Dienstag, 26. August 2014

Die "Schulung" .....

Ein paar desillusionierte Unternehmer haben beschlossen, ab Herbst eine eigene Zentrale aufzumachen und eigene Kundschaft zu aquirieren, sich vom alten Filz der Innung zu verabschieden und "neu anzufangen". Eine gute Idee!
Und ein Zeichen dafür - daß viele inzwischen die Faxen mehr als dicke haben vom ewigen Filz - und der Trägheit einer Vereinsmeierei. Ich schreibe mal gar nichts über Korruption an dieser Stelle .....

Meine Unternehmer werden mit einsteigen. Fragte neulich noch einen der beiden - wieso er es "so eilig" habe damit - und nicht erst mal abwarte, wie das anläuft? Immerhin - ist eine "Schulung" für jeden Teilnehmer - für FahrerInnen wie für Unternehmer - Pflichtübung, und diese kostet bares Geld. Außerdem las ich im Netze - daß horrende Gebühren anfallen am Anfang. Die Fahrtenvermittlung soll ausgelagert werden - an ein Callcenter. Also an - schlecht-bezahlte Menschen, die keinen Schimmer vom Gewerbe haben.  Hmmmmh .....

Seine Antwort war schlüssig: Wenn jeder so denken würde - gäbe es niemanden, der endlich anfängt. Da hat er - schlicht recht. Und hinterher würden dann wieder alle sagen: Siehste - wußte ich doch, daß das wieder nichts wird. Ja - auch das stimmt.

Und was denkt er über die Sache mit dem Callcenter? Nun - so gäbe es Chancengleichheit  bei der Auftragsvergabe -  und die Korruption hätte keinen Raum. Aha - kein schlechter Gedanke .....

Es gibt also gute Argumente dafür.  Also auch dafür - sich zu unterhalten - und mal eine andere Sichtweise anzunehmen.

Jetzt sind die ersten "Schulungen" angelaufen.  Vier mal fünf Stunden .... für etwa 230 Euronen.  Jeder Fahrer und jede Fahrerin ist zur Teilnahme verpflichtet.  In meinem Unternehmen - übernehmen die Unternehmer die Kosten - was außergewöhnlich großzügig ist. So sind sie halt - "korrekt". Eine selten gewordene Spezies .....

Die Betreiber der neuen Zentrale versprechen viel. Es heißt - wenn das erst mal angelaufen sei, würde man quasi kaum noch zum Stehen kommen. Aha? Klingt ja gut.

Wo ist der Haken? Oder gibt es keinen?
Bei mir hakt es derzeit noch an lebendigen Erfahrungen aus der Vergangenheit -  bei einem der "Entrepeneure" fuhr ich einst ein paar Jahre. Und darüber möchte ich heute nichts mehr schreiben ..... außer: Schön, daß es lange vorbei ist. Und schön - daß damals das Leben selbst per überraschendem "Zufall" für einen gerechten Zahungsausgleich gesorgt hat: Der Abrechnungscomputer hatte sich um etwa 450 Euro zu meinen Gunsten verrechnet - und ich saß eine Weile  staunend davor - meinem Erstimpuls zur korrekten Korrektur der Angelegenheit nicht nachgebend.
Binnen eines halben Jahres waren mir dreimal Mitmenschen auf das Heck gerasselt - und der Unternehmer hatte gutes Geld damit verdient. Ich hatte ein Schleudertrauma - und einen langen Kampf um anteilige "Gewinnbeteilung" mit diesem, der damit endete, daß dieser mir - immer noch widerspenstig - schlappe 50 Euro geben wollte.  
Meinerseits hätte ich bei jedem verschuldeten Unfall eine Eigenbeteiligung in Höhe von 200 Euronen zahlen müssen - und hatte bereits gemäß interner Betriebsordnung in eine solche "Unfallkasse" eingezahlt. Also - schien es mir doch nur gerecht - in diesem umgekehrten Falle - auch einen entsprechenden Bonus zu bekommen.  Den ich ja dann auch bekam - nur ganz anders, als gedacht.

Bereits damals gab es in diesem Unternehmen eine betriebseigene, zweite Zentrale. Das ist nicht verkehrt - im Gegenteil. Nur die "Gespräche" und die Behandlung der vielen Menschen in diesem größeren Unternehmen - waren schlimmer als in jedem Kindergarten. Und respektlos. 
Der Unternehmer selbst war schlau genug - meistens nicht selbst mit den Leuten zu streiten. So ein Typ - der auf den ersten Blick viele Sympathiewerte bekommt. Bis heute - hat er dafür eine Mitarbeiterin - die sich nicht zu schade ist, die arbeitenden Menschen in diesem Unternehmen respektlos und wie Unmündige zu behandeln, für den Mann zu streiten und sich menschlich arm zu benehmen. Ich bin sicher - sie ist bis heute schwer verliebt in den Mann .... warum sonst sollte sich ein Mensch derart übel gegenüber allen Anderen gebären? Und soviel Haß auf sich ziehen. Von gestandenen Männern - die sonst wenig umhaut. Andere Geschichte ....

Jetzt wird also "geschult". Und Taxi-Unternehmer, die schon seit dreißig Jahren im Gewerbe unterwegs sind - müssen auch auf die Schulungsbank. Zum Piepen ....

Am Bahnhof treffe ich den Kollegen, der einer der ersten "Geschulten" ist - und meine: "Komm, erzähl! Was hast Du alles "Neues" gelernt?" (grins .....)

Also .... er muß überlegen. Ist eine gute Seele - aber nicht der Hellste unter der Sonne.
"Wir müssen eine dunkle Hose und ein weißes Hemd anziehen. Ein  blaues Hemd geht auch - aber es muß einfarbig sein. Sowas hier - er zeigt auf sein kariertes Hemd - geht nicht. Und so eine Hose wie Deine - also verwaschene Jeans - geht auch nicht. Dunkle Jeans geht auch  - aber verwaschen darf sie nicht sein."

Aha - nichts Neues unter der Sonne also .... das gab´s ja schon öfter, den Ansatz des "gepflegten Äußeren".
Und - was hat er noch "gelernt"?
Ähhhhhh .... es dauert.

"Corporation Identification ....." - Aha - Corporate Identity - meine ich. Ja - genau. "CI" wäre die Abkürzung.
Jut. Und weiter? Immerhin waren es doch fünf Stunden?

"Wir sollen die Kurzfahrten lieben."
Isch kann ni mi ....... die Referentin ist eine Gewerbefremde - soviel hatte ich schon gehört.
Sie wird für diese "Schulung" ein sehr gutes Honorar bekommen.
Und ich denke mal wieder -  ich muß dringend "umschulen" - und mit derlei sinnfrei verzapften, leeren Worthülsen mein Salär verzigfachen!

Ja - und nochwas? Nö - das war´s.
Nächste Woche muß er wieder hin - und eine "Ortskenntnisprüfung" ablegen.
Sehr lustig .... ich muß mir den Bauch halten beim Lachen.
Besonders - weil ich mir die Freude der Unternehmer ausmale - die schon seit vielen Jahrzehnten unterwegs sind. 

Ergo - die "Schulung" scheint für den Allerwertesten zu sein - alles schon tausend Mal gehört.
Immerhin - könnte man ja unsereiner auch mal was Anderes, Neues nahelegen -  etwas noch Unerhörtes.
Auf dem Lehrplan wird auch noch stehen - wie man eine "gepflegte Konversation" betreibt - soviel vernahm ich bereits.
Und ganz sicher - wird die gut bezahlte Dame unsereiner auch noch erzählen, wie man den Kunden die Tür aufhält und daß wir doch bereitwillig das Gepäck einladen sollen.

Meine spontane Zusage zur Teilnahme an einer solchen  "Schulung" - werde ich nochmal überdenken. Zuvorderst - wegen einer nicht vorhandenen "CI" gegenüber Dritten. Diese bringe ich von Haus aus meinem eigenen Unternehmen und den beiden korrekten Betreibern, meinen Kollegen und insbesondere den Fahrgästen entgegen - und das genügt wohl.

Ein Königreich für eine "App" - mittels derer sich Selbstverständliches von ganz allein und zu gegenseitiger Zufriedenheit regelt.                                

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