Montag, 22. August 2016

S´Katerchen - tastet sich langsam vor ....

... in sein ganz neues Leben und Revier.
Er tut das - in seinem eigenen Tempo und in seiner eigenen Perfektion.
Jeden Tag - anders.
Und an jedem Tag - nochmal mehrfach anders.

Und so zeigt er mir auch - daß ich ja auch jeden Tag immer wieder anders . "drauf" bin.
Kürzlich hatten wir hier einen so ruhigen Tag - daß ich ganz erstaunt war.
Er schlief und ruhte - bis in die Nacht.
Vermutlich auch ein Erholungsschlaf - vom krassen Wechsel kürzlich. 
Und ich las - soviel wie ewig nicht mehr in dieser Stille.

Dann wieder - kommt er morgens gerne aus seiner Höhle unter der Küchenspüle, die nun ganz ihm gehört. Ohne, daß ich die Fronttür öffne.
Und maunzt sich was.
Manchmal aber - frühestens gegen mittag - öffne ich die auch mal und gucke - wie er so drauf ist. Immer öfter - kommt er gerne gleich raus.

Er frißt - hat Appetit - und manchmal haut er rein wie ein Scheunendrescher.
Was er bestens vertragen kann - er war sehr mager bei seiner Ankunft hier. Glaube - er hat schon zugenommen. 
Trinkt Wasser.
Verweigert weiter "Leckerchen" - die ich ihm heute nochmal als Option anbot.
Gut so!

Manchmal spielt er formidabel - mit den kleinsten Alltagsdingen - zum Piepen.
Dann - ist er wieder zu müde und ruht wieder.
Ich freue mich - daß er sich nun auch getraut, mitten im Salon und "ganz offen" zu ruhen.
Ob auf seinem Sessel oder mitten im Raum auf dem Teppich.
Manchmal ruht er auch ganz in meiner Nähe - an den Füßen.
Überhaupt - läuft er manchmal gerne mit auf meinen Wegen.

Holt sich seine Schmuseeinheiten ab, wenn er sie will.
Und dann - wenn er keine will - duckt er sich unter meiner Hand durch wie eine Flunder.
Irgendwann wieder - wirft er sich auf den Rücken  - und läßt sich auch gerne am Bauch kraulen. 
Freundlicherweise fallen seine Liebesbisse sehr geschmeidig aus - und hat er auch seine Krallen meistens nicht ausgefahren.

Nur gestern oder vorgestern - als er über meinen Oberschenkel zum "Küchen-Bartisch" hochging - da war es schmerzlich. Sein einstiger Futtergeber hatte ihm wohl einst dies "beigebracht": An ihm mit ausgefahrenen Krallen bis zum Hals bzw. zur Schulter hochzugehen. An den Klamotten. So gehört beim einstigen Anruf hier - seiner ehemaligen Leute. Nur per Zufall - weil ich der Frau erzählte, daß der Kater am Vortag meinen Rücken als Rampe benutzt hatte.  Ohne Krallen in dem Fall - und für mich belustigend.
Ich frage mich - wer bringt den feinen Tiere so einen Unsinn bei?
Und bin froh - daß der Kater solch seltsames Spielchen wohl nicht mehr braucht.


Bin auch  froh - daß ich mich getraut habe - ihn mitzunehmen und ihm nochmal ein neues Leben anzubieten. Trotz aller "Weltuntergangsprognosen". 
Eines - wo er wieder sein eigener König sein kann. Und mehr Ruhe hat als vorher.

Dort - wo sich seine Lieblingsplätze herauskristallisieren - bekommt er jeweils eine feine Decke hingelegt. Das kennt er wohl gar nicht so. Nimmt es aber gerne an.
Gestern hab ich den Karton mit Kuscheldecke aus der Ecke geholt - dachte, er will sich womäglich gerne erst mal verkriechen dort - und in den Raum gestellt. Zack - saß er drin. Und staunte. 

In der Nacht - mußte ich grinsen. Als ich mal das Licht anmachte - saß er auf einer weichen Matte - und schaute mich an. Haute auch ncht ab wie sonst. Und ich wußte - M. hat ganz recht - das macht er schon so - seit er hier ist.  Nur diesmal - blieb er tapfer sitzen und flog nicht gleich wieder davon wie eine Feder. Kam sogar einmal fast auf´s Bett.
Wir beäugen uns also.

Soweit ich sehe, fühle, spüre und manchmal sehr gerührt bin - ist er ein gaaaanz feiner und sehr patenter Kerl.
Dem seine ganz eigene Zeit vergönnt sein soll - bis er den Haudegen raushängen läßt - der er auch ist.
Hat viele Facetten, das Katertier - wie wir Menschen auch.

Heute - hat er mir wieder meine innere Glucke gespiegelt.
Diese kontrollsüchtige Glucke - die mich schwer an meine einstige Erzeugerin erinnert.
Ich erinnerte mich schnell dran - daß ich das ja ablegen will - der Kater braucht das nicht, er kommt schon, wenn er will - und schon war´s wieder gut.
Ja - auch Tiere können dem Menschen sowas spiegeln.

Und bei der Gelegenheit - fiel mir dann auch noch ein - daß meine Erzeugerin echt nur das Beste für mich wollte. Und dies hier: Was das eigentlich für  eine Arbeit von ihr war - mich jeden Tag zu bekochen! Jahrelang.
Immer - wenn ich aus der Schule kam - war das gute Essen fertig.
Und ich hab es oft gar nicht gewürdigt.
Es schien - so selbstverständlich einst. Und war es gar nicht.
Abends - wenn ihr Mann nach Hause kam - bekam der auch nochmal was Gutes aufgetischt. 

Immerhin - nach 53 Jahren hab ich´s kapiert.
Und mich endlich bedankt heute!

Ist gut - es endlich wertschätzen zu können!
Früher mal hatte ich mehr das Gefühl - mit Essen abgespeist werden zu sollen - wo ich mich doch auch nach geistiger Nahrung und anderer Zuwendung sehnte.
Aber - jeder kann eben nur das geben - was er hat.
Und jeder - darf sich auch selbst das holen, was er/sie braucht.
Wenn nicht "daheim" - dann eben woanders.

1 Kommentar:

Ich will...... hat gesagt…

finde ich echt gut, dass du einen teil deiner mama erkannt hast.
ja, geht mir heute noch so, dass ich längst nicht alles würdigte. ich sah immer nur, dass ich ungewollt und im wege war, einst.
je älter meine mutter wird, desto versöhnlicher sind wir miteinander, zum glück.