Freitag, 12. Juni 2015

Mit der Zeit ....

... ist es manchmal eine komische Angelegenheit - gefühlt.
Die Rücken-OP ist gerade mal zweieinhalb Wochen her, kommt mir aber viel länger vor.

Anfangs hatte ich so meine Schwerigkeiten, mich an den Gedanken zu gewöhnen, ein Ersatzteil im Rücken verschraubt zu haben. Auch der Körper hatte so seine Hürden damit. Tatsächlich hat es mir nach dem Liegen den Brustkorb verschnürt und ich hatte erst mal Not, durchzuatmen, wenn ich aufstand. Mag auch dran liegen, daß ich einen sehr tiefen, langen Atem habe, der quasi durch den ganzen Körper geht - und der sich erst mal Raum verschaffen mußte, vorbei an dem neuen "Fremdkörper".
Jetzt geht´s wieder. jeden Tag spürbar besser.

Und noch besser war die Kunde der Ärztin neulich, daß die Klammer nicht ewig dadrin bleiben soll. Bei gutem Verlauf soll die also irgendwann wieder entfernt werden. Und ich gehe mal trotz ihrer fürchterlichen Unkerei neulich von einem guten Verlauf aus, obwohl mir das kurz einen Dämpfer verpaßte. Mensch darf aber nicht vergessen: Sie erzählte geradezu begeistert von einer potentiellen "großen OP" - und ich sagte noch im Gespräch mit den Nachbarn später dazu - vermutlich würde sie so eine gerne mal meistern. Sie ist jung und sehr ehrgeizig, hat noch viel vor.

Ich bin ja jetzt schon etwas "gereifter" - und werde also weiter mit Liebe, Geduld, Ruhe und Zuversicht arbeiten. Vor allem mit Beinwell und "Mumijo", wenn Letzteres eingetroffen ist.

Seit ich weiß, daß die Klammer nicht für die Ewigkeit gedacht ist, habe ich mich gut mit ihr befreundet und weiß sie noch mehr zu schätzen. Jeden Morgen geht das Aufstehen besser und die Schmerzen werden weniger. Jeden Tag laufe ich mehr und mehr ohne die Gehhilfen. Und das alles - nach schlappen zweieinhalb Wochen.

Gestern war in der großen, weiten Welt - im Nachbardorf. Mit den Nachbarinnen einkaufen. Einige Mal rein ins und raus aus dem Auto und viele Schritte. Klappt prima. Danach allerdings erst mal ein wenig Komaschlaf auf dem Sofa. Ist auch kein Wunder - stehe meistens schon vor fünf auf.

Heute steht Brennessel sammeln an, für gute Rosen-Jauche. Immer ein paar Schritte mehr ... und heute werde ich dann mal am Ort des Unfalls  vorbeikommen - da wollte ich neulich schon langgehen und den Punkt des Geschehens überschreiten. Als eine Art "Heilungsritual".
Auf dem Rückweg will ich mein Fahrrad abholen, das steht moch in der Firma der Dame, die unachtsam aus der Einfahrt fuhr seinerzeit.

Jeden Tag darf ich mich über eine goldene Nachbarschaft freuen. Und das alles in einer schönen Umgebung. Sehr oft dachte ich in den vergangenen Wochen, was für ein Segen das ist, daß ich hier weile und nicht mehr in der großen, häßichen Stadt. Den Anderen gehts ebenso.  Selbst das Tollhaus ist außergewöhnlich schön gelegen. Und kürzlich hörte ich es auch noch irgendwo, was ich die ganze Zeit dachte: Auch eine schöne Umgebung trägt einen gut Teil bei zu einer Genesung.

Potentielle schlechte Scherze habe ich mir gestern verbeten. Die aus dem Urkaub zurückgekehrte Nachbarin machte einen, als eine ältere Dame im elektrischen Rollstuhl vorbeifuhr: "Das wär doch was für Dich." sagte sie.  Ich merkte, daß ich da überhaupt keinen Funken "Humor" habe und sagte es auch. Mit sowas mache ich keine Scherze, da bin ich überhaupt nicht "indolent". Das ist auch wichtig - das gleich mal klarzustellen, daß auf meine Kosten keine schlechten Witzchen gemacht werden, selbst, wenn es nicht arg gemeint ist.

Ansonsten kann ich es kaum besser treffen, als hier: Jeder hat von jedem einen Schlüssel und nachmittags stehen oft alle Türen offen, wenn alle draußen sind. Wer will, gesellt sich dazu - wer nicht will, zieht sich zurück. 

Habe mich nochmal bedankt be den beiden Frauen, daß sie mir so wunderbar helfen. Das machen wir doch gerne, sagten sie gleich. Ja - das weiß ich, sag ich - ist spürbar.

PS: Habe meinen Humor wiedergefunden und selbst einen makabren Scherz gemacht heute.

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