Donnerstag, 3. November 2016

Oh mannomann - wat Hirnwäschen!

Hatte ja kürzlich schon die beiden Bücher erwähnt, die die Geschichte von Thomas aus seiner Jungen-Perspektive erzählen - Band 1 beginnend in der neuen Ostzone im Jahr 1950 - und im Band 2 dann fortgesetzt nach der Flucht in den Westen, 1952. Die zu der Zeit übrigens noch per S-Bahn gen West-Berlin gelang.

Hatte beide schon vor Jahrzehnten gelesen - und nun lese ich erstmals überhaupt Bücher ein zweites Mal. Es lohnt sich!
Zwischen Traurigem und Lustigem- findet sich eine treffliche Beschreibung der Zeiten - in Ost und West. Rezensionen von Menschen, die einst ebenfalls in Leipzig groß wurden zu ähnlicher Zeit, betsätigen die Echtheit der Schilderungen. Sie können sogar nochmal lebendig mitgehen mit Thomas durch Straßen und sogar Geschäfte - in denen es fast nichts gab.
Heute morgen las ich vom Aufmarsch zum 1. Mai - sehr interessant und wie alles Andere - lebendigst geschildert.

Diesmal habe ich mit Band 2 begonnen - also nach der Flucht von Thomas und seiner Mutter in den Westsektor - den hatte ich vom Jüppchen geerbt im Frühjahr. Und dachte immer: Mannomann - wat für ´ne Gehirnwäsche! Und: War mir gar nicht (mehr) so klar, wie früh diese begonnen hatte. Besser: Hatte mich schon lange nicht mehr in die Zeit hineingedacht. Natürlich - hat es gleich nach Kriegsende dem Waffenstillstand begonnen. Und mußten die Deutschen sich z.B. Filmvorführungen ansehen, um schnell zu lernen, was für fürchterliche und unbelehrbare Monster sie sind. Was nicht im Buch steht.

Jetzt lese ich Band 1 und denke: Mannomann - wat für ´ne Gehirnwäsche. Und - was für Mitläufer.  In der Ostzone ebenso - wie im Westsektor.
Nicht alle - aber alle (glauben sie) müss(t)en jedenfalls so tun - als wären sie linientreu.
Also hat sich nichts geändert nach 1945 - im Gegenteil.
Und heute?
Scheint es ja wieder sehr ähnlich zu sein - jedenfalls wenn mensch so im Netz liest.
Ich selbst bekomme vom neuerlichen Irrsinn im Land noch relativ wenig mit.
Auch nicht von "Redeverboten" und nicht davon, daß sogar Ehepaare und Familien nicht mehr miteinander reden bzw. sich spalten lassen. Aber - ich kann mir vorstellen, daß mensch auf sowas treffen kann im Alltag.
Oder so: Scheint wohl ein Stück tiefsitzende deutsche Mentalität zu sein - dieses "sich mühelos spalten lassen"  untereinander - aufgrund von an sich billiger Gehirnwäsche - und für fremde Ideen.

Eben erst entdeckt - es gibt noch einen dritten Band. Der wird natürlich auch noch gelesen - im Anschluß. Heißt "Das Hochzeitsfoto" - und erzählt die Geschichte von Thomas´ Eltern. Geht dann also zurück in eine nochmal andere Zeit -  ebenfalls gehirngewaschen.

Ob die Deutschen nochmal - falls sie noch genügend Zeit dazu bekommen - anfangen, selbst zu denken?
Man darf gespannt sein.
Lange Zeit dachte ich - so blöde würde niemand mehr sein (wollen). Hatte mich offensichtlich getäuscht.  

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tja, dass hoffe ich auch. Wird aber schwierig mit dem Selberdenken solange der Bauch voll ist und Katastrophen und Mord und Totschlag weit weg. Jeden Tag wird dem Michel eingebläut, dass nur Frau Merkel das Land (ins Unglück)lenken könnte, sozusagen “alternativlos“. Und's Volk läßt sich einlullen, ist so gemütlich, Mutti macht's schon.
Wird der Mainstreammeinungsmache widersprochen, gibt's sofort den Rechts- und -oder Nazistempel. So wurde ja unlängst ein ganzes Bundesland abgestraft. Es gab keinen Aufschrei. Und dieses Spalten der Bevölkerung ist das, was dem Machterhalt dient.
Die Leute im Osten sind per se kritischer, mutiger, haben in der Vergangenheit Meinungsmache, Manipulation erlebt, durchlebt zwar mit dazumal Holzhammermethode - die Partei, die Partei hat immer recht und bist du nicht für uns, so bist du gegen uns - und sind gerade dadurch nicht so einfach “hinter die Fichte“ zu führen. Sind misstrauischer mit feinen Sensoren gegen falsche Töne. Unbequemer halt.
Aber was immer gleich bleibt in allen Systemen - die Quer- oder Selbstdenker bleiben immer die Verlierer (Gelackmeierten) es sei denn, sie lassen sich korrumpieren, durch Macht, Geld etc.
Trotzdem, die Hoffnung nie aufgeben.

So, ist eine längere Epistel geworden, die erste Version wurde leider vom Netzorkus verschluckt.

Welle

Sati hat gesagt…

Ja - liebe Welle - vielleicht gerade jetzt ein kleines Licht am Horizont: Die gemachten Erfahrungen der einstigen Ost-Zonler. Viele wollen sich nicht noch einmal von Grund auf verarschen lassen.
Im Westen - und ich stecke im tiefsten drin = NRW - scheinen viele noch nicht mal zu bemerken - wie sie "still" demontiert werden (sollen).
Läuft ja noch fast alles ..... im Konsum.

Ich gehöre zu solchen, die heute eher sagen würden: Ohne die "Ossies" wäre hier schon längst überall landunter.
Aber - ich sage auch: Hirngewaschen waren sie einst auch - übelst.

Bdauerlicherweise ist es immer noch so leicht -die Menschen hirnzuwaschen. Und das - im Grunde auf dem ganzen Planeten. Noch.

Sati hat gesagt…

PS: Ich gehöre auch zu solchen, die meinen: Mit vollem Magen läßt es sich auch trefflich reflektieren. Besonders mit solchem.
Guck Dir mal die Ärmsten der Armen an - die nicht mal was zu fressen haben - was sollen die denn noch an Widerstand bzw. Motivation aufbringen?

Anonym hat gesagt…

Oh, dass sehe ich ein wenig anders.
Die Revolutionen in der Vergangenheit kamen doch in der Regel gerade deshalb zustande, weil die Armen der Ärmsten (das war immer die Mehrzahl) kein Hemd auf dem Leib und nichts zwischen Zähnen hatten.
Französische Revolution, Aufstand der Schlesischen Weber, Märzrevolution, Oktoberrevolution. Es war doch immer der Mut und die Wut der Verzweifelten, die nichts mehr zu verlieren hatten.

Und das sieht in der Gegenwart (bei den meisten) in Deutschland anders aus, das wollte ich damit sagen. Das forciert natürlich die Trägheit - Denkfaulheit - Bequemlichkeit sind das Ergebnis (Hirnwäsche hin oder her).

Sati hat gesagt…

So lautet jedenfalls die "offizielle Geschichtsschreibung" bzw. das, was man uns erzählt hat. Auch das darf hinterfragt werden. Z.B. die französische Revolution - ich kenne mich da nicht wirklich gut aus, habe aber schon sehr oft vernommen, daß diese ganz andere Hintergründe hatte.

Jüngeres Beispiel ist 1989 - und die friedliche Revolution in der DDR. Wäre die nicht von bestimmten Kreisen gewollt gewesen - so wäre da m.E. was Anderes passiert.

Was ich meine, ist eher "Evolution" - um mal den Begriff aufzugreifen, der bei vielen "Wahrheitssuchern" verwendet wird. Revolutionen sind am Ende eigentlich nie wirklich gut ausgegangen für´s "Volk" - und haben keine echten, evolutionären Veränderungen in die beherrschenden Systeme gebracht - die Systeme wurden lediglich ausgetauscht - vordergründig - liefen aber nicht viel anders weiter als zuvor - nur unter anderen Deckmäntelchen.

Und: Es gibt inwzischen viele Millionen Deutsche, die kaum wissen, wie sie noch über den Monat kommen sollen. Nicht nur jede Menge "Hartzler", sondern auch "Aufstocker", die Vollzeit arbeiten - und sehr viele Rentner.
Ist aber immer noch so eine Art "Tabuthema" und wird gerne bestritten im Lande.

Ich bleibe dabei - der Mensch kann besser reflektieren - wenn es ihm im Ganzen gut geht.
Aufstände aus der Not und aus Verzweiflung heraus - siehe oben.
Das heißt natürlich nicht - daß auch jeder mal reflektieren will - da hast Du völlig recht.

Anonym hat gesagt…

Na ja gut, was nachher rauskommt, da muss man nicht soweit rückwärtsgucken - s. den sogenannten Arabischen Frühling. Hier war der Hunger auf eine bessere Welt Antrieb.
Lohn war Chaos und ein zerrütteter Naher Osten. Bis heute.

Und in damals, der friedliche Umsturz in der DDR - wir werden wohl nie erfahren, wer seinerzeit die Strippenzieher waren. Das System heute ähnelt sich erschreckend dem damaligen, wie ich festgestellt habe. Mit dem Unterschied, dass man seinerzeit auf seine Wortwahl achten mußte und es heute zwar “noch“ Redefreiheit gibt, aber nichts ändert sich.
Alles bleibt - welch schöner Begriff - systemkonform.

Solltest du recht haben, den Begriff Revolution durch Evolution ersetzen zu können, wäre das für mich ein ziemliches Schreckenszenario. Das hieße ja dann wie in der Natur, das letztlich der Stärkere immer gewinnt. Was nutzt dann alles Reflektieren?

Verdammt (Entschuldigung), aber ich w i l l die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Menschheit (oder bescheidener - ein kleiner Teil)
als vernunftbegabte Wesen diese Art Evolution überlisten.

Damit, liebe Sati, wünsche ich dir einen guten Sonntag

Welle


Sati hat gesagt…

Evolution = Entwicklung.
Solche kann durchaus auch in eine bessere Richtung gehen.
Du meintest wohl eher Darwinismus - von wegen der Stärkere gewinnt.
Dir auch einen feinen Sonntag!