Sonntag, 21. Dezember 2014

Freundlicher Druck im Kessel heute ....

... also im Fahrkasten. Sechs junge Menschen, die entschieden und konsequent Party machen - ob seit gestern oder schon Freitag, weiß ich nicht. Gegen Mittag fallen die mir zu - "Der mit der kurzen Schnauze" kann ja zum Sechs-Sitzer umfunktioniert werden.

Zu dem anderen netten jungen Mann neben mir, der meint, da wären ja schon die nächsten Fahrgäste, sage ich noch, als ich die auf mich zukommen sehe - das! werde ich mir jetzt mal kurz sehr gut überlegen, ob ich die wirklich mitnehmen will - oder lieber wegfahre.

Ich nehme sie mit - die Ansprache war korrrrrekt und höflich. Nicht mal gelallt - obwohl die schon die ganze Nacht Vodka getrunken haben, wie ich noch hören werde. Eine bunte Mischung - aus jungen türkischen Männern, fidelen hiesigen Mädels und einem langen, dünnen Blonden vom anderen Ufer dazu.
Sitze umbauen klappt nicht recht - irgendwas klemmt - aber die sind ja jung, beweglich und flexibel, steigen also einfach geschmeidig über die scheinbaren Hindernisse. (Das war - auch philosophisch ... hahaha)

Eine ganz gute Fahrt für mich, monetär. Hatte vorher gefragt, wo sie hinwollen - weil ich ehrlich gesagt auch gerade zu faul war, den Kasten für eine 5-Euro-Fahrt mit derart Ungestümen umzurüsten.

Die sind sehr nett und angenehm - allemale. Allemale freundlich. Allemale recht entspannt und einfach in Feierlaune. Sowas - merkst Du nach ein paar Jahren sehr schnell. Manchmal läßt es sich einfach schon riechen, an kleinsten Kleinigkeiten - wie der ersten Ansprache. Bei der mißglückten Aktion mit dem Sitzeumbauen und der Sortierung beim Einsteigen - alle kooperativ.

Wo ist denn der zweite Kindersitz hin - frage ich die junge Frau neben mir, die fleißig ungefragt mitangepackt und mein Zeug umsortiert hat?  Ja - das weiß sie jetzt auch gerade nicht .... ich gucke im Auto, da ist nichts. Ach, sagt sie, den habe ich ja noch im Arm. Und ich frage mich - wer eigentlich Vodka gesoffen hat über Nacht - weil ich´s auch nicht gesehen habe.

Laut sind die - hinten. Der vorne ist eher angenehm ruhig. Möchte sich gerne mal eben in die "Bluetooth-Funktion" für´s Handy einklinken, sagt dies und beginnt, an meinen Armaturen herumzufummeln. Ich meine - och nö - det jetzt aber lieber nicht .... jut.

Hinten häßliche "Musike" aus dem Smartphone mit gräßlichem Sound. Ob ich ein Verbindungskabel hätte - zur Anlage? Ein USB-Kabel .... gelallt. Wat für´n Kabel? Lall .... Ne - hab ich nicht.

Zuvor die Frage "Wie heißt Du?" Ich sag´s ihnen: Sati.
"Fati"? Ne - Sati.
Wovon das abgekürzt sei?
Gar nicht. Ist einfach so - wie es ist. Eine Art "Spitzname".
Wie mein richtiger Name sei?
Der sei jetzt genauso. 
Und wie nennen Dich denn Deine Eltern und Deine Lehrer?
Mit Sati sind sie noch nicht zufrieden.

"Ich bin schon alt" - höre ich mich sagen "und ich habe keine Eltern und keine Lehrer mehr".
Während hinten Eine zur Anderen sagt, sie wäre jetzt aber mal wieder echt in den Fettnapf getreten - denke ich nur bei mir und für mich: Segensreicher Zustand! Keine Eltern, keine Lehrer und  auch sonst niemand mehr - schon länger übrigens - der mir noch irgendeinen Unsinn erzählen will/kann.
Wie Weihnachten eigentlich.

Am Ziel eine sehr nette Verabschiedung mit vielen freundlichen Wünschen. Habe schon wieder den nächsten Auftrag bekommen und baue die Sitze eben zurück - als eine der jungen Frauen nochmal aus der Hautür zurückkommt und meint: Sati - hast Du vielleicht eine Handy-Nummer, wo wir Dich erreichen können später, wenn wir nach Hause wollen?

Ich bedanke mich für´s Angebot - die waren wirklich alle korrekt und bezaubernd - und sage es, wie es ist:
"Ich weiß gar nicht - wo ich nachher bin ..."

Neulich habe ich´s nochmal versucht mit so einer "Vorbestellung" - eine angenommen - und die Arschgeige hat mich dermaßen draufgesetzt und vermutlich sogar absichtlich auflaufen lassen - zuvor eine gute Stunde aus dem eigentlichen Morgengeschäft geworfen, um mir kurz vor seiner Haustür via App abzusagen - eine vorgebliche Fahrt nach Düsseldorf - daß ich´s einfach wieder lasse mit solchen "Verabredungen".

Et kütt - wie et kütt - und et hätt noch immer jotjejange - sagen die Menschen in der Kolonie, in der ich geboren wurde einst.

Treffe heute, gestern und vorgestern .... viele nette, freundliche und auch kluge Menschen - immer noch staune ich manchmal, wer da so mit mir im Fahrkasten sitzt - und was von sich gibt. In jüngster Zeit auch wieder öfter - denn viele Menschen haben wieder begonnen - miteinander zu sprechen. Auch über "Eingemachtes".  Und ich treffe weiterhin - jegliche Couleur, Denkart und Altersklasse.

Heute ein sehr ergiebiges Gespräch zu "Pegida" bzw. den 15.000 bewegten Menschen vom vergangenen Montag mit einem viel- bzw. weltgereisten und reflektierten Menschen um die Anfang dreißig - und nicht das erste in jüngster Zeit im Fahrkasten. Wir sind vordergründig nicht immer einig - aber wir reden unaufgeregt miteinander - und tauschen uns tatsächlich aus. Das geht nun schon - seit ein paar Wochen so im Fahrkasten mit den Menschen.
Es wird sehr offen geredet - jenseits aller scheinbaren Tabus - die ja hierzulande seit vielen Äonen vorgegeben werden konnten. Ich finde - das allein ist schon eine "Pegida" mehr als wert!

Selbst - wenn ich davon ausgehen würde - daß diese vom Verfassungsschutz ins Leben gerufen worden sei - so würde ich mich in diesem Falle durchaus bei den Lügennasen bedanken - für die Anregung, endlich mal Tacheles miteinander zu reden - jenseits aller sinnfreien "Talg-Shows" - auch, wenn´s erstmal ein wenig wehzutun scheint.
Mir übrigens meistens nicht - im Gegenteil.
Nur in selteneren Fällen, wenn ich noch auf solche treffe, die den "Leid-Medien" ihren Propaganda-Schund abnehmen. Das aber - sind nur noch sehr sehr wenige. Und immer öfter - wundere ich mich auch über bereits fundierte Informationen weit jenseits der "Leid-Medien" von solchen Menschen - von denen Du es überhaupt nicht erwarten würdest.

Alles in Allem - danke an alle Fahrgäste im fast vergangenen Jahr 2014 und auch in allen Jahren zuvor - dafür, was sie mir so alles beigebracht haben. Dito an viele Kollegen. Und natürlich auch vielen Dank für die vielen freiwiligen Zugaben - menschlich und monetär. 

Meine einstige, scheinbare "Limousinen-Neurose" habe ich auch schon gut überwunden.  Mir sind der größzügige Innenraum und zuvorderst eine rückenfreundliche Position sowie ein herrlich großer Kofferraum inzwischen schon lieber - als das bessere Fahrgestell und -verhalten der Limousine.
Meine langjährigen Kollegen haben tatsächlich gekündigt - sie haben sich nicht dran gewöhnen können oder wollen an "den mit der kurzen Schnauze" und sich eine andere Limousine gesucht.
Aus durchaus verständlichen Gründen - wie ich dachte, als ich mir diese anhörte im kurzen Gespräch.
Und wieder mal durfte ich mich wundern über uns Menschen - denn bei mir war es so: Ich hätte erst gar nicht wirklich über diese Argumente nachgedacht - sie wären mir nicht einmal so eingefallen -  bevor ich sie nicht vernahm. Ich hatte mich einfach drauf konzentriert - mich auf "Den mit der kurzen Schnauze" umzustellen - um ihn schließlich ebenso leicht in der Hand zu halten - wie die andere Blechkiste.

Was mir noch auffiel war - die Kollegen hatten den Sitz jeweils fast ganz nach oben geliftet - während ich mir diesen eher gemütlich wie in der Limousine einstelle. Also erst mal - ein Stück weit runter und die Lehne nach hinten.
Ehrlich gesagt - mir ist es gleich - also Limousine oder Fahrkasten.
Ich habe wohl ein paar andere "Schwerpunkte".
Und das Taxifahren selbst - gehört weniger dazu.

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