Sonntag, 22. Februar 2015

Schlüsselübergabe erledigt ....

... heute bei einem kurzen Sonntagsausflug.

Das Verrückteste war: Das Autofahren kam mir sehr seltsam vor. Sehr unwägsam, fast gefährlich - und ich fragte mich ernstlich, ob ich das vielleicht nur geträumt habe - die vergangenen 10 Jahre sowas ständig gemacht zu haben. Bzw. - über drei Jahrzehnte - viel gefahren zu sein.

Vermutlich braucht die Seele gerade eine echte Pause davon .... und hat nur noch Geduld für kurze Strecken - um dies oder das zu erledigen.

Habe also heute alles, was noch hier war, in einen Umschlag gepackt und spontan dem Unternehmerkollegen vom Unternehmer vorbeigebacht. Der war nicht da - also hab ich´s einfach vor die Tür gestellt. Bzw. die erste Tür stand dort weit offen - hab also den Umschlag im Vorflur hinter einem Blumentopf  plaziert, nachdem ich kurz abgewägt hatte - ob das wohl in Ordnung sei so. Immerhin war ein Originalschlüssel drin. Hat aber alles prima geklappt.

Anschließend nochmal "kurzes Gesimse" - und als Letztes gute Wünsche. Will sagen: In Frieden getrennt soweit. Das ist auch wichtig!

Jut.
Das war´s also.

Zehn Jahre "Taxizeugs" und viele Geschichten und Begegnungen. 
Viel Stress oft - und damit auch viel Druck. Dieser Druck - den mensch ja im Grunde immer selbst erzeugt - "durchzuhalten". Auch bei schlechter Tagesform. Und auch gegen zunehmende Widerstände.  Nicht unbedingt wegen der Menschen selbst - im eher intimen Innenraum eines Beförderungskastens.

Aber schon alleine wegen dem Wahnsinn in der großen Stadt. Der einem natürlich nochmehr auffällt, wenn man erstmal wenigstens woanders seine Bleibe und ein warmes Bett hat - wo zumindest die Nächte fast immer erstaunlich und angenehmst ruhig sind. Und wo in diesem Jahr - ganz in der Nähe die Wildgänse immer wieder zu hören sind, die schon zurück sind. Und ein anderer Vogel - den ich immer höre - und der "neu" hier ist. Manchmal hört man kämpfende Katzen in der Nacht. Morgens ganz früh ruft der Kauz aus dem Wald - und all dem kann mensch wunderbar lauschen, bevor die Menschen wieder mit ihren Autos vorbeirauschen über Tag.

Heute morgen fiel es mir dann spontan ein: Bring die Sachen zum Kompagnon - da mußt Du nicht in die Stadt, sondern kannst über die Dörfer fahren, an die Peripherie der großen Stadt. Außerdem - ist heute Sonntag und die Straßen sind frei.

Hatte erst gedacht - mich kommende Woche nochmal irgendwo in der Stadt mit dem komplizierten Mann zu treffen - aber schon fiel mich Stress an. Wegen der Hektik - und wegen der Kompliziertheit, eine kurze, knappe, klare Verabredung mit diesem zu treffen.

Nun war´s heute auch nicht wirklich leer auf den Straßen. Ich staunte - wieviele Fahrradfahrer schon unterwegs waren. Viele Rennrad-Liebhaber. Und einen "Volkslauf" gabs auch auf dem Weg, neben sehr vielen Sonntagsausflüglern.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich nochmal anhalten und in einen schönen Hofladen gehen - sah aber schon von Weitem, daß sich da quasi Massen tummelten auf dem großen Hof im Freien - mit Lokal und mehr. Also - bin ich kurzerhand vorbeigerauscht.

Ich brauche jetzt mal - eine feine Auszeit. Auch von "fremden Menschen".
Bevor´s weitergeht - und ich "in die Welt zurück".

Wohin es geht - wird sich zeigen, Zur rechten Zeit.
Im Moment bin ich also frei.
Frei von - und zu.

Frei sein - ist das nicht das, was soviele sich wünschen?
Aber Obacht - das gibt es auch nicht für lau.
Das muß mensch sich auch gut überlegen - ob es wirklich das Richtige ist für´s Naturell.

Es gibt auch viel - auf das mensch verzichten darf dafür.
Ich glaube ja - das "bedenken" nicht sehr viele.

Und auch bei mir war es ja so - daß es sich so entwickelt und ergeben hat.
Nicht nur, was diese Taxilenkerei betrifft - aber auch.

Hätte der gute Mann mich nicht gekündigt neulich - sähe jetzt alles noch ganz anders aus.
Hätte ich seine für mich sehr überraschende Kündigung nicht als vordringliche Botschaft meiner eigenen Seele begrüßt - säße ich jetzt in einem anderen Taxi - statt im Niemandsland.
Und Niemandsland ist sicher kein ganz leichter Boden.
Aber jetzt - ist es gut so.
Bis was Neues kommt.

Die olle, viel zu schwere und schon tote Jacke ist schon in die Tonne gewandert vor wenigen Tagen. Auch sehr spontan - und dringlich. Als ich sie morgens nochmmals am Haken erblickte - flog sie zügigst raus. Und alle anderen Klamotten sofort in die Waschmaschine.
Eine Tasche werde ich noch aussortieren gleich.
Eine andere ist auch schon leichterhand in den Mülleimer geflogen.

Das Aussortieren von "Mustern" - braucht wohl noch etwas länger.
Aber schon das Erkennen ist ein Segen.
Jedesmal, wenn der Verstand wieder anspringen und in die alten Muster reinrattern will - sehe ich es recht zügig und sage einfach "Stop!".
Das - haben wir jetzt zehn Jahre lang so praktiziert - und nun ist es vorbei.
Klappt gut - sogar, wenn ich im Traum mal wieder fahre.

Ob ich mutig genug sein werde - meine Fahrerlizenz nicht verlängern zu lassen - sehe ich dann in zwei Wochen, wenn es an der Zeit dafür wäre.

Eins nach dem anderen heißt es jetzt - ein Schritt nach dem Anderen.
Die Freiheit ist ein eher unwägsames Gelände - das vergessen auch viele.
Und ich hatte es ja auch lange wieder vergessen ....

Süß ist sie dennoch gerade - und eine Auszeit habe ich mir mehr als verdient.
Habs mir erst mal so "zurechtgebogen" im Dschungel: Jetzt - nehme ich erst mal den ganzen Urlaub, den ich i.d.V. nicht genommen habe.

Auf den leicht verwirrten Mann, der mir gekündigt hat, damit er ab März sein Auto besser besetzt hat - habe ich keine Rücksicht mehr genommen.  Auch das - ein wichtiger Lernprozess für mich. Von falscher Loyalität einfach mal abzusehen - und nur auf mich selbst zu hören.

Auch von Gedankenschrott habe ich abgesehen - der ja weit verbreitet ist - also etwa von solchen Gedanken - ob ich jetzt "versagt" habe - weil ich eine Kündigung bekommen habe?!
Natürlich nicht.
Solche Gedanken - sind pure Konditionierung. Und sowas läßt sich zum Glück recht schnell erkennen - wenn mensch schon genug geübt hat, diese als solche zu registrieren. Pure Energieverschwendung.

Manchmal geht mir auch der Arsch auf Grundeis - weil ich mich habe rufen lassen von etwas - was noch gar nicht zu sehen ist. Nur war der Ruf so klar - daß er überhaupt nicht mehr zu überhören war.

Schau ich also mal. Erst mal ins Jetzt - und dann auch wieder nach vorn.

Wichtig war mir heute - die restlichen Dinge abzugeben - und dann auch noch eine Trennung im Wohlwollen.                       

Kommentare:

mundanomaniac hat gesagt…



Sati

"Deine Jacke in die Tonne, Deine Tasche hinterher ..."
klingt fast wie aus einem Text von Franz Josef Degenhardt

Dir zur Befreiung ein Stück von diesem wunderbaren Mann, dessen Poesie so viel tiefer ging als sein politischer Alltagsverstand (mein strenges Urteil).

Hochzeit

Nächstens oder Mittwoch,
morgen oder gleich
hocken wieder schwarze
Vögel auf dem Deich.
Jemand steht auf einem
Eimer, mit der Hand
droht er und stößt Wolken übers Land.
Beweg dich nicht.
Wo ist dein Mund?
Öffne deine Augen,
sieh in den Himmel, und
merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh' der große Bär ihn frißt.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh' man die Windrose bricht.

Mach unsern Kindern Kleider
aus Fischhaut und Asbest,
Näh die schwarzen Brillen
an ihren Ohren fest.
Auf dem Schulweg solln sie
dicht an Mauern gehn,
nie vom Himmel weg zu Boden sehn.
Jede Nacht
ruf ich sie wach
und reite für ein Weilchen
mit ihnen auf dem Dach,
zeig ihnen genau,
wo der Polarstern steht,
eh' der große Bär ihn frißt.
Ritz jedem in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh' man die Windrose bricht.

Schließ jetzt deine Augen,
Hochzeit halten wir.
Schnuppen falln vom Himmel,
noch schläft der große Bär,
Wünsch uns in ein Mondschiff,
das seinen Kurs nicht hält
und weiterfliegt bis an den Rand der Welt.
Die Jungfrau flackert -
schon vorbei -
und Kassiopeia lacht.
Die Milchstraße ist frei.
Schau raus, merk dir genau,
wo der Polarstern steht,
eh' der große Bär ihn frißt.
Komm, ritz mir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh' man die Windrose bricht.

Wer wird jemals finden,
wo unser Bette was?
Unter dieser Linden
brennt schon bald das Gras.
Wer spielt unsre Spiele,
liegt dann nachts noch wach,
rechnet noch mal unsre Chancen nach?
Beweg dich nicht.
Wo ist dein Mund?
Öffne deine Augen,
sieh in den Himmel und
merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh' der große Bär ihn frißt.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh' man die Windrose bricht.

https://www.youtube.com/watch?v=0vDOIApPksU

Lieben Gruß und Glück auf!

Bruder M

Sati hat gesagt…

Das ist ja köstlich - wie der singt und spielt.
Ganz fein.
Und - das kann mensch nur mit dem Herzen verstehen. Wie bei Dir zuhause - in den Sternengefilden.

Habe eine Weile gebraucht jetzt - um reinzhören, da ich inzwischen sowas wie eine "Alt-68er-Allergie" habe.
Und derart auch einiges vermische.
In vorauseilender Aversion.

Dieser hier aber - malt Klangbilder - wie einst Otto Dix und Beckmann Bilder zum Anschauen erschaffen haben.
Und Gitarre spielen - Klänge setzen - kann er auch meisterlich.

Seinen "Mega-Hit" kannte ich - aber sonst nix weiter.

Danke für den Hinweis!