Freitag, 29. Mai 2015

Der beste Genesungsraum ....

... ist eben zuhause.
Was für ein wunderbarer Vormittag!

Niemand schneit um kurz vor sieben ins Vierbettzimmer, um Blutdruck, Puls und Temperatur zu kontrollieren. Niemand fragt "Wann hatten Sie zuletzt Stuhlgang?" und keiner will wissen, wie Du Dein aktuelles Schmerzempfinden auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen würdest.

Keine Bettnachbarinnen, die viel zuviel über Krankheiten statt über Gesundung und die kleinen, großen Fortschritte erzählen. "Meine Krankheit" sagen viele der Einliegenden im Hospital - und halten derart schon fast geizig dran fest - als sei es eine Art Kostbarkeit, die es zu hüten gilt.

Um sechse steh ich auf - der Körper hat seinen Trick gefunden. Nein - das Bett ist nicht zu niedrig, wie soviele Menschen unkten. Unken tun sie eh gerne. Und es braucht auch keine Toilettenerhöhung", die ich dankend ablehnte im Tollhaus.  Für morgen ist der erste behutsame Einstieg in die Wanne geplant - zum Duschen. Wird schon klappen.

Überhaupt klappt viel. Jeden Tag wieder was Neues. Meistens vergesse ich quasi - daß die Knochen gebrochen sind oder gar fehlen. Gehe in der Wohnung immer öfter ganz ohne Krücken los - sind ja kurze Wege.

Die vielen kleinen Handgriffe, die mensch sonst überhaupt nicht weiter beachtet, füllen den Tag. Heute kam das Paket mit dem Greifer. Falls ich was runterwerfe. Soweit darf ich noch nicht. Funktioniert prima - sogar für´s Gemüsefach im Kühlschrank.
Überhaupt - was hier so alles unter Kniehöhe befindlich ist - fällt mir gerade besonders auf, weil ich nicht soweit runter darf.

Heute morgen schon feines Außentraining. Je mehr mensch läuft, desto besser gehts. Und desto weniger Schmerzen.  Diese halten sich eh in Grenzen.

Ein Wunder - wie es vorangeht.

Nur meine Matratze - taugt gar nicht gerade. Die ist so steinhart, daß ich die Klammer im Rücken zu spüren glaubte beim Liegen. Werde morgen mal bei der chinesischen Ärztin anfragen - ob die Krankenkasse nicht eine rückenfreundliche Matratze spendiert? Dieses Brett hier ist nur was für einen kerngesunden Rücken. Überhaupt habe ich nur harte Unterlagen. Habe schon das weiche Gartenstuhlkissen von unten mit raufgebracht - das ist ganz gut.

Eine erstaunliche Übung alles. Jeder scheinbar normale Handgriff gereicht zur Freude, wenn er gemeistert ist. Öfter mal habe ich Tränen in den Augen bei meinen Übungen - auch schon im Tollhaus auf meinen zahlreichen Ausflügen. Eigentlich bei fast jedem Schritt - vor lauter Erleichterung.

Gestern las im am Rande - daß irgendeine USA gegen irgendein China Krieg führen möchte - und bemerkte zügig: Für die Irren ist aktuell keinerlei Platz in meinem Genesungsversum. Bin vollbeschäftigt - mit erquicklicheren Ideen.

Auch im Hospital fragte ich mich ab und an - wo eigentlich diese vielen Wahnsinnigen sein sollen? Ich traf fast ausschließlich auf freundliche, hilfsbereite und mitfühlende Menschen, die sich miteinander arrangierten, so gut es ging. Der Lahme stützte den Blinden usw. ..... Nach meiner OP hatte ich den Tisch voll mit Süßigkeiten - weil fast alle diese seltsamen Gelüste kennen nach der Prozedur.
Jeder hatte immer jemanden, der zugehört hat im Bedarfsfall.
Und mitten in dem ganzen Elend dort gab´s manchmal auch viel zu lachen. Mit sehr starken, tapferen  Menschen. Natürlich gab´s auch Mimosen und Jammerlappen - meistens die, die nur eine Nacht da waren - das ganze Programm eben.

Sogar einen richtig formidablen, katholischen Krankenhauspfarrer traf ich. Hut ab - der macht gute Seelenarbeit dort. Ich hab´s sonst ja nicht so mit den Katholen und der Kirche - aber die Krankenhauskapelle hatte was - nämlich wohlige Stille mitten im Tollhaus - und war auch von außerhalb ganz gut besucht.

Ne - ich weiß nicht, wo die ganzen Wahnsinnigen sein sollen - und will es auch gar nicht wissen. Wieder mal - habe ich etwas ganz anderes vorgefunden - und erstaunlich freundliche, hilfsbereite  Menschen. Natürlich ein jeder - mit ureigenen Marotten, aber das ist ja die Würze des Lebens.

An manche, die noch dort sind, denke ich. Mögen sie gut und heil nach Hause kommen. 

Kommentare:

Ich will............. hat gesagt…

am fremden rechner ist alles anders. daher habe ich auch erst heute bemerkt, dass du wieder zu hause bist.
ja, dann bleibt mir nur, dir das beste zu wünschen. so ein unfall und die anschließenden abhängigkeiten können schon tief gehen.
demut und zorn und alles was dazwischen liegt, ich weiß es aus eigenem erleben.
alle guten wünsche und eine satte entschädigung wünscht m. aus enkelland
(wenn ich aus der stadt weg kann, werde ich wieder besser drauf sein)

Ulrike hat gesagt…

Ich schicke Dir einen nicht endenden Heilstrom durch mich zu Dir <3 !

Zauberhafte Genesung!

Deine Ulrike

Sati hat gesagt…

Danke für die guten Wünsche!

@ Ulrike: Ja - zauberhafte Heilung ist auch mein Gedanke.
Ist wichtig - sich von den gängigen Vorstellungen und Zeitrahmen freizumachen und so dem Körper viel mehr Zauberkraft zu geben.
Danke für den Heilstrom.
Wie kommst Du auf die 3?
Habe bisher viele Stunden einfach die Leisten gehalten - also die 15. Und manchmal den HZS.

Merci, Sati