Dienstag, 25. November 2014

Mein "Weihnachtsfilm" ....

... neulich herübergereicht von den Toten: "Jauche und Levkojen" - oder "Nirgendwo ist Poenichen" - viele Stunden des Nochmal-Eintauchens in längst vergangene Zeiten und des gerade not-wendigen Abtauchens aus dem Gelärme der Jetztzeit.

Ein Lehrstück für mich - was meine einstige "Erziehung" betrifft. Die "Grundhaltung" der Ahnen. Nicht etwa - daß die meinen zur sogenannten "Herrschaft" gehört hätten - die vielen ersten Teile des Filmes, der Geschichte drehen sich ja vorwiegend um deren Familensaga - aber was sehr Grundsätzliches ist da zu finden, eine Art "Lebenshaltung".
Manches Mal staune ich - wie sehr so eine Geschichte das längst Vergangene spiegelt - und "meine einstigen Leute".
Von einem meiner Großväter weiß ich - unbekannterweise - daß er Dorfschullehrer war ... so findet er sich wohl in einer Art "Zwischenstellung" wieder - weder Herrschaft noch Knecht.
Im besten Falle - Vermittler.

Ein Schlüsselsatz im Film ist - das Leben so zu nehmen, wie es kommt.
Trotz möglicher Grundsätze und Wünsche - offen zu bleiben für´s Notwendige und gerade Erforderliche.

Paradebeispiel seinerzeit war für mich die Reaktion meiner Eltern - auf die Schwangerschaft meiner Schwester mit gerade mal sechzehn Lenzen und Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Sie waren absolut nicht begeistert - veranlaßten jedoch sofort alles Notwendige -  um das (kommende) Kind zu schaukeln. Und das eigene - dennoch gut durch´s Abitur und ins Studium zu bringen. Im Wohnzimmer traf ich als Zehnjährige auf eine illustre Versammlung von sehr ernst drein blickenden "Erwachsenen" - u.a. die Klassenlehrerin der Schwester.  Alles wurde zum Besten geregelt. So gut es ging. Niemand wurde "verstoßen" oder so ein Unsinn. Und letztlich wurde auch niemand verurteilt.

Nur eines bekam ich später mit - die tatsächliche Befindlichkeit meines Erzeugers über diese Gegebenheit.
Es muß ihn innerlich hart getroffen haben - trotz aller offenkundiger Liebe zu seinem scheinbar verfrühten Enkelsohn.
Er bot mir als Dreizehnjährige - nein, er drängte mir als Dreizehnjährige die Pille auf - ich solle sofort zu ihm kommen, wenn es soweit wäre. Ich könne dann sofort zum Arzt gehen - mit seinem Einverständnis. Nochmal - würde er das nämlich nicht verkraften - "nur über meine Leiche" war der Wortlaut.
So waren sie - mehr sagten sie nicht.  Aber das reicht ja auch - war ja deutlich genug.

Ich sagte ihm meinerseits auch nicht - daß er de facto schon zu spät dran war mit seiner Offerte - ich hatte mir  selbst schon so ein anderes Zeugs in der Apotheke besorgt damals .... und es ging ihn nicht nur überhaupt nichts an - sondern hätte ihn auch nur unnnötig besorgt. Ich sagte nur: Jut - ich sage Dir dann Bescheid.

So - hatte jeder im Clan wohl seine Geheimnisse. Viele nahmen sie mit ins Grab. Damals hatte ich mir oft mehr Offenheit gewünscht - mehr Erzählen. Heute - kann ich das ganz gut nehmen, wie sie waren.
Nicht unbedingt das Herz auf der Zunge tragend - bis auf wenige Ausnahmen, die mir gut taten - aber immer "korrekt" und hilfsbereit, wo es notwendig war.

Manchmal kamen seltsame Sprüche - vermutlich eher aus Selbstschutz vor weiterer potentieller Verletzung des eigenen Weltbildes - wie zum Beispiel: "Komm mir bloß nicht mit einem Schwarzen nach Hause". Ich lachte daraufhin nur oder kommentierte scharf - und wußte - sie würden auch das nehmen, wie es ist, wenn es so wäre.
Und nicht nur hin - sondern auch herzlich.

Das waren andere Zeiten damals - sowas wie "Zwischenzeiten" zwischen einst und heute - zwischen falscher Prüderie und Biederkeit einst -  und geradezu krankhafter, fehlgeleiteter und falscher, zwanghafter "Offenheit" heute - Stichwort "Gender-Schwachsinn".
 
Und jetzt - schaue ich also einen Film-Marathon in Etappen - namens "Jauche und Levkojen" - und sehe meine einstige Mischpoke darin seltsam oft trefflich gespiegelt. Auch mich selbst - solange ich ein Teil war.

Ganz nett - irgendwie - nochmal diesen Dialekt ansatzweise zu vernehmen - das "Ostpreussische" ... aber ehrlich gesagt - ist es nicht echt. Wie so oft auch das Kölsche nicht im Film.
Das Echte klingt ein "wenich andäers" - und ich hab´s noch vernehmen können von den Alten.
Hab so jar kejine Schweierichkejiten - es nachzuspräechen - nie jehabt.
Hat mir immer Spaß gemacht.
Obwohl es ejientlich - unmöchlich klingt. Holprich ... und ejin wenich hart.

"O tempora - o mores" - die Zeiten ändern sich im Leben - eines einzigen Menschen - erstaunlich.
Möchte die alte, einstige aber auch nicht missen. Gehört dazu - unabdinglich.
So - wie dieser "Menschenschlag" - in seiner Mischung aus Aufrichtigkeit, Korrektheit, Schlichtheit, Anspruchslosigkeit, Pragmatik. Oft - persönlich verschwiegen.
"Protestantisch karg" und arbeitsam - aber dennoch lebenslustig und gesellig.
Besonders nach den Kriegen - in Form von unzähligen Clan-Treffen mit üppigen Gelagen.

Hat auch eine Weile gedauert, bis ich begriffen hatte .... eine lange Weile - das war akuter Nachholbedarf aus vergangenen Hungerszeiten. Jemand wie ich - der diese zum Glück nicht miterlebt hatte, tendierte eher zum Kopfschütteln und Kotzen über soviel Völlerei an einem Tage  - soviele Sahnetorten und andere Schmausereien ..... aber sie haben´s genossen!
Und immerhin verstanden sie es trefflich - alles gut miteinander zu verbinden - fruchtbarste Gartenarbeit mit derartiger nachholender Völlerei.

"Erst die Arbeit - dann das Vergmügen." war ein oft gehörter Spruch  in der Kindheit - und sie hielten sich dran in dieser Reihenfolge. Eine aussterbende Spezies.

Vor etwa zehn Jahren - wurde ich selbst noch ausgelacht, als ich mich quasi an die mir einst mitgegebenen  Werte anlehnte. Der einstige, erste Taxi-Unternehmer fragte mich - warum ich überhaupt Taxi fahren wolle? "Ich möchte gerne eine ehrliche Arbeit verrichten." war meine Antwort.
Der guckte mich kurz an - lächelte dann vielsagend und machte eine zweifelhafte Geste.
Heute würde ich das so übersetzen - was er damals verwerfend andeutete: "Das ist kaum noch möglich - und einbringen tut´s nichts."
Was ich meinte war aber dies: "Ich habe keine Lust - mir selbst und Anderen etwas vorzumachen."

Jetzt also - nach vielen Jahren - schaue ich mir endlich diesen Film an - und wundere mich darüber - wie lange es schon in mir sagte "Nirgendwo ist Poenichen" ..... obwohl ich nie das Buch las oder den Film sah.
Es klingt von klein auf in mir - symbolisch: "Nirgendwo ist Poenichen." Vielleicht - haben die Ahnen ja doch was erzählt einst - aber ich hab´s nicht begriffen - nur unterschwellig.

 "Mein Weihnachtsfilm" für 2014 .... einen Monat früher - wie der gefühlte Jahreslauf.
Der erste "fiktive Film" überhaupt in 2014, den ich mir antue .... und aus dieser Fiktion will manches noch berichtigt werden - im eigenen Anschauen.

Und doch - nu weiß ich auch wieder - warum ich nichts in Wände verdüble und mir "Einbauteile" von je her suspekt sind ....      

Kommentare:

mondin hat gesagt…

Hallo Sati :)
Wollte nur sagen, dass es mich noch gibt, auch wenn ich nur noch selten in Blogs rumschwirre.
Liebe Grüsse

Ursel aus Brasilien

Sati hat gesagt…

Hallo, Du Gute!
Freue mich über Deinen Gruß.
Und - daß es Dich gibt.
Wünsche Dir alles, was Du Dir so wünschst für Dich,
Sati