Dienstag, 2. Juni 2015

Schummeln im Tollhaus ....

... schon in der Notaufnahme, noch im aufblasbaren Ganzkörper-Gipskorsett, welches mir die Rettungssanitäter auf der Straße angelegt hatten. Der eine, der mich ansprach und mittels Fragen prüfte, ob ich ganz bei mir sei, war übrigens ganz bezaubernd - hielt mir sogar das Händchen und wünschte mir alles Gute zum Abschied. Schön, auf solche herzlichen Menschen zu treffen.

Der aufnehmende junge Arzt, der sich später als Stationsarzt auf der Unfallchirurgie wieder zeigte, fragte mich, ob ich Tetanus-geimpft sei. Ich sagte mal zügig "Ja." Wann das gewesen sei? Wüßte ich gerade nicht. Aber auf jeden Fall vor weniger als zehn Jahren, sagte ich unwahrheitsgetreu. Hatte keine Ambitionen, mich von denen impfen zu lassen.

Ob ich irgendwelche Allergien hätte? Ja - gegen Antibiotika. Stimmt auch nicht - aber ich wollte mal vorbeugen gegen das Zeugs namens "gegen das Leben". Gegen welche? Weiß ich nicht mehr - ist schon so lange her.

Manchmal muß mensch halt gut auf sich aufpassen .... und ich wunderte mich noch über eine diesmal zügige geistige Flexibilität - trotz der desolaten Situation.
Im OP dann die gleiche Frage nochmal vom Anästhesisten. Weder meine unwahrheitsgemäße Antwort: Gegen Antibiotika. Gegen welche? Weiß ich nicht mehr, zu lange her. Vorwurfsvolle Reaktion, das sollte ich aber wissen. Da haben sie mir wohl trotzdem eine Infusion mit dem Zeug gelegt - aber nur einmal. Und ich wollte nur sichergehen, daß die mich nicht anschließend noch mit dem Zeug vollpumpen.

In der Notaufnahme legten sie mir auch eine Infusion mit Schmerzmitteln. Dann brachten sie mich irgendwann auf die Station und zur Nachtruhe brachten sie wieder Schmerzmittel. Sati unbedarft-vorlaut: Brauch ich nicht - hab ja eben schon was bekommen. Und ich ließ die stehen. Sehr schräger Blick der Schwestern ....

Am nächsten Morgen war ich dann einsichtiger - und nahm das Zeugs gleich auf einmal, was mich völlig beduselte. Schon stand die Chefarztvisite im Zimmer - der sehr sympathische und sehr ausgeglichen wirkende Chefarzt - mit einem Rattenschwanz von etwa 10 Leuten - wie im Fernsehen.
Sie dachten kurz, ich hätte vielleicht auch einen Dachschaden mitbekommen - weil ich so benebelt  war von der gerade eingeworfenen Chemie.

Außerdem dachten sie, ich sei Alkoholikerin - schon in der Notaufnahme. Ich hatte nämlich ffünf leere Bierflaschen beim Unfall auf meinem Gepäckträger und war gerade auf dem Weg zum Supermarkt.
Diese Tasche trugen sie mir dann fleißig hinterher bis in die Notaufnahme. Jemand hatte sie mir extra noch vom Gepäckträger des sicher abgestellten Rades hintergetragen.  Und noch im Rettungswagen durfte ich mich einem Alkoholtest durch den aufnehmenden Polizisten unterziehen - im Ganzkörpergipskorsett.

Der Arzt in der Notaufnahme fragte mich dann noch, ob ich wohl Entzugserscheinungen bekommen würde. Wirklich eine abstruse Situation. Und die Tasche mit den fünf leeren Bierflaschen lag immer noch auf mir drauf.  Ich bat dann eine Schwester um Hilfe - erzählte ihr von dem "Running-Gag" und fragte sie, ob sie mir die Pfandflaschen bitte mal abnehmen könne. Tat sie. Wurde auch Zeit.

Ein anderer Stationsarzt erschien dann nochmal oben zum "vertraulichen Gespräch" wegen der Pfandflaschen - und ich erzählte ihm kurz die Geschichte. Danach war ich wohl rehabilitiert.           

Keine Kommentare: