Samstag, 7. Februar 2015

Nach einer "kleinen Ewigkeit" ....

... von sehr langen zwei Wochen, fast schon in eine wohltuende Ewigkeit ausgedehnt - heißt es dann am Montag nochmal "zurück" auf den Fahrkasten. Bis Ende des Monats. Und gefühlt gerade - sehr surreal.
Fast wie eine Reise auf einen anderen Planeten - nämlich in die große Stadt.

In den gnadenlosen Beton-Tempel der sinnfreien Reizüberflutung, des ungezügelten Konsumwahns und der hektisch umherirrenden Menschenmengen.

Allein das Meer von beweglichen Werbeflächen, die ständig nach Aufmerksamkeit gieren und irgendwem ein besseres Leben versprechen wollen mit unsinnigem Zeugs, welches seltenst jemand wirklich braucht - macht einen Riesenunterschied zum Vorland - wo ich nur selten auf derartig penetrante Suggestionen treffe.

Auch auf Smartphone-Zombies traf ich lange nicht. Die sich im Fahrkasten blöderweise neben einen setzen - um dann laut ihre privaten Gespräüche zu führen - die ich nicht wirklich hören möchte - und die in der Regel auch sehr langweilig sind. Neulich noch - saß einer von diesen nichtsmerkenden seltsamen Vögeln neben mir, der die Fahrt via "App" bestellt hatte. Und was soll ich sagen - als er weg war, hat er mir auch noch eine sehr schlechte "Bewertung" über die "App" gegeben - die meine Punktzahl voll in den Keller gerissen hat für eine Weile. Auch so ein "Scheiß-Spiel" ... also die Bewertung via "App" - wo Dich irgendein seltsamer Zombie quasi "abqualifizieren" kann, nachdem Du ihn gut an sein Wunschziel gebracht hast. Und Du wirst nie erfahren - warum der das getan hat.

Da hat sich sehr viel verändert in den vergangenen 10 Jahren - besonders in den letzten 3, 4 Jahren - was "Kommunikation" unter Menschen betrifft.
Lautes Telefonieren zum Mithören ist inzwischen zur "Normalität" = zur Norm geworden - und nur noch sehr sehr selten ist jemand so höflich und "gut erzogen", wenigstens noch die Standardfloskel zu äußern, de da lautet: "Stört es Sie, wenn ich mal kurz telefoniere?"

Wird sich eh noch viel ändern in dem Gewerbe - ist gerade schon dabei, sich zu verändern. Seit Anfang 2015 muß jeder Fahrer einen "Arbeitszeitnachweis" für jede Schicht ausfüllen. Manche noch auf einem handgeschriebenen Zettel - andere haben schon ein teures, neues Display - mittels dessen alles vollautomatisch und elektronisch erfaßt wird. Diese sollen wohl im Frühjahr in allen Autos Pflicht sein. Wer sein Stunden-Zettelchen nicht akkurat ausgefüllt hat - bekommt Ärger, wenn der Zoll (?!!) wieder kontrollieren kommt. 
Dazu gibt es ja die Mindestlohnregelung seit Januar - auch im Taxigewerbe. Ich halte das für einen schlechten Scherz - weil unrealistisch - und dazu für eine Art !Angriff" aufs alteingesessene Gewerbe.
In ein paar Monden kommt dann noch sowas wie eine "Fiskal-Taxameter" - und dann sind die Kisten alle vollüberwacht. Bis vor einem halben Jahr vielleicht - hatte ich mir sowas nicht mal vorstellen können.  Also einen "Großangriff" aufs Taxigewerbe sozusagen - wie z.B. auch durch dubiose neue Fahrdienste der global agierenden Haifische - die ja noch nicht agieren können nach Gusto. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Und teurer Anwaltskanzleien.

Wie dem auch sei - es geht schon weiter.
Und ich werde auch die verbleibende Zeit noch meistern.
Fühlt sich zwar gerade sehr seltsam an - wenn ich nur dran denke. Aber es wird sich regeln.
Wieder einmal - fühlt es sich so an - als hätte ich sowas noch nie im Leben gemacht.
Und das - nach zehn Jahren.

Donnerstag ist Straßen-Karnveals-Auftakt.
Das ist zwar gar nicht meins - aber da gibt es was zu tun.
Und mit einem Quäntchen gelassenen Humors - geht auch das wieder vorbei - und kann sogar ganz amüsant werden.

In diesen Tagen des "inneren Abschieds" vom Gewerbe - fallen mir manchmal ein paar einstige Situationen wieder ein. Die schönste aus dem Karneval war eine sehr unspektakuläre: Ich fuhr einen einzelnen, recht betrunkenen, aber rundum friedlichen Mann zur nächsten Kneipe - und wir sangen gemeinsam und "inbrünstig-still" eines dieser Lieder. Er - die Strophen, die er in- und auswendig kannte - ich mit ihm zusammen den Refrain.

Auch ein paar Kollegen bzw. Kolleginnen fielen mir kürzlch wieder ein. Alles "Unikate" - echte "Einzelstücke" - manche aus reinem (Herzens-) Gold!

Und  -zigtausende von Geschichten, Lebensgeschichten.
Schon erstaunlich.

Aber: Nein - "nostalgisch" bin ich nicht. Im Gegenteil.
Bin froh - wenns vorbei ist - mit dem brachialen Maschinenlenken durch die große, hektische und sinnlos-unruhige Stadt.

Hier auf dem weit ruhigeren Vorland - werde ich endlich das Taxi-Buch erstellen - in Windeseile. Geschichten hab ich genug - und jetzt endlich, nach sehr sehr langer Zeit - auch erstmals eine "Struktur" mental erstellt. Diese, die mir solange nicht einfallen wollte, hat mir natürlich wieder das Leben geliefert - bzw. der Sternenbruder neulich in einem Kommentar.
Vor etwa zwei Jahren hatte ja tatsächlich überraschend ein Verlag angefragt, ob ich nicht so ein Buch schreiben wolle. Aber da war diese Sache mit der "Struktur" .... und es kam einfach nichts.

Jetzt - kommt was - ist schon da. Und dann wird´s wohl auch klappen.
Alles - zu seiner Zeit.

Kommentare:

Ich will............. hat gesagt…

dass du dich für ein smartphone entschieden hattest, fand ich bei kenntnis schon irgendwie erstaunlich.
aber von wegen mithalten mit den zombies, die ohne das teil nicht mal k.......gehen aus erwerbsgründen, habe ich verstanden.
ich glaube, du kannst es jetzt wieder "entsorgen". sich BEWERTEN LASSEN MÜSSEN finde ich sehr unangenehm.
m.

Sati hat gesagt…

Tja - könnte ich endlich noch besser hellsehen - wäre ich sicher nicht drauf eingestiegen. Jetzt habe ich den obligatorischen Zweijahres-Vertrag am Laufen.
Aber - es gibt Wichtigeres als das. Und - ich kann den Akku rausnehmen - denn nur dann ist das Teil auch wirklich ausgeschaltet.
Oder - es gut nutzen - für mich janz höchstpersönlich.
Brauchen täte ich es nicht mehr - aber gebrauchen kann man´s womöglich dennoch - sinnhaltig.

Das Spiel mit dem "Bewerten" - gefällt mir auch nicht wirklich.

Aber - ich hab auch was für mich selbst draus gelernt - indem ich mich einfach selbst beobachtet habe dabei.

Also mit der Frage - Verhalte ich mich jetzt anders bei denen - von denen ch weiß, daß sie mir eine Bewertung geben können - als bei denen, von denen ich weiß, sie werden es nicht tun (können)?

Bin ich freundlicher? Oder anders?
Wegen ein paar Pünktchen auf einer Bewertungsskala?

Ja - am Anfang schon - jedenfalls "anders drauf". Das lag aber auch daran - daß Du tatsächlich eine ganz andere Klientel hast mit den "App-Nutzern". Janz anders - als die alten Leute, die Du zum Arzt fährst - etc.
Und auch - ganz andere Begrüßung zum Beispiel - denn Du hast ja immer schon Namen und mehr von dem, der da einsteigen wird.

Nach kurzer Eingewöhnungs-Zeit habe ich aber für mich beschlossen - mir darüber keine Gedanken mehr zu machen.

Und traf auch - viele interessante Menschen im Moment an. Die können Dich dann auch - freiwillig - als "Stammfahrer" vermerken.

Ejal - is ja vorbei ....