Samstag, 27. August 2016

Manchmal erstaunlich - was einem so im Hirnspeicher hängenbleibt ....

... wo ich gerade die Straßenbaumaschinen laut vernehme draußen - fällt mir wieder einmal eine Taxifahrt ein - die ging zu einem gigantischen Braunkohle-Abbau-Gebiet.
Den Namen der Ortschaft habe ich längst wieder vergessen - aber die Geräusche blieben bei mir hängen.

Ich fuhr den Kunden vom Flughafen dorthin - er hatte einen Termin bei einer bekannten  Weißzuckerfabrik - die lag gleich neben dieser verletzen Erde.
Fragte ihn - ob er wieder zurück müsse später und bot ihm an, da zu sein. Er schlug ein - und so machte ich einen kurzen Ausflug an den Rand dieser gigantischen "Grube".  Und war schockiert.

Ich folgte also von der Zuckerfabrik bzw. über einen kleinen Abstecher den Hinweisschildern, stellte die Limousine auf einem Parkplatz ab und ging dann zu Fuß weiter zu dem sogenannten Aussichtspunkt.
Oben angekommen - war ich erstmal nur sprachlos.

Das mußt Du sehen - das kann ich nicht beschreiben. Raubbau vom Schlimmsten.
Und gigantische Maschinen unten in den Mulden - die eh schon bis zur Zuckerfabrik gedröhnt hatten.
Tag und Nacht geht das dort so - und die Menschen, die dort leben, hören es nicht einmal mehr.

Ich traf da oben ein sehr freundliches Rentnerpaar an - die leben schon seit Jahrzehnten dort. Er hat einst dort unten gearbeitet. Als ich wieder sprechen konnte - fanden wir uns in einer Unterhaltung wieder - bzw. ich lauschte ihnen gerne mal, was sie so zu erzählen hatten zur Region.

Sie erzählten mir u.a. - daß es etwa eine knappe Stunde braucht - um mit einem Auto den Rand dieser gigantischen Erdwunde abzufahren.

Ich nieste schon - hatte den Staub in den Augen, in der Nase und in der Lunge - und spuckte sogar aus, mit Ansage, weil auch die Zunge voll mit dem Staub war.

Sie - merkten von alledem schon lange nichts mehr - wie sie mir mitteilten.
Sie hörten nicht mal mehr diese Maschinen - die mir noch Monate in den Ohren nachklangen.

Ich bedankte mich bei Ihnen und fuhr zurück zur Zuckerfabrik. Dachte noch - wat ein Witz - der braune Molloch und der schneeweiße Zucker - gleich nebeneinander.
Bischen Autofenster ezc. putzen - und warten halt - auf den Business-Mann.
Auf dem Rückweg - wie peinlich aber doch gut so! - lotste mich der Navi noch auf eine ganz andere Strecke - und durch zerstörte Dörfer.
Wo einst mal blühendes Leben gewesen sein mußte - alles verfallen und sogar die Fensterscheiben der Häuser zerstört. Totentanz!

An dieser Stelle - beschwerte sich der Fahrgast nicht etwa, der sich ganz gut auskannte in dieser Gegend - sondern wurde sogar noch gesprächig - und berichtete mir kurz von seinem eigenen Schock, als er vor Jahrzehnten zum ersten Mal in diese Gegend und zur Zuckerfabrik kam. Damals noch per Auto. (Hätten wir eh hinbekommen - also was den Fahrpreis betrifft .... )

Komisch manchmal - ich habe Tausende und Abertausende von Fahrten schon vergessen. Aber - diese klingt mir manches Mal noch in den Ohren nach. Also - diese mehr als schweren Maschinen bzw. Bagger.

So - hoffentlich - sind die Jungs hier gleich mal fertich mit ihren schweren Maschinen.
Hatte allerdings weit Schlimmeres erwartet - da stand was von nachts um dreie auf dem Info-Zettel gestern. War wohl nur - die Vollsperrung. 

Kommentare:

ganga hat gesagt…

Ein interessantes Erlebnis.
Aber warum sind die Dörfer zerstört?

Ich hoffe, dass der Baulärm bald durchgestanden ist.

Liebe Grüße
Ganga

Sati hat gesagt…

Der Baulärm - war nicht schlimm - und oft weiter weg. Im Gegenteil war es hier sehr oft geradezu paradiesisch still ....
jetzt ist die Straße wieder offen - aber es geht schon - ist bischen leiser als vorher mit dem neuen Belag.
Und nachts ist es immer noch still hier - zum Glück.

Zu den zerstörten Dörfern:
Einerseits hat der Energiekonzern einst jede Menge Dörfer gefressen für die gigantische Grube. Und sicher sind auch viele abgewandert einst deswegen - haben schon mal "präventiv" verkauft - und/oder aufgegeben.

Eine knappe Stunde - um mit dem Auto drumrum zu fahren - das ist ein Riesen-Areal.

Dir auch - liebe Grüße - und einen feinen goldenen Herbst, Sati