zu lernen
und über das, was wir sind. Der Schlüssel ist hier "ernsthaft".

Ein dauerndes Jonglieren mit unzähligen und meist unsinnigen Glaubenssätzen, die halt die zeitweise Gestaltung der Welt bewirken -
bis wieder etwas Neues auftaucht und die Geschichte sich wandelt.


Menschen beispielsweise, die zu-fällig auf dem Lande geboren wurden und dort aufwuchsen und bei denen sich daher quasi zwangsläufig ein entsprechendes und einfach naheliegendes Erfahrungswissen über ihre unmittelbare Umgebung angesammelt hat, glauben, sie hätten die echte Weisheit und das echte Erleben für sich gepachtet - und überkandidelte degeniererte Städter hätten grundsätzlich keine Ahnung, weil nur Bücherwissen aus zweiter Hand etc. pp.
Was die Großstädter, die tagein tagaus unerschrocken inmitten von ungezählten anderen hektischen und unter Strom stehenden Artgenossen auf engstem Raum und hartem Asphalt unterwegs sind, über die Landpflanzen denken, ist oft auch nichts Gutes. "Wer weiß, ob die überhaupt lesen und schreiben können ..."

Das beide einfach nur an ihre jeweiligen Lebensumstände und an ihre Außenwelten angepaßt sind um der Überlebensfähigkeit willen, ist den wenigsten für sich selbst und das eigene Leben klar. Am schnellsten wird es vielleicht denen klar, die in verschiedenen Welten schon gelebt und gelernt haben, Anpassung an die Notwendigkeiten vollzieht sich entsprechend.

Niemand von beiden im oben gewählten Beispiel und auch sonst niemand ist in irgendeiner Form "authentisch". Sowas gibt es nämlich gar nicht. Ja, wirklich: Kein Mensch ist authentisch.

Umso lustiger klingt mir deshalb in den Ohren oder erscheint es dem Anblick meiner Augen, wenn ich höre oder lese, daß Menschen über andere Menschen sagen, die hätten sich nichts wirklich selbst beigebracht, sie hätten ja ihr Wissen oder gar ihre Weisheit nur aus Büchern übernommen und/oder von Anderen (Menschen), würden eh nur konsumieren, möglicherweise sogar einem Meister folgen. Das ist nämlich, was wir ausnahmslos alle tun, nur daß die, die ebendies verurteilen, es für sich selbst noch nicht sehen können und es vor allem aus einem mir nicht begreifbaren Grund verurteilen.

Ich kann nichts Verkehrtes daran sehen: Jede Spezies lernt von ihren Vorgängern und Ahnen, der Mensch hat einfach noch ein paar zusätzliche technische Möglichkeiten zu diesem Zweck erfunden, wie z.B. Buchdruck und Computer.

Was also die Ebene der (menschlichen) Existenz betrifft, ist es für mich ist sonnenklar:
Niemand von uns hat je wirklich und "pur" irgendetwas über dieses Leben aus sich selbst heraus gelernt, sondern wir sind alle Konglomerate von dem, was uns während unseres Lebens im Rahmen des großen göttlichen Spiels begegnet - sowohl Menschen als auch Umgebung, Dinge etc. - und darüberhinaus von dem, was uns von unseren Vorfahren als Instinkt mitgegeben wurde. Und das ist sicher weit mehr, als die meisten heutzutage bei sich selbst vorfinden möchten.

Was wir tun können, ist, unsere Aufmerksamkeit lenken und ggf. filtern. Wir müssen weder alles glauben noch alles ablehnen, was uns begegnet. Jeder kann sich also seine eigene Welt zurechtlegen, was wir ja auch alle (und die meisten unbewußt) tun. Es gibt also soviele Welten, wie es Menschen gibt. Und darüberhinaus noch viele viele mehr, denn der Mensch ist ja nicht alleine auf der Welt und im Universum.

In der unaussprechlichen Dimension, in der wir wirklich etwas "aus uns selbst heraus" erfahren könnten, gibt es niemanden mehr, der etwas erfährt.

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