Mittwoch, 10. Juni 2015

Gestern im Tollhaus ....

... war gestern zum Röntgen im Tollhaus - Nachkontrolle.
Habe etwa drei Stunden dort verbracht und war sehr froh, als ich endlich wieder entflüchten konnte. Keine Ahnung, wie ich das zwei Wochen dort ausgehalten habe, scheint schon ewig her.

Habe noch ein wenig Zeit bis zu meinem Termin und frage an der Rezeption nach zwei Damen, die seinerzeit noch nicht nach Hause konnten. Eine ist entlassen inzwischen und ich staune erfreut. Hätte eher auf die andere getippt - und die ist noch dort bzw. wieder.

Ich gehe also zu ihr und bedanke mich herzlich bei ihr für den formidablen Tip neulich mit dem Anwalt. Wir gehen vor die Tür - und schon auf dem Flur berichtet sie mir, daß sie sich eben ungeheuer geärgert hat, völlig zu recht.

Sie ist mit Leberkrebs diagnostziert und wartet auf ihre OP. Vergangene Woche hat man sie ein paar Tage nach Hause entlassen, sie sollte dort Schilddrüsentabletten einnehmen, welche ihre Werte runterdrosseln sollten. Vorgestern kam sie zurück ins Tollhaus und gestern war Chefarztvisite.
Sie wartete darauf, daß sie nun endlich einen Termin für ihre OP genannt bekommt, aber es kam anders. Der Chefarzt schaute ihre Patientenunterlagen durch und meinte: Wieso bekommt die Frau diese Tabletten? Es waren die falschen - statt die Schilddrüse runterzudrosseln, haben sie diese angedreht.

Als sie mir davon berichtet hatte - fielen mir auch andere "Patzer" wieder ein. Mein eigener ebenfalls - kurz vor meiner bevorstehenden Entlassung nach nur einer Woche hatte ja "zufällig" noch einer der Radiologen den weggebrochenen Wirbel entdeckt. Und Vieles mehr geschieht dort in der überberstenden Hektik - was einen nur mit dem Kopf schütteln läßt.

Sicher - dort arbeiten auch nur Menschen, und Fehler gehören eben zum Leben. Aber in der Häufung kann einen das schon nachdenklich stimmen.

Sie überlegte, ob sie woanders hingehen soll und entschied sich dagegen. Woanders geht´s ebenso zu. Das ist wohl "systemimmanent".
Ich frage sie, wer die falschen Pillen verordnet habe? Etwa ein 25-jähriger Stationsarzt? 27 sei der - ist ihre Antwort.

Auch auf der Unfallchirurgie oben gab´s so junge Stationsärzte. Die noch nicht viel Erfahrung haben - man könnte auch sagen, die eben von der Uni kommen. Und die noch viel zu lernen haben im Umgang mit Menschen. Der für mich zuständige legte oft eine völlig überflüssige Arroganz an den Tag, die ich seiner Unsicherheit bzw. Unerfahrenheit zuschrieb. Es gab einige, die sich berechtigt über diese Art aufgeregt hatten.

Auch die Schwestern und Pfleger sind alle sehr jung. Ich fragte mich manchmal, ob die "klassischen, älteren Oberschwestern" ausgestorben sind? Ein Besucher, der selbst Pfleger ist, meinte - die wären wohl eher im Delegationsbereich zu finden, doch auch dort sah ich nie eine. Sind wohl "zu teuer".

Einmal kam ein älterer Arzt zur Visite - und der strahlte was ganz Anderes aus, als die jungen, ehrgeizigen und noch unerfahrenen Kollegen. Zuvorderst viel "Lebenswissen" und eine angenehme Ruhe.

Die Dame, die ich besuchte, wird also noch viel Geduld haben müssen. Die Nummer mit den falschen, kontraproduktiven Tabletten wird sie locker eine Woche mehr kosten. Und sie ist eine sehr zähe Type, die sich sicher nicht leicht unterkriegen läßt. Aber gestern bemerkte ich eine gewisse Nervosität - was kein Wunder ist.

Und bei meiner Untersuchung anschließend ging der "normale Wahnsinn" weiter .....

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