Samstag, 17. Oktober 2015

Vom Kater lernen ....

Der Kater, der nun fast vier Wochen hier mit mir haust, ist ein guter Lehrer in Sachen Leichtigkeit des Seins. Ich mußte mich erst dran gewöhnen, wie leicht er das Leben nimmt. Er tut einfach immer das, was er gerade will. Und sein Leben ist nicht sonderlich kompliziert. Es bewegt sich zwischen Fressen, Tiefenenstspannung und Herumstreunen draußen. Letzteres liebt er sehr, auch bei Kälte und Regen. Heute hatte er Glück - ich stand um kurz nach vier auf und ließ ihn raus. Manchmal muß er länger warten, bis ich wach bin.

Die Herausforderung, sich nach sechs Jahren an ein neues Zuhause und einen neuen Menschen zu gewöhnen, hat er mit Bravour gemeistert. Ja, ich staune immer noch, wie schnell er das tat.  Es lief alles  wie geölt

Nach knapp zwei Wochen hatte er schon gelernt, daß er hier durch´s Treppenhaus runter muß über zwei Etagen, um in sein Revier draußen zu gelangen, welches er sich ganz selbstverständlich erobert und bereits erfolgreich verteidigt hat gegen alteingesessene Vierbeiner.
Anfangs ließ ich die Haustür und meine Wohnungstür angelehnt für ihn, damit er wieder zurückfindet. Er tat das so, als hätte er nie was Anderes getan.
Dann übten wir die Sache mit geschlossenen Türen - ich ging immer mal wieder runter und rief nach ihm. Wenn er möchte, kommt er dann auch.
Inzwischen haben wir die Technik verfeinert - ich gucke und pfeife ggf. nur noch oben aus dem Schlafzimmerfenster - und wenn er rein will, maunzt er von unten oder von den Dächern seines Reviers zurück und wartet, bis ich runterkomme und ihm die Tür öffne.
Das alles - klappt erheblich leichter und reibungsloser, als ich es mir auch nur hätte vorstellen können. Ehrlich gesagt - hatte ich gar nicht wirklich en detail drüber nachgedacht, nicht einmal und nicht die Bohne, und mir auch nichts weiter vor-gestellt.

Ich wäre von selbst nicht einmal auf die Idee gekommen, daß es möglich ist, eine Katze daran zu gewöhnen, von der zweiten Etage durch´s Treppenhaus nach draußen zu gehen - und wieder rein.
Hätte jedem, der mir sowas vorschlägt, noch bis vor wenigen Wochen einen Vogel gezeigt. Und nicht an die Machbarkeit geglaubt. Und dann kam es sehr schnell ganz anders - ohne Denken.

Eine hartnäckige, unnachgiebige gute Frau hatte mich etwa ein Jahr lang "belatschert" mit diesem Vorschlag. Ich hatte das nicht wirklich ernst genommen. Und dann, sehr spontan, nach nochmaligem Belatschern, dachte es plötzlich ein einziges Mal: Naja, warum eigentlich nicht?
Kurz zuvor war die kleine, wilde Rote von unten überfahren worden und sie fehlte mir jedesmal, wenn ich rausging. Keine lustige, lebensfrohe, wilde kleine Rote mehr, die einem fröhlich entgegenspringt - plötzlich ohne Tier draußen alles etwas trist. Naja, es gibt ja noch viele viele andere Katzen hier, die ab und an vorbeischlendern - und ich dachte, das reicht ja. Die können ja auch alle raus. Ich möchte kein Tier in der Wohnung einsperren ....

Plötzlich also gucke ich mal ganz unverbindlich in eine Seite mit Kleinanzeigen im Netze - und schon taucht der Kater auf. Sechs Jahre alt, Freigänger und wegen Umzug in die häßliche Stadt kann er nicht mehr raus. Ich gucke auf das Bild, eher eine schlechtere Aufnahme, und denke - der sieht gut aus. Sieht aus, als hätte er Charakter. Melde mich bei der Futtergeberin und schildere ihr die Lage hier - und was der Kater alles ggf. zu lernen hätte, um raus zu können. Sie sagt zu allem: Ja - das kann er, das kriegt er hin. Wir verabreden uns also - zu meinem Erstaunen schägt sie vor, mit dem Tier hier vorbeizukommen. Perfekt!

Der Kater begeht bei seinem Erstbesuch sofort die ganze Wohnung, quasi angstfrei, und ich staune nur. Dann springt er noch auf´s weit offene Dachfenster .... wo seine einstge Futtergeberin ihn gerade nochmal runterholen kann, sonst wäre er gleich mal rausgegangen auf´s Dach. Ja - der will zweifelsohne raus.
Zwei Tage später bringen sie ihn - mit ein paar Decken und seinem heißgeliebten "Freßbrett" (was es alles gibt ...) - damit er noch was hat, was ihm vertraut ist. Er verzieht sich unter´s Bett - und als seine Leute weg sind, braucht er schlappe fünfzehn Minuten, um wieder rauszukommen und gleich mit mir zu spielen und zu schmusen. Ich staune nur .... Schon in der ersten Nacht schläft er mit im Bett - und bleibt zutraulich.

Bis heute staune ich, wie reibungslos das alles lief und läuft. Und bis heute staune ich, daß das alles ganz ohne Denken ablief. Das war vielmehr so - als wäre ein alte, bekannte Seele wieder aufgetaucht - und alle haben´s gleich gewußt, auch die einstigen Futtergeber. 

Der Kater erinnert mich wieder daran, daß die besten Dinge im Leben immer sehr einfach sind - und zu einem kommen, wenn mensch bereit ist. Ich habe nichts weiter getan, als ein einziges Mal kurz auf die richtige Seite zu gehen - und schon tauchte er auf, kam selbst vorbei und hat auch noch alles mitgebracht zu seinem Einzug - eine "Grundausstattung" von zuhause.

Da wir beide Individualisten sind, kommen wir fein mteinander zurecht. Es ist das rechte Maß - an freundlichem Beisammensein und jeweiligem Freigang. Und er birngt mir wieder bei, wie wohltuend Tiefenentspannung ist. Und "Nichtdenken" ....

Ich glaube ja - die wilde, kleine Rote ist nicht ganz unbeteiligt an unserem Zusammentreffen. Als wir sie im Garten begraben hatten, hatte sie mir noch ein paar Botschaften geschickt, die nicht in Worten kamen.

Kommentare:

jetztdasein hat gesagt…

Lach, ein kleiner Zenmeister der Kater. Gefällt mir sehr, ist wieder eine Bestätigung, wie viel unsere Vierbeiner wissen und aufnehmen. Täte mir auch gut:)
Liebe Morgengrüsse
Elfe

Sati hat gesagt…

Täte? Was hindert Dich denn?
Bei mir war es ja die Wohnlage im Himmelsgeschoß, bei der ich dachte, es geht wohl nicht - und eine fehlende Initialzündung - und nun klappt es ertsaunlich gut mit dem Zen-Kater ...
Gibt sicher noch viele andere solche Meister im Netz, die auf Vermittlung an eine geduldige Doenöffnerin warten.
Der "Renner" war ein zehnjähriger roter Kater - der war sofort vermittelt. Fällt mir eben erst wieder ein - ich hatte da auch antelefoniert vor meinem Zen-Kater.
Ja - die sind viel klüger, als die meisten unserer Spezies glauben.
Und auch viel individueller.
Liebe Grüße auch zu Dir,
Sati








jetztdasein hat gesagt…

1. Ist es hier verboten 2. Wohne ich im 3. Stock ohne Balkon und möchte die Katze nicht einsperren (Stadtwohnung) 3. Wegen den Finanzen(Tierarzt und so)

Aber ich erfreue mich an jedem Kätzchen, das ich auf der Strasse treffe. Und die Vögel kommen mich besuchen im 3. Stock, Spatzen und neuerdings auch Meisen.
Liebe Grüsse in die Nacht
Elfe