Dienstag, 24. Februar 2015

Ein Gruß von der Ahnin ....

... habe Fresienknollen mitgebracht zum Aussähen.
Das waren ihre Lieblingsblumen.
Hat sie jedenfalls immer wieder beteuert zu Lebzeiten -
und am Ende war dann sogar die Trauerhalle mit diesen geschmückt.

Die Fresienknollen lachten mir eben zu, als ich das Sortiment durchsah.
Da gab´s noch viele andere Schönheiten - ich habe keine echte "Lieblingsblume" - würde eher alle mitnehmen. Und schätze eine wilde Löwenzahnblüte ebenso sehr - wie eine Rose.
Vielleicht gar noch mehr.
Und in diesem Jahr ist meine erklärte Heldin - dieses eine Gänseblümchen - welches neulich als allererstes schon herausschaute aus der noch teils verfroreren Erde. 
Und welches genau weiß - daß es hier immer wieder abgesäbelt werden wird von Rasenmäher-Scheren der irrwitzigen Ordnungswut.  Dennoch - schaut es fröhlich raus.

Man könnte auch sagen zur Ahnin: Sie meldet sich ab und an.
Beschwert sich auch - womöglich sogar zu recht.
Darüber - daß ich ihrer nicht wirklich oft gedacht habe in den Jahren, seit sie rübergegangen ist.
Jedenfalls nicht feierlich.

An sie gedacht habe ich oft - aber nicht immer das Allerbeste.
Im Sommer werden es sieben Jahre - daß sie nicht mehr im Körper weilt.
Mir kommt es vor - wie eine Ewigkeit.

Tatsächlich darf ich ihr zugute halten - daß sie sich nicht wirklich oft gemeldet hat.
Eher selten. Denke - das Wesentliche zwischen uns - war längst erstaunlich geklärt. 

Immer mal wieder halt, wenn ich in der Kolonie unterwegs war bzw. in die Nähe der Friedwiese kam, wo sie neben vielen Anderen unter großen, alten Bäumen hinwollte einst - als Asche in einer Urne.

Ursprüglich wollte sie das nicht - sondern im Meer verstreut werden. Dann hat sie sich aber überreden lassen von denen, die zurückbleiben - nicht von mir allerdings, ich habe ihren Wunsch nie angezweifelt.  Im Gegenteil - ich würde es mir auch so wünschen. Und hatte ja seinerzeit auch ein kleines, geheimes Abkommen mit dem Bestatter vereinbart: Einen Teil ihrer Asche hat er mir übergeben - ohne daß es jemand wußte - und den habe ich dann ins Meer gestreut bei einer Überfahrt mit der Fähre auf eine schöne Nordseeinsel ....

In der Kolonie also - meldete sie sich immer mal wieder mit gewohnter Stimme, in der ein gut Teil Vorwurf mitschwang: "Ja - sag mal .... willst Du denn nicht mal wieder vorbeikommen?!"
Und ich antwortete: Nein - ehrlich gesagt nicht.

In fast sieben Jahren war ich dreimal, höchstens viermal dort. Und die Witzbolde, die sie einst überredet hatten, von ihrem sehr klaren Wunsch einer Seebestattung abzurücken - waren vermutlich nicht viel öfter dort. Einer schon gar nicht - der ist ein paar Hundert Kilometer weit weggezogen. Die Andere - schaut vermutlich ein-, zweimal im Jahr artig vorbei.
Aber ich meine - sie hätte sich erst gar nicht reinreden lassen sollen von denen.
Auf keinen Fall!
 
Heute also - meldete sie sich über die feinen, kleinen Fresienknollen.
Und das - geht mit mir völlig in Ordnung.
Macht mir sogar Freude - die demnächst zu setzen - und zu schauen, zu staunen, wie diese wachsen.

Nur auf Friedhöfe hatte ich lange keine Lust mehr.
Bzw. die Schnauze gestrichen voll. 
Fast dreißig Jahre lang war mir die Grabstelle meines einstigen Erzeugers eine Art kleine Oase im Chaos der großen Stadt. Sowas wie ein kleiner Friedgarten. Mit großem Park - und wenig Menschen. Stille in der Stadt.

Viele Jahre habe ich auch im Sommer die Pflanzen dort gegossen. Oder im Herbst die Kastanien runtergenommen. Mir sinnfreie "Kontrollfragen" der Erzeugerin angehört - ob ich auch dies und das hätte? - als sie nicht mehr selbst dorthin konnte. So war sie halt .... oft eine harte Nervensäge in ihrem sinnfreien Kontrollwahn - aber im Herzen eine Gute.

Und am besten fand ich sie - wenn sie ihren sinnfreien und andressierten Kontrollwahn immer mal wieder vergaß - und wieder zum Kind wurde. Fröhlich lachte - auch über den größten Blödsinn - oder manchmal auch nur verschmitzt lächelte.
Wenn sie vergaß - was "die Anderen" wohl dazu sagen würden.
Und wenn sie - später öfter - schon quasi anarchische Züge annahm.
"Zurück zu den Wurzeln" sag ich da nur - wenn auch nur in den goldenen Augenblicken.

Mit ihrem Ruf in der Kolonie war es ähnlich - der kam immer mit einem Vorwurf rüber.
"Ja - was sollen denn die Nachbarn sagen ...." - also die unter den alten Bäumen in diesem Falle.

Heute - der Ruf mit den Fresien - der war echt und aus dem Herzen. 
Aus diesem wunderschönen Lachen heraus - welches ich sehr gerne an ihr mochte.
Und welches wir auch oft geteilt haben - trotz allem sinnfreien Ärger einst miteinander.

Außerdem war es mit ihr so einst: Wir hatten uns verabschiedet bei unserem letzten Auseinandergehen. Keine hat was gesagt - aber wir haben uns noch zugewunken und dabei gelächelt, als ich fortging. Ich hatte ihr gesagt - daß ich am nächsten Tag mal nicht kommen würde.
Und am Morgen wußte ich dann - sie hat "rübergemacht".
Ein schönes Lied kam mir sofort zugeflogen - und ich hab´s gleich rausgesucht und dazu getanzt.
Morgens gegen sechse war´s .... und sehr präsent war´s.

Auf dem Weg zum Krankenhaus später - pflückte ich einen Akazienzweig und nahm ihn mit - zu dem verbliebenen, wahrlich totem Körper, aus dem die Seele längst emporgestiegen war - und las erst  später per "Zufall" davon, daß dieser für den Übergang steht.

Ja - so ist das mit den Ahnen. Wenn die wollen - dann melden sie sich. Und dann kannst Du sie gar nicht ignorieren. Aber immerhin - kannst Du entscheiden, ob Du Dich auf ihre Botschaften einlassen willst - oder eben nicht.
Und heute - wollte ich das sehr gerne tun.
In Liebe - lasse ich durchaus gerne mit mir reden.

Kann auch sein - daß sie mich ausgelacht hat - freundlich - wegen meiner Socken-Erststrick-Versuche .... immerhin war sie Profeuse darin und ich habe diese selbstgestrickten Socken sehr geliebt.

In jedem Falle aber war die Botschaft:
Du machst es schon richtig so. 

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