Sonntag, 31. Mai 2015

Klingt vielleicht ein wenig seltsam ....

... aber dieser Unfall am 12.05.2015 hat mir viel beigebracht - über Freude.
Und heute morgen denke ich:
Das ist die größte Kunst: Die Freude - an der Schöpfung.
Jeden Tag.

Früher mal habe ich nach "Wahrheit" gesucht. Und noch früher nach noch vielem Anderem. Vieles von dem Gesuchten lag in einer Zukunft. Und hing an Vor-stellungen. Irgendwann lernt es sich, daß diese nicht viel taugen, denn fast immer kommt es anders.

Und neulich dann der Unfall. Kompletter "Filmrollenwechsel".
Erst mal das Nichtwissen, was überhaupt je wieder gehen wird. Und dann die Freude an jedem noch so kleinen Schritt, den ich wieder tun konnte. Prioritätenverschiebung - in jeder Hinsicht.
Gedanke "Gut - dann eben dies jetzt."
Den ganzen Tag füllen mit Üben und Zuversicht.
Viel Dankbarkeit.
Und erstaunliche "Disziplin". Auch mental - oder besonders mental.
Auf den Übungswegen immer einen Rhythmus oder ein Liedchen sinnierend und ein "Geht doch!".
Habe viel für mich gelächelt und gelacht - vor Freude eben.
Zweimal hatte ich einen Durchhänger, der aber nicht lange anhielt.
Manchmal war ich etwas genervt von dem Tollhaus und dem Vierbettzimmer, besonders, wenn noch jede Menge Besuch dazukam und die Energie überquoll - aber ich konnte ja schon zügig wieder stiften gehen und habe ein paar Inseln gefunden.

Jeden Tag geht´s wieder ein bischen besser, jeden Tag lernt der Körper dazu und der Beckenbruch heilt gefühlt bestens. Ich staune, wie ich immer besser aus dem Bett komme, was anfangs noch ziemlich mühsam und schmerzhaft war. Jetzt - geht´s schon erstaunlich gut.

Gestern war ich mal ein bischen müder als zuvor. Auch das darf sein. Falscher Ehrgeiz ist nämlich auch nicht angebracht. Und die ganz normalen Wege und Handgriffe zuhause sind auch gutes Training - welches im Tollhaus noch nicht anstand. Und gestern habe ich sogar gekocht. Geschmeckt hat´s nicht, denn ich habe keinen Appetit. Werde mich also auf Rohkost beschränken, was die Essenszubereitung betrifft. Ist eh besser.

Das alles - ist für jeden kerngesunden Menschen sicher sehr langweilig. Für mich ist es ein Segen und eine Art Abenteuer. Und ich hatte lange nicht mehr soviel Erfolgserlebnisse und Freude an den scheinbar banalen Handlungen und Bewegungen.

Gelernt habe ich auch, daß ein jeder Mensch in seinem ureigenen Kosmos befindlich ist. Mit all seinen Geschichten, Empfindungen und Wahrnehmungen.
S´Wetter war hier einer der vielen Zeiger - es ist für alle das Gleiche und wird doch völlig unterschiedlich wahrgenommen.
Die vielen sinnfreien Mahnsprüche waren ein Zeiger - oft wurde ich gewarnt vor "Gefahren", die für mich gar existent waren. "Passen Sie auf." blablabla .... "Wollen Sie wirklich schon nach Hause? Meinen Sie, Sie schaffen das auch?" blablabla .... "Macht denn Ihr Kreislauf da mit?" blababla ....
Ja - sicher - sonst würde ich es ja nicht tun.

Kurz nach meiner OP besuchte ich eine Dame, die zuvor bei uns im Zimmer weilte und verlegt worden war auf eine andere Station.
Dieser ging es mehr als dreckig, als man sie zu uns hineinfuhr im Bett. Sie hing an -zig Schläuchen mit Infusionen, an Sauerstoff und hatte einen Katheder und einen Beutel für Lungenwasser, der einfach auf dem Boden lag. Man hatte sie zuvor einige Tage in die Intensiv-Station verbracht.
Sie sollte sich ursprünglich einer ähnlichen OP wie ich unterziehen - und baute dann komplett ab im Tollhaus. Was sie zu sich nahm, kotzte sie gleich wieder aus. Als wir zu Abend aßen - lag sie auf der Pfanne, um zu verdauen. Ich dachte: "Aha - so ist das hier also."
Gleich am ersten Tag fing die eine ausgiebige Konversation mit mir an - trotzdem es ihr so elend ging. Und ich dachte nur: "Respekt! Wie ein Mensch in solcher Lage so gut gelaunt sein und einen feinen Humor bewahren kann."

Ich besuchte sie also und sie staunte, wie schnell ich wieder unterwegs war. Hatte es schon gehört - von wem auch immer. Ich fand sie ohne Schläuche und angezogen im Bett. Am Tag zuvor hatte ich sie schon mit ihrem Sohn draußen gesehen - sie ging, wenn auch noch mühsam, an so einem Gehgerät, welches bis unter die Schultern reicht. Es ging also bergauf, wenn auch langsam.
Sie freute sich über meine Botschaft, daß die Rücken-OP gut verlaufen sei und daß es mir soweit sehr gut geht. Nur so geht´s.  Als "lebendiges Beispiel" - ohne viele Worte. Denn das - machte auch ihr nochmal Mut - für ihre noch bevorstehende OP.
Den Sohn traf ich wenig später nochmal vor dem Tollhaus und wir unterhielten uns eine Weile. Seine Mutter würde nun schon eigenständig mit einem Rollator über den Flur laufen. Eine zähe Frau.

An diese und eine andere, feine muß ich oft denken. Bald muß ich nochmal dorthin - zum Röntgen - und werde mal sehen, ob sie noch dort sind und sie besuchen. Die eine half mir bei der Findung eines Anwalts - und dafür bin ich ihr sehr verbunden.
Diagnose "Leberkrebs". Sie werden ihr also was herausschneiden. Da kennen die nichts. Und sie kennt sich nicht mit Alternativen aus. Oft stimmte mich das traurig und hilflos dort.
Ich fasste mir ein Herz - und berichtete ihr davon, was ich nun schon oft vernahm: Daß viele Menschen im Laufe ihres Lebens Krebs "haben", ohne es zu bemerken. Und daß dieser sich von selbst wieder heilt, also quasi eine Art Selbstheilungsvorgang des Körpers sei.
Sie hatte ja auch nichts bemerkt - bis sie sich untersuchen ließ wegen was-auch-immer und es so "zufällig" rauskam..
Diese Geschichte mit den vielen "Krebsdiagnosen" ist bis heute äußerst dubios - was ich nicht mehr sagte. Werde ihr ein Buch mitbringen von Leonard Coldwell.
Es ist nie zu spät - für andere Optionen.

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