Dienstag, 17. Februar 2015

Tiefenhypnotische Konditionierung ist ....

.... wenn mensch immer noch ein schlechtes Gefühl hat, den Fahrkasten wieder abzustellen und den Rest des Tages besser zu geniessen, als in den schier frustrierenden Stunden zuvor.

Nach etwa viereinhalb Stunden - ist mir die Konditionierung aber wirklich endlich scheißegal.
Und der Frust groß genug.
Ja - ich erinnere mich auch: Ich bin ja eh schon gekündigt.
Aber - das Seltsame ist: Wär´s einigermaßen gelaufen - hätte ich wohl länger bzw. komplett durchgezogen.

War ja immer so - ich habe nicht nur für mich gearbeitet - also auf eigene Kappe und ohne Extrablümchen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Sondern - mit dem Fahrzeug eines anderen Menschen, der auch sein Unternehmen am Laufen halten muß.
Mein de facto selbstständiges Arbeiten - war also nicht nur ein solches - weil ich ja auch immer noch mit der Erwartungshaltung des jeweiligen Unternehmers auf entsprechenden Umsatz zusätzlich zu kämpfen hatte. Würde ich nur für mich arbeiten - wäre meine Frustrationsgrenze sicher oft anders ausgefallen. So aber - habe ich oft durchgehalten und mir eigentlich oft nicht wirklich was Gutes damit getan.

Und weiter zur langjährigen "Selbst-Konditionierung" - bzw. zur Tiefenhypnse: Das ist wirklich erstaunlich gerade - in den letzten Tagen, diese zu beobachten

Heute also - gleich beim Einsteigen eine Fahrt gefangen. Aber eine ganz üble ... für keine 5 Euronen und mit langer Anfahrt. Danach - ging´s dann noch mehr bergab. Am "Ende", also dem dann von mir gesetzten - hatte ich vier Fahrten mit einem Umsatz von 23,80 Euronen - nach Stunden. Kurz vorm Karnevalsumzug, wo eh nichts mehr geht.

Übrigens - letzte Woche, noch vor Karneval, hatte ich einen Tag mit ebenfalls nur vier Fahrten - aber dem zehnfachen Umsatz. Und dazu habe ich noch einen feinen Ausflug gemacht in der Wartezet. Sehr seltener Glücksgriff - in diesem Armutsgewerbe.

Heute bin ich extra nochmal zurück in die Stadt gefahren - weil ich hoffte, dort vielleicht nochmal in einen guten Lauf zu kommen - und hing dann dort fest.

Während ich also wartete, hörte ich am Rande noch den beiden alten Hasen zu, die vor mir dran waren und sich angeregt unterhielten. Ein Deutscher und ein Türke. Sie sprachen gerade drüber - aus welcher Gegend der Türke kommt - und wie schön es dort sei.

Dieser sagte dann noch zum Anderen - nachdem sie beide gedanklich in schönere Gefilde ausgeschwiffen waren : "Weißt Du - ich fahre jetzt seit 32 Jahren Taxi. Und das ist kein Leben!"
Ich applaudierte ihm - still.

Dann war er endlich weg .... und der Andere bekam eine Einsteigerin.
Die kenne ich. Und sie mich auch.
Ich ging also mal kurz rüber - um mich darüber zu amüsieren, wie sie dem alten Hasen gleich erzählen wird, daß ihr Rollator nicht in seine Limousine paßt. Und einfach so - um "Hallo" zu sagen.
Daraufhin sagt sie: "Ach, wenn ich Dich gesehen hätte, wär ich aber mit Dir gefahren."

Der Kollege verdreht schon die Augen - und ackert am Rollator rum. Selbstverständlich hat sie ihm schon mitgeteilt, wie er das machen soll - und daß der eh nicht in seinen Wagen passen würde. Immerhin: Kein Umsatz und kein Lauf heute - aber ein feiner Spaß zwischendurch.

Ein paar Mal am Anfang bin ich mit ihr auch derart zusammengerasselt - sie ging mir ein wenig auf den Keks mit ihren Anweisungen - bis ich mich dann doch irgendwann auf Dauer in sie verliebte.

Wie sie dem Kollegen gerade auch auf den Keks geht - der vermeldet: "Ich fahre seit 50 Jahren (!!!) Taxi - und ICH WEISS, wie man Rollatoren zusammenklappt!"

Alle dreie haben wir was zu lachen - wenn auch aus verschiedenen Motiven heraus.
Und ich denke: Aha - das ist jetzt so einer von diesen halbnostalgischen Rest-Momenten aus der Abteilung: War ja manchmal auch ganz nett in der Hölle - und vor allem menschlich.

Kurz darauf klappen drei Kollegen ein - die ich schon sozusagen vom ersten Tag an kenne.
Und von denen ich viel gelernt. habe einst.
Einer der drei - hat mich durch meinen allerersten Tag gebracht - indem er mir erst mal die Technik erklärte morgens. Ich hatte ja meinen Schein Anfang der Neunziger einst gemacht - und mein erster Tag überhaupt war gut 12, 13 Jahre später. Niemand hatte mir irgendwas gezeigt, wie das Display oder sonstwas funktioniert, vorher -  außer diesem am Morgen, als ich dann losfuhr - mit viel Mut zur Lücke. Meine "Amme" also - sozusagen. Und eine ganz feine Seele.

Heute habe ich mich ganz still bei allen dreien verabschiedet - alles feine Seelen. Bloß nicht laut sagen - sonst bist Du schneller wieder zurück, als Du denkst. Und womöglich wirst Du noch ausgelacht .... mit einem "Bis bald dann!"

Nach etwa einer Stunde geht´s erfolglos weiter. Und insgesamt habe ich etwa 180 Jahre Taxi-Praxis angetroffen in dieser Wartezeit.

Übrigens - gestern hörte ich wieder und zum -zigsten Male von einem Mitmenschen: Ich könnte das nicht!
Ehrlich gesagt - ich kann das auch nicht. Jedenfalls nicht mehr.

Umso erstaunlicher - daß ich wirklich Jahre gebraucht habe einst - um überhaupt für mich selbst zu registrieren, daß das ein recht harter Job ist. Vermutlich habe ich einfach einige Jahre versäumt, mir überhaupt Gedanken darüber zu machen - was ich da eigentlich genau tue.
So eine Art "Meditations-Bonus" aus vorhergegangenen Zeiten. 
"Sei einfach - im Moment. Om. Und denke nicht drüber nach."
Nicht die schlechteste Art übrigens - durch den Lebensstrom zu manövrieren.

Nur - wenn Du Verblödungserscheinungen verspürst - verliert sich die Leichtigkeit.

Und auch - wenn Du so gar keinen Lauf und kein Glück hast - obwohl Du wieder mal tapfer und gut gelaunt aufgestanden und losgefahren bist - um dann zügig gegen Granit zu  stoßen - dann ist es ein formidabler Moment, sich daran zu erinnern - daß man von einem toten Pferd absteigen muß.
Darf.

Der Witz heute war - daß ich immer noch zu kämpfen hatte mit mir - gegen meine "Durchhalte-Konditionierung" - das Ding einfach abzustellen.

Und weil das echt nicht mehr auszuhalten ist - es einem nur noch übel davon wird - von diesem Zerrissensein - besonders morgens gegen fünfe, wenn der Tag onch so frisch, undschuldig und jung ist und die Vögel über kommende Wunder frohlocken  - habe ich mich eben abgemeldet für den Rest der  Woche - und habe jetzt Zeit, viel Zeit - für´s Sortieren

Wechselbäder gerade - aber die schönste Zutat ist diese.
"Gott liebt Dich, wenn Du arbeitest.
Aber noch viel mehr - wenn Du singst!"       

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