Sonntag, 17. Januar 2016

Meinem einstigen Vater gewidmet ...

... der sein kurzes Leben lang recht beharrlich zu schweigen sich abgemüht hat- über die unsäglichen Demütigungen und Lügen, mit denen er bespuckt wurde - von Teufeln -  und mit jungen 58 Jahren überging.
Geboren 1921 - hatte man ihm nicht nur seine Kindheit - sondern auch seine Jugend gestohlen - als wäre er ein Stück Vieh.
Historisch unglücklich - ist er mit 18 punktum  in den Beginn des sogenannten zweiten Weltkrieges geradezu hereingerauscht - als junges "Menschenmaterial". Wie heute noch - werden solche Kinder an Waffen und in Kriege geschickt.
Und heute - in noch satanistischeren Zeiten als schon zu meines zukünftigen Erzeugers Zeiten - heißen alle Menschen, die unschuldig und völlig zu unrecht ermordet werden - nur noch "weiche Ziele".

Mein zukünftiger Erzeuger - landete also mit achtzehn jungen Lenzen bereits  auf der Krim.
Um die es ja bis heute geht - sehr begierig - aufgemerkt!

Er hat mir nie viel erzählt - war viele Jahre lang verschlossen, wie ein Grab. Und das - als Zwillingssonne - die in vielen Lebenbereichen immer  noch sehr offen und sonnig schien.
Erst -als es zuende ging - wir geschruben sehr früh, mit gerade mal 58 Lenzen - und gebrochen vom Leben - begann er - sich zu erinnern. An das, was er hatte verschweigen sollen - und was immer in ihm gebrodelt hat wie ein Feuer.

Er hat es auch nicht mit mir teilen wollen - aber mit meinem Geliebten einst - so von Mann zu Mann also.  Ich habe da einst gar nicht erst drüber sinniert - sondern es quasi als "naturgegeben" akzeptiert - daß der Mann nur mit dem Mann reden wollte,
Und zwar dieser Mann - mein einstiger Vater - der mich überall mit hin genommen hat von klein auf  - und mir nie was verheimlicht hat- was er preiszugeben bereit war.
Aber - seine Kriegserlebnisse - konnte und wollte er nicht mit mir teilen.
Ich habe das akzeptiert - nachdem ich ihn zuvor einige Male gefragt hatte - und nur Schweigen erntete von ihm - der doch sonst so offen war..
Und ich habe den Mann - sehr geliebt - seine Seele.

Dennoch - saß ich manchmal einfach dabei - wenn er mit meinem einstigen Geliebten über den Krieg sprach. Oder - im Krankenhaus - wenn er mit den Pflegern darüber sprach - und plätzlich seine einstigen "Kameraden" in diesen wieder sah. 

Ich habe damals - nicht genug weinen können, als mein weltbester Vater starb - es war soviel zu "tun" - und zuviele zu trösten - die wie aufgescheuchte, kopflose Hühner herumirrten.

Die Notärztin sagt  - nix - und schüttelt mit dem Kopf - und meine Erzeugerin meint: "Ich ziehe mir nur schnell einen Mantel über und komme mit" - das menschliche Irrenhaus eben.

Damals - dachte ich noch - danke, daß Dein Vater nicht in russische Gefangenschaft kam - und bei den Amis gelandet ist!" Heute - habe ich viel dazu- und umgelernt.
Heute danke ich - daß mein einst sehr geliebter Erzeuger - nicht in den Rheinweisenlagern der Amis verreckt ist.
Gebrochen aber - haben sie seine Seele einst - so oder so.
Und auch die meiner Mutter.
Die ich ebenso wertschätze und liebe - wie meinen Vater.
Nachdem wir alle - über viele Hürden gegangen sind.

Und das - vergesse ich nicht.
Kann ich gar nicht - es ist jeden Tag bei mir.

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