Freitag, 13. Februar 2015

Ruhige Weiberfastnacht...

... heute. Die "ruhigste" überhaupt bisher. Bin sehr zufrieden - mit dem Tagesverlauf.
Naja gut - am Vormittag hatte ich mich auch an den Flughafen zurückgezogen, nachdem ich einen sehr netten Schweizer dorthin brachte - von dem ich nochwas über Kuhglocken gelernt habe:

Die Schweizer Bauern kennen tatsächlich den Klang jeder Glocke - und können diesen ihren Kühen, die auch Namen haben, zuordnen. Bei Nebel zum Beispiel, wenn man keine Kuh mehr sehen kann. Oder wenn eine verlustig ist - da hört man die Glocken recht weit - in den Bergen. Und frei sind sie da oben in den Bergen - wo es keine Einzäunung gibt. Jedenfalls solange - bis der Almabtrieb kommt.

Diesen habe ich noch  im vergangenen Herbst bewundern dürfen - mit viel Mitgefühl für die Kühe, die bei der Gelegenheit sogar oft taub werden - weil sie völlig überdimensionierte, gigantische Glocken tragen zu diesem Anlass - die die Straßen der Ortschaft regelrecht zum Vibrieren gebracht haben.

Tja - so schön es aussah - wie sie geschmückt waren mit "Kuh-Kronen" aus Blumen- aber die Geräuschkulisse mit den überdimensionierten Glocken - die nur zu diesem Anlass zum Zuge kommen und teils einige Tausende Fränkli gekostet haben - war einfach brutal.

Anschließend etwa eineinhalb Stündchen geruhsame Wartezeit - jenseits des Karnevalsauftaktes - am Flughafen auf dem "Reserveplatz", wo es diesen Imbiß nur für die Taxileute und bestes Frühstück gibt.

Dann mit drei "Ösis" zurück in die Stadt. Die "Herren" sind mit deutlicher Absicht zum Karneval gekommen. Sie kommen fast jedes Jahr, um endlich mal ungezügelt ihren Trieben nachzugehen. Die albernen, zotgen Bemerkngen lasse ich im Universum verhallen. So auch am frühen Nachmittag, als ich eine Fuhre von fünf notgeilen Norddeutschen am Bahnhof einlade.

Besonders erbärmlich der, der hinten in der Mitte sitzt und den ich im Rückspiegel sehen kann. Ein armes Würstchen, jedes dritte Wort ist das F... oder Schw ....-Wort. Sie nerven ein bischen - begreifen wohl nicht recht, daß ich nicht an einer "Konversation" dieser Art interessiert bin. Aber ich kann mich ja verständlich machen. Und merke an: "Den Kollegen - würde ich wenigstens einmal die Woche in den Puff schicken - dieser Stau ist ja nicht auszuhalten."

Das war´s auch schon für diesen Tag - an Fahrten mit bellenden Hunden. Hunde die bellen - beißen nicht, heißt es ja. Allerdings: Im Karneval - und das sage ich auch noch zu dem armen Würstchen - kommt jeder zum Zug, keine Sorge. Sehr seltsam alles. Wie jedes Jahr.

Nochmal kommen mir ein paar fragende Gedanken: Wie kommen die eigentlich auf solche absurde Ideen - daß man bzw. frau sich auf ein solches "Niveau" herabbegeben möchte? Und wie kommt es überhaupt - daß die Menschen von einem Moment auf den anderen wie ausgewechselt sind - und sich ganz anders geben, als über´s Jahr? Punkt 11 Uhr 11 .... wie von einem anderen Planeten.

Egal - ich bleibe auf meinem.
Klappt bestens.

Die vielen vielen anderen Fahrgäste - alle im grünen Bereich.
Angenehm.

Ein paar Mal muß ich sehr sehr langsam fahren - damit ich keine Alkohol-Leichen auf den Kühler nehme. Die nette Südamerikanerin im heißen Nonnen-Kostüm ruft einige Male aus "Que paso?" - als wir durch ein paar Hexenkessel manövrieren. Ich denke - tja - wie immer halt. Und habe bis heute keinen Schimmer, was daran schön sein soll, sich in engen Menschentrauben und seltsamen Kostümen auf der Straße die Kante zu geben.

Ich habe Glück heute mit der Kundschaft. Sehr moderat alles - ruhig sogar oft. 
Es gibt auch im Karneval sehr verschiedene "Motivationen" zum Feiern - wie ich am Nachmitag noch mit einem Fahrgast bespreche - der völlig nüchtern ist und den ich am Bahnhof auflese. Nach dieser Fahrt mache ich Feierabend - das ist ein trefflicher "Tagesabschluß". Das ist immer gut, nach einer angenehmen Fahrt abzustellen - da nimmt man keinen "Schmodder" mit.

Am Nachmittag lerne ich nochwas: Habe zwei Männer und eine Frau im Auto, als es plötzlich dampft im Innenraum. Ich schaue rüber und frage: Was ist das? Das ist eine "Elektro-Zigarette" (heißen die so?). Aha?

Der Mann neben mir erklärt mir genau - wie das Ding funktioniert, er weiß bestens Bescheid. Hat sich durchgerechnet, daß er etwa 3.000 Euro im Jahr einspart im Gegensatz zu herkömmlichem Rauchwerk. Und außerdem - würde das übernicht stinken. Seine Freundin sei Nichtraucherin - und sie habe nichts an diesem Teil auszusetzen. Der hinten raucht auch so ein Ding. Stimmt - es riecht ein wenig, aber nicht unangenehm. Gibt es in -zig Geschmacksvarianten, seine Lieblingssorte sei irgendwas mit Erdbeer .... Pfui Deivel!

Ob die nicht verboten werden sollten neulich noch von einer "grünen" Gesundheitsministerin in NRW - frage ich? Ja - aber das sei durch. Im Gegenteil gibt es jetzt ein Gerichtsurteil, welches ausdrücklich das "Rauchen" - es ist vielmehr ein Verdampfen - dieser Dinger erlaubt, auch in Gaststätten. Und sie hatten mich ja auch im Taxi nicht mal gefragt, ob sie das verdampfen dürfen.

Diese "Verbotsforderung" sei darauf zurückzuführen - daß der Staat keinerlei Steuereinnahmen für die "Elektro-Zigaretten" erhält. Und auf Lobbyisten der Tabakindustrie. Soviel zu den Motiven einer Gesundheitsministerin ....

Aha! Das leuchtet mir sofort ein. Interessant - ja, aufschlußreich.
Meine - ja, klar. Die würden ja auch nicht wollen, daß Autos plötzlich mit neuem Sprit fahren, für den sie keine Raubsteuern kassieren können. Guter Vergleich - höre ich. Sind mir sehr sympathisch plötzlich - diese seltsamen "Elektro-Rauchteile". Und ich hab wieder was gelernt heute - von moderaten Fahrgästen, die den Fasteleer noch auf "traditionelle kölsche Art" feiern.

Und mit denen ich - wie mit einigen anderen - noch feststellte, daß sich der Karneval doch sehr verändert hat in den vergangenen Jahren. Früher war es - "unschuldiger". Da wurde zwar auch gesoffen und unterdrückte Triebe ausgelebt - aber es war nicht so exzessiv.
Ist wie mit dem Wachstumswahn - immer mehr. Und immer schneller.

Für den dampfenden Mann neben mir - ist der schönste Tag der Dienstag - bzw. die Nacht, wenn um 0.00 Uhr der "Nubbel" verabschiedet und verbrannt wird. Denn - da wären die vielen Touristen schon wieder weg - und man trifft wieder ein paar Einheimische.

Also - mein Fest ist das schon sehr lange nicht mehr. Und auch früher - war ich meist nur an Weiberfastnacht unterwegs - und bin dann weggefahren.
Ehrlich gesagt - finde ich es einfach nur grauslich und sogar ein bischen gruselig - wie die Menschen plötzlich all das rauslassen, was sie sonst offenbar unterdrücken - was aber dennoch latent immer vorhanden ist.

Bin also froh, den Tag gut gemeistert zu haben. Und wieder rauszufahren - aus der Kolonie der Durchgeknallten - mit ihren schmalzigen Heimatliedern in den ewig gleichen 3 Dur-Akkorden.
Nicht einmal diese grausliche Karnevalsmusik habe ich heute im Ohr. 
Janz weit weg war ich - auf meinem eigenen Planeten.

Kommentare:

Ich will............. hat gesagt…

hast du hier irgendwie neue links gebastelt? jedenfalls kann ich sie nicht gucken.
m.

vielleicht ist das ja bei mir auch so, ich habe es nur noch nicht gemerkt, gleich mal gucken werde

Sati hat gesagt…

Nein - ich habe mir ein Scheiß-Programm eingefangen neulich - welches mich nur noch mit sinnfreier und lästiger Werbung zumüllt - und ich juß noch eruiren, wie ich das wieder loswerde.