Dienstag, 19. August 2014

Nach wenigen Tagen ...

.... des Arbeitens mit der neuen Fahrtenvermittlung via "App" - bin ich doch sehr überrascht, was da schon so alles drüber läuft. Ein zweites "Taxiversum" hat sich da aufgetan.
Eine zweite Taxiwelt - mit vielen "Business-Kunden".
Vorzugsweise jünger bis mittleren Alters - die viel geschäftlich unterwegs sind und gerne einen bargeldlosen Zahlungsservice in Anspruch nehmen. Mir ist das wurscht - für mich ändert sich da nichts bei der Abrechnung mit den Limousinenbesitzern. Vielleicht ein bischen mehr rechnen - aber das schaffe ich wohl.

Gestern vormittag ging es nach D´dorf .... einige Male ging es schon zum Kolonie-Flughafen. Eine 5-Euro-Fahrt war noch nicht dabei .... ich stelle fest: Die Geschäfts-Klientel - ist befleißigt dabei, auf die "App" umzusteigen.

Die Kunden, die ich mit der App bekam - erzählten mir, daß sie einfach keine Lust mehr haben, am Bahnhof vorne in einen schmutzigen Wagen einzusteigen und auf mißgelaunte FahrerInnen zu treffen, von denen man womöglich auch noch angeranzt wird.
Die Vermittlung durch die "App" garantiere in der Regel einen besseren Service und eine angenehmere Fahrt - da die Fahrer von der Kundschaft "bewertet" werden können mittels eines Punktesystems. Nach der Fahrt kann der Kunde jeden Fahrer und das Fahrzeug bewerten. Es gibt maximal 5 Punkte. Also - hat jeder Fahrer von sich aus ein vitales Interesse daran, nicht etwa seine schlechte Laune am Kunden auszulassen.
Gut - daß ich das eh nicht mehr mache seit ein paar Jahren. Aber - es hat einige Jahre gebraucht ... nach drei Stunden Wartezeit und einer möglichen Kurzfahrt nach soviel Geduldsaufwand - nicht mehr die eigene schlechte Stimmung auf das Gegenüber zu projizieren.

Jeder fahrende "App-Taxist" hat ein Profil, daß der Kunde zuvor einsehen kann. Darin ist u.a. das Fahrzeug aufgeführt und  über welche Sprachkenntnisse der Taximensch verfügt.

Immer wieder habe ich von der Kundschaft vernommen - daß sie keine Lust mehr haben auf solche Fahrer, die kaum ein Wort deutsch sprechen würden und/oder sich nicht auskennen. Die wenigsten erwarten, daß man jede kleine Seitenstraße kennt - aber die grobe Richtung sollte doch bitte stimmen. Zig Male hörte ich sowas wie ein erleichtertes "Ach - endlich mal jemand, der sich auskennt." Und neulich noch von Messegästen nach der Ankunft "Da schau her - das wird ja immer billiger."

All das - drückt das "Image" von uns allen runter. Die junge Frau werde ich nicht vergessen - die mir berichtete, daß der Fahrer, bei dem sie neulich am Bahnof einstieg, einen Hardcore-Prono auf seinem Bildschirm vorne laufen ließ - und den auch nicht ausstellte, als sie bereits eingestiegen war. Da - fällt einem ja nichts mehr zu ein.

Tatsächlich bekam ich neulich einen Auftrag zum Bahnhofsvorplatz - dort warteten Dutzende von Kollegen geduldig auf Einsteigende. Und ich bekam über die "App" einen Auftrag und fuhr an denen vorbei, um einen Geschäftsmann am Bahnhof abzuholen - der ebenfalls nicht mehr auf gut Glück fahren wollte.

Auch interessant: Einige Hotels bestellen inzwischen nur noch Wagen über die "App" für ihre Gäste. Aha! Nun weiß ich also auch - warum ich diese Hotels nie über die Innung bekomme.

Kurzum - das taugt was!
Zwar haben sich mir kurz die Haare gesträubt über das "Bewertungsmodell" - denn da kannst Du auch einer unangenemen Willkür ausgesetzt sein. Aber insgesamt - kommt mir das nur zugute. Und gestern war ich dann ganz zufrieden, als mir eine nette junge Frau  nochmal den Schubs auf die volle Punktzahl gab. Der erste Kunde hatte nämlich seltsamerweise nur eine 4 für meine Limousine eingetippt - was mich sehr wunderte. Hätte eher gedacht - er hätte mir "als Mensch weniger Punkte" gegeben ... da wir doch sehr konträre Typen waren.

Außerdem - können die Kunden einen als "Stammfahrer" vermerken. Tun sie auch.
Für mich - im Grunde eine feine Angelegenheit - denn die Spielregeln sind klar und ich muß mich nicht "anbiedern" für eine "Stammklientel" - was ich noch nie tat - die Gäste entscheiden das selbst in diesem Spiel. 

Ein ausgesprochen netter (Business-) Mensch berichtet mir neulich von einem "App-Fahrer" in München - der sich richtig ins Zeug legte: Ob er vielleicht etwas trinken wolle? Er hätte eine kleine Bordbar im Kofferraum.
Und auch eine Massagematte - ob er vielleicht eine Masagematte auf seinem Platz hinten wünsche? Hahaha ..... zum Piepen.

Für die Auftragsvermittlung bekommt die Fahrtenvermittlung einen Salär zwischen 3 und 15 Prozent. Nur Verrückte - aber die gibt es - geben da mehr als höchstens 5 oder 6 Prozent ein. Ich habe bisher 95 der Fahrten für 3 Prozent bekommen - mehr gebe ich in der Regel gar nicht ein, außer vielleicht mal in der mauen Mittagszeit. Mein "Anschlag" liegt hier bei maximal 5 Prozent - mensch sollte sich nicht selbst bestehlen. Außerdem - übernehmen freundlicherweise meine Unternehmer die Gebühren - was eine rar gewordene Ausnahmeerscheinung ist.

Ein weiterer positiver Aspekt: Ich kann überall "laden". Neulich landete ich morgens in Leverkusen - und bekam dort eine gute Fahrt. Fuhr also durch "Fremdgebiet" mit Kundschaft - normalerweise hätte ich leer zurückfahren müssen. Theoretisch - könnte es derart passieren, daß ich mal weit aus der Kolonie rauskomme und abends ganz woanders lande - um ein Haar habe ich gestern einen Folgeauftrag in Düsseldorf verpaßt ....

Alles in Allem also eine sehr gute Sache!
(Mal abgesehen davon - daß ich mich nun freiwillig verwanzt habe - mit einem Smartphone.)

Und - ich staune - welches Auftragsvolumen der Innung bereits abhanden kommt.
Ohne, daß die sich etwa ernstlich bemühen würde - dem etwas entgegenzusetzen.
Ein Licht ging mir auf - wo wohl die guten Fahrten alle hingehen .... außer, daß sie oft unter der Hand vergeben werden und gar nicht erst auf den Displays erscheinen - landen sie also inzwischen per "App" bei unsereiner.

Hätte der eigene Laden mich nicht zehn Jahre lang nur sinnfrei geärgert, statt mich (also alle) tatkräftig zu unterstützen - ich hätte immer noch nicht das neue Arbeitsgerät ..... danke also nochmal - für den letzten Anstoß der absurden Art!

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