Freitag, 13. Februar 2015

Die Taxigötter haben es gut gemeint mit mir ....

.. in einer der letzten Wochen.
Am Mittwoch besonders gut.
Da habe ich nur vier Fahrten gemacht - und dabei einen Umsatz, der Seltenheitswert hat.

Erst gings zum Flughafen raus.
Und von dort - gen Elsdorf - Richtung Aachen auf der A4.
Immerhin 50 Kilometer, was auch selten ist,

Vor Ort fragte ich mal den Mann - wann er denn wieder zurück muß?
Naja - so in zweieinhalb Stunden etwa.
Gut - ich würde ihn gerne wieder zurückfahren - hörte ich mich sagen.
Was auch eher selten ist.
Und - was er dazu meint?

Naja - normalerweise würden die ihm von dort aus wieder ein Taxi rufen.
Ja - sage ich - das müssen Sie wissen - wie es ihnen recht ist.
Ich könnte auch wiederkommen - und würde dann in der Zwischenzeit einen Ausflug machen.
Er willigte ein - und ich gab ihm noch meine Telefonnummer - falls die Sitzung früher zuende ist.

War schon nach Mittag - und ich nutze die Gelegenheit, dort in einem großen Einkaufscenter
alles fließend zu besorgen - was ich eh auf dem Zettel hatte. Und noch ein unerwartetes "Souvenir" - welches mich immer wieder an diesen extraordinären Tag erinnern wird.

Dann - fuhr ich dem Schild nach, auf dem stand: "Aussichtsplattform" - zur Braunkohlegrube dort. Hambach heißt das .... und ich parkte den Fahrkasten dort gut sichtbar, um ein paar Schritte zu dieser Aussichtsplattform zu gehen. Übrigens - erstmals nach langer Zeit - wieder bei gerade herausgekommener Sonne.

Oben angekommen - sah ich das Ehepaar wieder, welches ich schon hochgehen hatte sehen.
Und ich schaute - auf die "Grube" - die keine solche ist. Es ist - gewaltig.
Ich grüßte die Leute beim Näherkommen - und ließ dann meinen Blick schweifen - über diesen Riesenkrater, der nun seit über 25 Jahren in die Erde gebuddelt wird.
Eine Art außerirdische Landschaft.
Gigantisch.

Und dann entfuhr mir nur ein Wort: "Brutal!"

Die beiden freundlichen Menschen neben mir - klärte ich darüber auf - daß ich sowas noch nicht vorher gesehen habe. Oder - einmal wohl doch - aber ist schon sehr lange her - und war fast noch größer, als diese Wunde.

Die - wohnen schon seit dreißig Jahren dort und kennen das alles bestens. Sind mit der "Grube" mitgewachsen. Erzählen mir gerne - alles, was sie so wissen. Erklären mir - wie was funktioniert und welche gigantischen Maschinen da unten laufen.

Einer meiner ersten Gedanken zu dieser "Mondlandschaft" war - wieviele Dörfer hier plattgemacht wurden in den vergangenen Jahrzehnten. Wieviele Menschen ihr einst geliebtes Zuhause verlassen haben. Und genau davon erzählen mir die beiden.

Jetzt - in 2015 - wären sie auch dran gewesen - war Prämisse einst vor gut dreissig Jahren, als sie hierhin gezogen waren - aber jetzt hört der Energiekonzern damit auf - und sie "müssen beiben".
Ich meine "Sie dürfen also bleiben?"
Nein - sie müssten bleiben. Eigentlich wäre es einst so vereinbart gewesen, daß sie in 2015 wieder wegmüssen - weil auch ihr Ort plattgemacht werden sollte - und sie hätten eine feine Entschädigung bekommen. Aber jetzt - ist Stop.

Ich huste inzwischen - und habe jede Menge Staub gefressen. Meine Zunge ist voller Staub. Ich sage das - und sie sagen: Wir merken das alles schon lange nicht mehr.
Da siehste mal wieder - woran mensch sich so gewöhnt.

Ich spucke schon ... weil das Zeug echt in die Lungen geht.
Und die - schlucken es schon seit drei Jahrzehnten.
Und erzählen mir - wie gut das alles inzwischen geregelt ist - weil immer wieder mit Riesen-Wasser-Spränklern gearbeitet wird. Früher - hätten die das alles einfach in die Luft geblasen.

Ich erinnere mich und berichte ihnen von einer Reise in die ehemalige Tschechoslowakei - Anfang der Neunziger einst. Und davon - wie dort schwarze Flocken vom Himmel fielen .... das kennen sie auch noch gut.

Was ich da sehe - ist gigantisch. Und - es sieht mit Sicherheit  viel "kleiner" aus gerade - als es ist. Das Auge - kann es schwerlich abmessen - und täuscht. Macht es kleiner - als es ist.
Der Mann erzählt mir was von Ausmassen - aber auch mit diesen Zahlen kann ich mir kein echtes Bild machen.

Es würde etwa eine Dreiviertelstunde dauern, wenn man mit dem Auto drumherumfahren wolle.
Aha - das gibt mir etwas mehr Aufschluß über die Ausmaße.
Und derzeit liegt der Grund etwa bei 300 Meter unter Meeresspiegel.
Viel Technik ist eingesetzt - damit es nicht geschwemmt wird.

Ich stehe da - auf einem anderen Planeten.
Und vermag es gar nicht einzuordnen in meinen kleinen Geist in diesem Moment. Schaue nur - und merke, wie meine Zunge weiterhin pelzig belegt wird von dem Staub.

Wenn sie fertig sind mit dem Raubbau - soll hier ein riesiges Naherholungsgebiet entstehen.
Die "Grube" wird dann mit Rheinwasser geflutet - die Rohre liegen schon seit ein paar Jahren bereit.
Es wird - ein paar Jahre dauern, bis das ganze Areal voll Wasser gelaufen ist.
Der Mann erzählt - es lägen zwei Rohre dort mit einem Durchmesser von je zwei Metern - durch die das Wasser des Rheins dann hineinaufen soll.
Wie schon geschruben - gigantisch, das Ganze.
Und - brutal.

Andererseits - sagt er - wollen wir ja alle den Strom aus der Steckdose.
Und das Energieunternehmen - hätte eine Menge für die Region geleistet.
Ohne dieses - hätte es keinerlei Arbeitsplätze gegeben - und würden alle heute noch mit Zuckerrüben arbeiten.
Ich denke nur - was wäre daran schlecht?
Bzw. - was ist schlecht - an Zuckerrüben?

Übrigens - mein Fahrgast hat gerade eine Tagung in einem großen, bekannten Zuckerwerk.
Und ich frage mich ernstlich am Rande dieses gigantischen, staubige Kraters - wie rein wohl der Zucker sein soll - der von um die Ecke kommt ..... bei diesem Staub?

Wir tauschen noch ein paar Dinge aus - die sind vom alten Schlag - und sehen nicht - daß sich die Welt schon viele Male gedreht hat - und das alte System von "Arbeitsplätzen" eh schon lange ein totes Pferd ist und ganz neues Zaumzeug braucht - weltweit.

Ich lasse sie so.
Es sind korrekte, freundliche Menschen - von denen ich eben viel erfahren habe.
War schön - sie dort zu treffen.

Wieder unten - auf der Straße - hinter der gigantischen "Grube" - frage ich noch, ob das Dröhnen der Maschinen rund um die Uhr donnert? Sie lachen - aber ja. Das hört nie auf.
Es ist ein recht gruseliges Geräusch für mich - und es dringt in jede Zelle, vibriert dort spürbar -  aber die Menschen hören es gar nicht mehr. 
Wir einigen uns drauf - daß sie sich wohl eher erschrecken würden - wenn es eines Tages mal still wäre.

Ich vernehme das Dröhnen weiterhin - als ich schon wieder dort bin - wo ich den Fahrgast wieder abhole. Ein Grollen ... aus der seltsamen Mondlandschaft. Ein bischen gruselig - für mich.

Der Fahrgast ist zuverlässig - auch schön!
Und der Pförtner - ist ein Goldschatz.
Kommt extra raus zu mir - nachdem ich schon eine Weile dort stehe - und fragt mich - ob ich denn bestellt sei? Er möchte nicht, daß ich vergeblich warte.
Ich weiß - hier bin ich richtig - nämlich auf einem Dorf!
Bedanke mich ehrlich bei ihm für seine Fürsorge - und sage - ich warte hier auf einen Herrn, den ich herbrachte. 

Auf der Rückfahrt erzählt dieser mir - wie er in den Achtziger Jahren erstmals - noch mit dem Auto - hierhin fuhr - und überall diese verlassenen Dörfer sah - all die verlassenen Häuser mit kaputten Fensterscheiben - fast wie im Krieg - und er hatte damals noch keinen Schimmer, was hier eigentlich los war. Ja - das kann ich mir gut vorstellen - besonders nach der kurzen Reise eben - an den Rand dieses gigantischen Kraters.

Eigentlich ein schweigsamer Norddeutscher - wie ich im Grunde auch oft - vom Naturell - aber manchmal ist es ganz gut, ein paar kurze Worte miteinander zu wechseln.

Am Flughafen bedanke ich mich - für die Fahrten mit ihm - und meine:
Das war ein guter Tag für mich heute.
Fein - daß Sie mit mir zurückgefahren sind.

Das passiert wohl  nicht so oft? - meint er.
Nein - gar nicht oft.
Deshalb - war ich ja so hartnäckig heute - Sie zu fragen, wegen der Rückfahrt.
Netter, ruhiger Typ.
Und - ein wahrlich beeindruckender Ausflug.

In der Nacht - ging mir das Dröhnen der gigantischen Maschinen nach .... in jeder Zelle.
Und dabei - waren die noch winzig, diese Maschinen.
Mittlerweile gibt es solche Maschinen - die binnen weniger Minuten unglaublich riesige Areale an Bäumen im noch verbliebenen Regenwald abholzen - wie riesige, fressende Ameisen.
Nix gegen Ameisen - aber ein bischen blöde sind sie dann doch.
Wie wir Menschen.

Kommentare:

mundanomaniac hat gesagt…

Sati,

wie einfühlsam diese Begegnung mit "normalen Leuten".

Das ist Dein Gold.

Sei mir gegrüßt, du Merkur-Schwester

mm

Sati hat gesagt…

Nein - Bruder - das ist nicht "mein Gold".

Das ist "unser aller Gold".

Wie geschruben - war schön, die da oben anzureffen.

Und gestern - traf ich noch einen anderen sehr neten Vogel an - an der Karnevals-Peripherie ... einen sehr freundlichen, aufgeschlossenen "Muslimen"- an dem ich mich ebenfalls sehr erfreute, also an seiner Lebendigkeit und Freundlichkeit.
Hatte ihn kurz zuvor angehupt - und ihm bedeutet - daß er auf meinem Arbeitsplatz steht.
Daraufhin setze er zurück und kam kurz drauf zu mir - um mir zu berichten, daß er bei der Post arbeitet - und das Schild nicht gesehen hat.

Ein weiteres freundliches Gespräch unter scheinbar Fremden also - was oft sehr leicht ist.
Jedenfalls für die - denen Gold eher als lichter Moment erscheint - denn als schwere Materie.

Das Gold - liegt also durchaus auch auf der Straße. In jedem Moment.

Aber nur - mit den vielen goldigen Menschen - die es ja durchaus gibt.

Goldene Resonanz - täät isch mal saachen dazu!
Und: Kostet nix.
Aber: Bringt was!
Nämlich - Momente der Freude.

Und wie geschruben: Damit es richtig gut glänzen kann - das Gold der Strasse - braucht es immer das Gegenüber!

Allein in der Natur - geht´s natürlich auch.

Goldige Grüße und Wünsche, Sati