Mittwoch, 9. März 2016

Und nochmal - zu den scheinbar kleinen Dingen ....

... im Leben - die im Grunde sehr groß sind.

Habe ja schon geschruben - daß es mir gerade ans Herz geht, was mit den Mitmenschen in der direkten Nachbarschaft so geschieht.
Und da ist gerade auch noch die Frau aus dem Nachbarhaus - deren Mann am Samstag Abend ins Krankenhaus kam - vom Notarzt abgeholt. Ich hab nix davon mitbekommen, hab´s gestern erzählt bekommen.
Und die Frau heute getroffen und gefragt - wie´s denn ausschaut.

Schwere Lungenentzündung - mit übelstem Schüttelfrost und Fieber. Sie dachte schon - ob er wohl epileptsche Anfälle hätte - sowas hätte sie noch nicht gesehen.
Jetzt ist er also noch in der Krankenfabrik - und somit quasi betreut.
Ist eh nicht mehr fit, der Mann - und sie hat viel Arbeit zu bewältigen. Will sich jetzt Hilfe holen, wenigstens temporär. Sehr gut! Und wichtig.
Nächstes Wochenende hat sie einen runden Geburtstag - den siebzigsten. Und da - will sie ihn nicht zuhause haben ... ich gucke fragend? Naja - sie hat eben ein paar Menschen zum Essen im Restaurant eingeladen, um zu feiern. Und wenn er dann zuhause herumliegt - hat sie keine Ruhe.
Ich meine - sie kann ja Bescheid sagen - dann setze ich mich halt zu ihm für ein paar Stunden.
Das - findet sie "lieb" - aber sie organisiert gerade schon einen professionellen Hilfsdienst.
Jut - ist mir natürlich auch sehr recht. Ich reisse mich keinesfalls um sowas.

Aber - immer wieder lese ich im Internet davon - wie wichtig es doch sei - sich zu "vernetzten".
Und genau das ist es ja - also früher hieß das einfach mal "Nachbarschaftshilfe".
Und früher - kannten sich die Leute ja auch noch - weit mehr als heute.

Sage Ihr also - sie soll ruhig Bescheid sagen, wenn was ist.

Als ich am Abend des ersten Weihnachtstages auf der Suche nach dem verschwundenen Kater durch die ganze Siedlung ging und an jeder Tür klingelte - mit meinem Flyer - und den Menschen erzählte, warum ich das tue - traf ich auf sehr viel Freundlichkeit und Verständnis.
Und dabei auch - auf unzählige Lebensgeschichten ... und verschiedene Charaktere.
Auf Leid und Freud.  Auf fast hundert Prozent vollstes Verständnis.
Und es ist eine kleine Sedlung hier - nur zwei, drei Straßen ..... voller ganz verschiedener Leben.
Manchmal auch voller schon gelebter Leben.
Eine kleine Siedlung - die dennoch schon unzählige Schick-sale mit sich bringt.
Vielleicht - ich schätze mal behutsam - 400 Menschen?

Ich werde diesen Abend sicher  nicht mehr vergessen - denn ich war schon sehr überrascht, wie freundlich all diese Menschen waren - obwohl ich sie ja bei ihren "Weihnachtsfeierlichkeiten" störte.
Besonders überrascht war ich eigentlich - daß fast alle geöffnet haben. Nur ein Haus gab´s - wo es anders war, obwohl die zuhause waren. Aber - auch das ist in Ordnung.

Auch den schrägen Vogel werde ich nie vergessen - der mich Tage später nachts um halb vier anrief und meinte - ich würde doch meinen Kater suchen - und er würde gerade seltsame Geräusche hören in einem Garten. Kurz zuvor - war ich eh wach geworden wegen Blaulicht - seine Frau war mit dem Rettungswagen abgeholt und in die Krankenfabrik gefahren worden - sie bekam keine Luft mehr.
Komisch zwar - die Angelegnheit - aber freundlich gemeint von ihm. Am nächsten Tage - traf ich ihn dort nochmal persönlich, an der von ihm nachts beschriebenen Stelle, an der ich auch nachts noch gelauscht hatte, hätte ja sein können - und er blieb komisch - aber eben freundlich. 

Gleich am ersten Morgen - nachdem der Kater nicht wiederkam, wie sonst immer - lief ich noch andere Häuser in der Nachbarschaft ab - ohne was zu wissen von den Menschen - mit meiner unschuldigen Frage. Und erfuhr im Nachgang noch viel - über diese. Und was für Leid sich manchmal bei denen findet. Gut - daß ich es alles nicht gewußt habe - sonst wäre ich nicht so unvoreingenommen von Haus zu Haus gegangen, Und auch diese - waren alle mehr als hilfsbereit und verständnisvoll als ich bei ihnen klingelte.

Langer Rede kurzer Sinn: "Vernetzung" beginnt wohl am besten dort - wo mensch gerade lebt.
Also - "Nachbarschaftshilfe".
Diese - geht sehr einfach. Und - ist praktisch und schlicht. Kenne ich noch von früher mal - da wurde sowas noch groß geschrieben und war allseits geschätzt.

Im Netz -- scheint es mir oft so, als wolle mensch sich möglichst solche aussuchen, die scheinbar "gleichgesinnt"  und/oder auf einer ähnlichen Wellenlänge befindlich sind.
Ist ja auch nicht verkehrt - wenn man an gemeinsamen Projekten arbeiten will.
Inzwischen aber - hat mich das leben auch einiges anders gelehrt, was diese scheinbare "Gleichgesinntheit" betrifft - die sich gerne in Rudeln zusammenrottet - und damit schon wieder Andere auschließt. Wäre nochmal - ein Extrathema .... und ein weites Feld. Mit erstaunlichen Ent-täuschungen dazu - aufgrund falscher Erwartungen.

Also - um Menschen - und damit sich selbst kennenzulernen - braucht es keine scheinbar "Gleichgesinnten". 
Da "taugen" manches Mal sogar die besser - die einem erst mal fremd oder seltsam erscheinen.  Wenn sich dann Menschliches zeigt - also ganz normale menschliche Übereinstimmungen - ist es umso erfreulicher.
So - habe ich es übrigens schon immer gehalten - bis auf wenige "Fehltritte" - siehe oben von wegen "Extrapost" ... in jungen Jahren war es mir immer ein großes und sehr natürliches Pläsier - möglichst viele scheinbar verschiedene Menschen zu einem Fest einzuladen - und diese dabei zu beobachten, wie sie sich näherkommen.
In noch jüngeren Jahren - noch bei den Eltern wohnend - war das täglich gang und gäbe -daß die sehr kleine Bude voll war mit sehr unterschiedlichen Menschen. Und hier nochmal danke - an meine Erzeuger - die das wahrlich mitgetragen haben - und uns dazu noch sehr gastfreundlich bewirteten. 


Die Menschen sind oft viel besser, als ihr Ruf.
Wenn es denn Menschen sind - also im richtigen Leben.
Bei solchen, die die Welt regieren wollen - habe ich immer öfter Zweifel daran.

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