Montag, 12. Oktober 2015

Nette Sonntagsrunde ...

... mit Kindheitserinnerungen, an die ich lange nicht mehr dachte gestern.
Nach einem Traum, der erhellend aber auch unangenehm war, stand ich eher schlecht gestimmt auf und so blieb es dann auch erst mal - mit der Stimmung. Ein innerer Zorn, der viel Energie hat - und die Frage: Was mach´ ich jetzt mit dieser überschüssigen Energie?
Durch zahlreiche schlechte Nachrichten im Netze verbesserte sich die Stimmung nicht wirklich.

Nur mein Mitbewohner schafft es immer mühelos, mich zu erheitern. Dafür braucht er nichts weiter tun - allein, daß er hier ist und als Kater nicht die Bohne interessiert an irrsinnigen Menschenangelegenheiten - genügt schon, mich immer wieder ans Wesentliche zu erinnern.

Wir haben einen aktuellen Kompromiß geschlossen - so ist das im Zusammenleben, da braucht es manchmal Kompromisse: Er geht tagsüber raus - und nachts, wenn er es eigentlich noch lieber möchte, bleibt er erst mal drinnen. Es ist kalt geworden nachts, heute morgen gibt´s schon Raureif und sogar ein wenig Eis.
Und da wir ja im Himmelsgeschoß wohnen und immer rauf un runter laufen müssen, wenn er raus und rein will - und ich das nicht nachts tun möchte - gibt´s eben einen Kompromiß.
Von ihrer Natur her können Katzen wohl auch gut Kälte vertragen, es sind ja Wüstentiere - und in der Wüste ist es auch schon mal sehr kalt nachts, hörte ich. Ich war noch nicht da.

Gestern am frühen Nachmittag löste sich dann die schlechte Stimmung in Windeseile auf, mit einem simplen Trick. Die Nachbarn kamen runter in die Sonne und packten ein Spiel aus: Domino mit Neuner-Steinen. Kannte ich noch nicht. Ich guckte also erst mal zu und schaute, wie es geht, um dann mitzuspielen. Nach vielen Jahren mal wieder.

Und als ich da so saß und mit ihnen dieses nette, belanglose Spiel spielte - fielen mir viele Kindheitserinnerungen wieder ein. Mein einst großer Clan war einer von passionierten Spielern - immer, wenn sich irgendwer traf, wurde gespielt. Stundelang, tagelang, nächtelang. Mit der buckeligen Verwandschaft und auch mit Freunden. Und ich saß immer gerne mit am Tisch, wenn meine Eltern mal wieder Freunde zum Doppelkopf eingeladen hatten und bis in den frühen Morgen Karten kloppten.

Später dann habe ich das Repertoire in solchen Kneipen, in denen man sich täglich traf und die es heute gar nicht mehr wirklich gibt, mit der "Clique" erweitert um zahlreiche Würfelspiele und Billard. Und wenn ich einst meine Erzeugerin besuchte, saßen wir auch meist am Tisch und spielten etwas. Das gehörte einfach dazu.

Irgendwann hatte ich kein Interesse mehr an diesen Spielen. Und blieb auch konsequent, wenn die Erzeugerin immer mal wieder bettelte: Och komm -  nur ein Spiel. Wenn´s keinen Spaß macht, macht es einfach keinen Spaß - und fühlt sich einfach sinnfrei an.

Das war nun schon viele Jahre her - mein letztes Spielchen. Und gestern nachmittag ergab es sich, daß ich mal wieder mitspielte und es richtig nett fand. Entspannend. Fast schon meditativ.
In dem Moment wissend: Das ist ein gutes Leben!
In der warmen Oktobersonne mit feinen Nachbarn einfach friedlich ein seichtes, unterhaltsames Spielchen spielen und dies genießen.
Älter geworden und damit einhergehend wenigstens so klug, zu wissen, daß es nichts weiter zu erreichen gibt in einem Menschenleben. Nicht mal mehr ehrgeizig genug, um gewinnen zu wollen - was früher ganz anders war. Da wollte ich immer gewinnen. Ich war wohl mal sehr ehrgeizig einst. Gut, zu spüren, daß auch das nachgelassen hat.

Später kommen noch die anderen beiden dazu, zurück vom Ausflug, und wieder mal freue ich mich über dieses Haus und seine Menschen. Und über meinen allerbesten Katerfreund, der ebenfalls draußen ist und sein Leben genießt, sogar ab und an mal vorbeikommt bei uns.

Und ich freue mich auch - parallel quasi - nochmal im Nachhinein über meinen einstigen Clan und eine einst weitgehend glückliche Kindheit. Das habe ich mal ein paar Jahre anders gesehen, aber das gehört wohl zum Abnabeln dazu - und hat sich mit der Zeit alles sauber geklärt. Heute habe ich nichts mehr an meinen einstigen Leuten auszusetzen, im Gegenteil. Ich freue mich auch, daß ich es noch zu Lebzeiten mit meiner Erzeugerin klären durfte und daß wir uns letztlich in Frieden verabschieden konnten, trotz allem Klein-Klein-Zeugs, welches eh wegfällt, wenn jemand rübergeht.

Eigentlich hatte ich es als Kind oft so gut, wie der Kater gerade: Wenn er will, gesellt er sich dazu - wenn nicht, geht er seiner eigenen Wege. Oder so: Ich pflege mich inzwischen einfach lieber an die schönen Momente mit dem Clan zu erinnern und an alles, was ich an ihnen mochte.

Und heute morgen dachte ich noch: Das stundenlange Spielen einst war vielleicht für die so eine Art Meditation? Und für mich ja auch. Da mußte man kein dummes Zeug reden ....        

Das war ein feines Sonntags-Nachmittags-Spielchen gestern - mit erstaunlichen Erinnerungen.
Und Erstaunen auch darüber, daß ein Anlaß genügt, um all die Erinnerungen wieder aus dem lange verstaubten Hirn-Dachboden hervorzuholen.

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