Sonntag, 30. Oktober 2016

"Systeme" im Land .... und zwei Bücher

In des Jüppchens Nachlass fand sich ein Buch, welches ich vor sehr vielen Jahren schon einmal gelesen hatte: "Alles in Butter" von Dieter Zimmer. Es ist der zweite Teil der Geschichte von Thomas, die 1950 in Leipzig beginnt und 1953 in der "BRD" endet. Der erste Teil heißt "Für´n Groschen Brause".
Ich las erstmals im Leben ein Buch zum zweiten Mal. Und staunte - wie ein Roman die einstige Umerziehung trefflich wiedergeben kann. Ich kann beide Bücher allerwärmstens empfehlen - wie auch die vielen berührten Rezensionen auf der bekannten Seite wiedergeben.
Es ist eine Reise mit dem zunächst 10-Jährigen, die einen an die eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert - mich viel zum Schmunzeln und auch zum Lachen bringt - und andererseits auch zum Nachdenken - über uns Menschen und "Systeme".

Auf insgesamt etwa 600 Seiten erlebt Thomas also beide "neu installierten Systeme" im Nachkriegsdeutschland. Zunächst in Leipzig und im neu gegründeten "Arbeiter-und Bauernstaat" - und später, 1952, flieht er mit seiner Mutter gen Westen - gen "Wirtschaftswunder und Kapitalismus".
Zwei sehr konrastierende Welten - wenige Jahre nach 1945 - bis wohin beide Seiten noch eins waren - und in ein ganz anderes, gemeinsames "Systemhorn" bliesen.

Wie schnell sich Menschen trennen und spalten lassen - ist schon überaus erstaunlich. Und wie schnell aus einstigen obrigkeitshörigen Nahziehs -  orbigskeisthörige - hoppla, Zufall, der Verschreiber? also nochmal: obrigkeitshörige Kommunisten bzw. Kapitalisten werden, die sich wie Fähnchen im Winde drehen lassen.
Nicht nur das - sie sind in Windeseile so überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen - daß sie bereits wieder ihre Mitmenschen gängeln, malträtieren und die Kinder von klein auf indoktrinieren.

Mit dem Jungen Thomas - aus seiner Perspektive - durch beide Welten mitzureisen, ist eine Wonne, weil dieser so ehrlich und unverdorben ist.  Im Glück wie im Schmerz. Auch die Unbilden, sich der Weiblichkeit zu nähern, werden im zweiten Teil anrührend geschildert - zum Piepen!
Gestern erst kam Teil 1 an - und schon steckte ich wieder mittendrin in Thomas´ Geschichte.

Beide Bücher gibt es gebraucht für einen Appel und ein Ei zu erstehen.
Aber nicht vergessen - es gab hierzulande auch Zeiten - da waren ein Appel und ein Ei Gold wert!

Die Geschichte von Thomas - und andere Impulse - haben mir auch nochmal gezeigt, was das hier für ein verrücktes Land ist. Gerade Deutschland - hat in wenigen Jahren soviele "Systemwechsel" mitgemacht - und dennoch fanden und finden sich immer wieder gläubige und ergebene "Systemlinge" - die vor dem aktuell hirneingeprügeltem Hintergrund ihre Mitmenschen schikanieren.
Nicht nur unter denen, die fett profitieren - sondern - noch schlimmer - auch bei den "Kleinen".

Vielleicht - schaue ich mir heute mal "Biedermann und die Brandstifter" an - gibt es als Film aus den frühen Sechzigern im Netz zu sehen. Ich erinnere mich noch gut - wie zornig ich einst beim Lesen war.

Weitere Systemwechsel im Lande - gab es dann 1968 - erstmal schleichend/subtil, aber heute mit fatalen Folgen für die Kinder (Stichwort "Frühsexualisierung") und Frauen ("Emanzipation" als Köder für flächendeckende Frauenarbeit und "Entmännlichung" der Männer) - und natürlich mit forciertem Einsetzen der Globalisierung, wo 1989 die sogenannte "Wende" mit hineinfällt, die m.E. ebenfalls mit auf der Agenda stand - sonst wäre sie nicht eingetreten (lassen worden!).
Wenig später dann die sogeannte "Agenda 2010" - ausgerechnet von den "Sozies" durchgepeitscht - also die zunehmende Spaltung in Reiche und Arme.
Nur mal so - als grobe Eckpunkte - quasi Systemwechsel innerhalb des scheinbar bestehenden Systems - welches sich die ganze Zeit mächtig verändert. Oder so: Die planmäßige Umerziehung und Verblödung schreitet fort.  Und solche - die nicht blöde genug sind - werden an Mitteln knapp gehalten, damit die Kraft und der Willen zum Verändern erst gar nicht mehr da ist.

Über Jahrzehnte wurde immer wieder gespalten mittels medialen Verlautbarungen, die allseits Mißgunst schüren sollen - Alt gegen Jung,  Menschen mit Arbeit gegen solche ohne Arbeit, Kinderlose gegen Menschen mit Kindern usw.

Was aktuell geschieht - ist nochmal eine forcierte Spaltung - da schreib ich jetzt nichts dazu - sonst wird mir das zu lang hier.
Zusammenfassung in Kürze:
Offenbar haben wir Menschen immer noch nichts gelernt - trotz sovieler Gelegenheiten.

Also - beide o.g. Bücher nochmal wärmstens empfohlen! Es gibt viel zu schmunzeln, zu lachen - aber auch Tiefgründiges - welches einem einen guten Spiegel vorhalten kann.                            

Kommentare:

Anonym hat gesagt…


Klar, immer nach dem Prinzip “Teile und herrsche“. Das gelang über Jahrhunderte sehr gut und funktioniert noch heute.

Zur Zeit Wessis gegen Ossis und “Gutmenschen“ gegen “Rechts“.
Einfachstes Schwarz-Weiß-Muster, klappt bestens.
Und das System bleibt erhalten.

Welle

Sati hat gesagt…

Ja - liebe Welle - so ist es.
Was mich beschäftigt - schon oft hat - ist dies, ich kriege es nur nicht so recht auf den Punkt:
Es sind ja nicht alle von Haus aus doof, die sich in die wechselnden Systeme einreihen und diese aus Kräften unterstützen - oft sogar tatsächlich dran glauben.
Die deutsche Nachkriegszeit bzw. die Teilung ab 1949 in zwei verschiedene "Systeme" ist da ein bis heute formidables Beispiel - wie Menschen sich ratzfatz um 180 Grad drehen lassen. So blöd - kann eigentlichz niemand wirdklich sein ?!?
Und doch - wurden die ausgegebenen Parolen - wie heute auch - fleißig nachgekräht.
Was ist da los?
Ich finde das geradezu - fast gruselig.

mundanomaniac hat gesagt…

und Du kannst daran nicht einmal etwas ändern.
Zugriff hast du nur auf Dich selbst.

Sati hat gesagt…

Stimmt spürbar!
Auch ein Thema - schon länger.
Womöglich sogar das Wichtigste - im Leben.

Dem gegenüber stehen viele Theorien - der Mensch sei ein "soziales Wesen", ein Rudeltier, müsse sich spiegeln etc. pp.

Bin dran .... besonders als einst (auch ...) klar auf Menschen bezogener Mensch. Sie haben mich immer interessiert, meine Artgenossen.