Montag, 1. Dezember 2014

Nüscht mehr mit Nostalgia - im Dezember ....

.... der November hat schon gründlich ausgekehrt - und aufgeräumt.
"Meijn Poeeenichen - jibt´s nicht maehr .... war ja eijentlich auch lange klaaar jewesen."

Aber so - habe ich mir nochmal eine lange - oder kurze? - Lebens-Geschichte angeschaut in 36 Folgen - über Tage - bis sie dann endlich hinfuhr zu ihrem längst vergangenen Poenichen und sich ein anderes Bild machte.

Erinnert mich an eine Reise - die ich einst spontan vorschlug: Ich fuhr mit der Mutter von acht Kindern - übrigens vier Jungs und vier Mädchen, trefflichst! - in die einstige Tschechoslowakei - nachdem ich ihre Geschichte der einstigen Flucht vernommen hatte.
Eine Frau - die mit Mann und acht Kindern bis zu ihrem Ableben in einer Zwei-Zimmer-Wohnung gelebt hat - nach der einstigen Flucht. Erstaunlich - wie das so funktionierte.

Ihre einstige Geschichte ähnelte der Poenichen-Geschichte. Und ich - seinerzeit noch "Realistin" - schlug sofort nach dem Vernehmen dieser Geschichte -  eines einst vergrabenen Familienschatzes in der alten Scheune unter der Hopfenverarbeitungsmaschine - vor: "Da müssen wir hin!"

Es hieß hinter vorgehaltenen Händen im Clan - ein Onkel wäre schon dort gewesen, um den einstigen, vor der Flucht dort vergrabenen  Familienschatz zu heben. Aber ich bestand darauf - das vor Ort zu überprüfen.

Wir fuhren also rüber - in meinem alten Granada-Kombi (formidables Geschoß!) - die Clan-Mutter und dreie ihrer Töchter kamen mit. Hab vergessen - welche zuhause bleiben mußte, der Wagen gab nur fünf Sitze her und das Cockpit war meines. Ein rechter Horrotrip auch - über bergige Eisplatten ....Granada-Kombi mit sechs feinen Schnurr-Zylindern - aber Hinterradantrieb - und vier weiteren Menschen im Auto, die ebenfalls gesund weiterleben wollten ... auf mancher Rutschpartie, wo Du so einen Kasten gar nicht wirklich in der Spur halten kannst - und diese blöden Arschgeigen hatten nichts Besseres zu tun, als mich auszulachen - weil ich echt manchmal angespannt war.

Wir trafen am Ziel - wie im Filme -  auf ganz freundliche und bezaubernde Menschen - ansonsten auf ein ehemals prachtvolles und nun zerfallenes Anwesen mitsamt umgebender Dorfstruktur.
Als wir vor Ort ankamen - rieselte es schwarze Schneeflocken vom Himmel. Das war noch von der tschechischen Industrie seinerzeit -  gandenlose Umweltverschmutzung.
Also damals sowas - was heute "Chemtrails" sind - nur nicht so schlimm einst wie heute.
Immerhin so schlimm einst - und offen eingestanden - , daß die Kinder der Region einmal im Jahr zur Erholung ihrer Atemwege verschickt wurden.

Die Clan-Mutter weinte ein wenig - als sie die marode und zerfallende Realität nach über vierzig Jahren des Erinnerns erblickte. Wir warteten geduldig ... und ließen sie in Frieden.

Wenig später staunten wir - daß wohl eine ihrer ehemaligen Schulkameradinnen uns das Tor zum zum einstigen Gehöft öffnete - sie sah nur viel älter aus, weil sie kaum noch Zähne im Mund hatte. Irgendwie freuten sich die beiden an der unverhofften Begegnung. Und wir waren natürlich herzlich willkommen und eingeladen.

Ob überhaupt noch eine der Töchter gegraben hat unter der besagten Hopfen-Verarbeitungsmaschine - erinnere ich gar nicht mehr.  Ich glaube - darum ging´s auch gar nicht wirklich bei  dieser spontanen und langen Reise.
Bei der wir noch einen mehr als stattlichen, wilden Eber fast vor den Kühler der Granada-Limousine bekommen hätten - so idyllisch war´s dort noch - und wild von der Landschaft her.

Noch ein paar Besuche machten wir - auf´s Geradewohl - bei Menschen, an die die Clanmutter sich erinnerte von früher - und deren Adresse sie hatte. Alles sehr herzliche Menschen - die nicht viel hatten, aber dafür umso mehr auffuhren an Gastfreundschaft.

Poenichen Poenichen - ist immer nur ein Traum.
Und nach 36 Folgen war ich fast zornig - daß diese Romanfigur da nicht schon viel früher hingefahren ist.
Mensch mensch mensch ....

Der Anfangssatz steht aber: Wer nirgendwo zuhause ist - kann überall hingehen. 

Kommentare:

Ich will............. hat gesagt…

ich bin bei folge 22 ........

als kind habe ich mal so einen besuch in der ehemaligen heimat meiner großmutter und großtante mitgemacht. leider war ich zu jung, um es zu verstehen. wir parkten weit entfernt vom gehöft und es gingen nur tante und großmutter hin......

Sati hat gesagt…

Bischen sehr langwierig - die Weihnachtsgeschichte .... aber ich hab "durchgehalten" - und viele Gedanken kamen - zum Leben und unseren kurzen Menschengeschichten überhaupt.

Nu - im Nachgang hast Du es ja doch verstanden, was damals vor sich ging bei den Erwachsenen.

So geht´s mir gerade oft - im Nachgang verstehe ich so einiges.
Und - stelle fest - daß ich früher gar nichts verstanden habe.
Ging aber auch nicht besser einst - dafür hätten sie erzählen müssen - die eisern Verschwiegenen. Ha´m se aber nicht ....