Dienstag, 26. August 2014

Ausgegangen - und doch "neu" ...

.... die "Taxigeschichten" sind mir ausgegangen. Was für ein Segen: Sie kleben nicht mehr an mir. Zügig sind sie wieder vergessen - nur ein Bild von einem langen Tag taucht noch auf: Ein kleiner Junge, der heute seinen ersten Schultag hat, umarmt seinen noch kleineren Bruder liebevoll zum Abschied, der wird gleich in den Kindergarten gehen. Die sehen wirklich süß aus, die beiden.

Meine Klientel hat sich etwas verändert, seit ich eine zweite Zentrale habe, die über Smartphone funktioniert. Das alte Klischee des Taximenschen wird hier nicht bedient. Die sind nicht so "intim" - wolen einfach ein sauberes Taxi und eine normal-freundliche Dienstleistung. Legen Wert auf gute Ortskenntnis und einen "normal gut gelaunten Umgang"  miteinander. Oder so: Niemand von diesen kaut mir sofort beim Einsteigen ein Ohr ab mit seinen persönlichen Leidensgeschichten. Bis auf ein paar junge Leute neulich, die noch reichlich Restalkohol im Blut hatten - werde ich mit "Sie" angesprochen - wie im richtigen Leben. Alles irgendwie höflicher - und ein wenig distanzierter = respektvoller. Ganz in meinem Sinne.

Mit einigen kam ich ins Gespräch - über´s Taxigewerbe. Die "App"-Benutzer sind durchweg zufriedener mit dieser Möglichkeit. Sie sehen auf ihrem Bildschrim, wo ich bin und wann ich bei ihnen eintreffe - und niemand ranzt sie in einer Telefonzentrale unfreundlich an. Gerade gestern wieder gehört - von einem Berliner. Zwar wäre ihm die sprichwörtliche Unfreundlichkeit der Berliner geläufig - aber die Kölner würden diese mühelos toppen mit einer nochmal anderen Eigenart. Bedauerlicherweise würden in der Kolonie noch wenige Fahrer das neue System nutzen, so daß er manchmal Schwierigkeiten habe. hierüber einen Wagen zu bekommen - und doch wieder in der Telefonzentrale landet mit den oft schlecht gelaunten Menschen.

Sowas hörte ich also oft in jüngster Zeit - und aus Kundensicht verstehe ich nun - wieso sie umsteigen. Umgestiegen sind. Und es werden täglich mehr. Sonntag traf ich auf einen, der die "App" zum ersten Mal benutzte - und gleich erfreut war, wie gut das funktioniert. Seit wenigen Arbeitstagen staune ich - wieviel Kundschaft dem alteingesessenen Gewerbe bereits flöten geht mit dieser Technk. Und tatsächlich sind es in der Kolonie noch viel weniger FahrerInnen als in anderen Städten, die damit arbeiten - wie mir auch die netten jungen Leute im Büro des Betreibers neulich bedauernd erzählten.

Gestern landete ich in Bonn - Fahrt vom Flughafen. Normalerweise hätte ich von dort aus zurückfahren müssen - mit dem alten System. Jetzt aber - bekam ich zwei Fahrten in Bonn - und ich darf die ja annehmen über die App. Mit einem guten Navi - kein Problem. Offenbarte den Kunden - daß ich nicht ortsansässig bin, quasi "legitimierte Piratin in Fremdgebiet" - und die waren sehr freundlich und lotsten mich gerne. Ich meinte gut gelaunt: Ach - ich glaube, ich bleibe heute mal hier .... die Aussicht auf das Siebengebirge ist immer so hübsch.
Wie schon mal geschruben - rein theoretisch kann es mit der "App" passieren, daß ich abends in München oder Hamburg lande ......

Wie auch schon mal geschruben - mir reicht es jetzt mit den "eigenen Leuten" - alles, was ich von denen bislang mitbekam war, daß "die Aufsicht" mal wieder unterwegs ist und kontrolliert. Ich "kontrolliere" mich aber schon lange selbst - brauche keine Aufseher.

Neulich rief ich bei den Kollegen in der Zentrale an - weil kein Kunde an der Zieladresse war. Sofort ranzte die "Kollegin" am Telefon mich harsch an - sie sei nicht schwerhörig und ich bräuchte sie nicht anschreien ??? Ich schaute mich um - und fand niemanden, der geschrien hätte .... aber spontan jemanden, der keine Lust mehr hat auf solche  "Kollegialität".

Und auch keine Lust mehr - zu beobachten, daß über die alte Zentrale keine guten Fahrten auf die Displays gelangen. Wo die wohl alle bleiben? Nun - es gibt da berechtigte Vermutungen unter den Fahrenden.

Nach etwa einem Dutzend Arbeitstagen mit dem neuen System - ist mein Eindruck, die Nutzung durch zufriedenere  Kundschaft wird noch rapide zunehmen. Und die "alteingesessenen Zentralen" - haben den Zug quasi schon verpaßt. Hätten ja etwas Ähnliches in Betrieb nehmen können .... oder sich was anderes Gutes einfallen lassen können.
Tatsächlich aber - findet keinerlei "Kundenaquise" statt.


Sicher - die älteren Leute haben keine Smartphones und werden weiter über die Zentrale bestellen. Aber - von deren Fahrten - um die Ecke zum Einkaufen oder zum Arzt - kann kein mensch mehr seine Miete bezahlen. Ab und an - braucht es halt auch mal eine längere Fahrt.

Ein Kollege meint gestern im Gespräch - er würde die "App" nicht nutzen wollen, weil er kein Geld an Großunternehmen geben will. So ähnlich habe ich bis neulich auch gedacht. Und denke weiterhin so - wenn es um "Uber" geht - gesponsert von Google und Goldman Sachs - Abzocker vorm Herrn, die 20 % (!!!!) Vermittlungsgebühr für eine Fahrt kassieren - ohne Vorhaltung von Leistungen.

Hier aber - geht das für mich völlig in Ordnung. Die meisten Fahrten bekomme ich eh für den niedrigsten Satz von drei Prozent - weil ich halt das nächste Taxi in der Nähe des Kunden bin. Manchmal gehe ich "hoch" auf vier Prozent ... wer mehr als 5 % eingibt - dem ist nicht zu helfen. Selbst schuld.

Und: Ich gönne es den Leuten, die die "App" kreiert haben. Wirk-lich eine formidable Idee - die gut funktioniert. Für alle Beteiligten. Am Monatsende sind die Gebühren nicht wirklich höher als die, die für den alteingessenen Verband zu zahlen sind - der sich und unsere Zunft nicht bewegt. Die "App-Betreiber" aber - werben motiviert und frisch für neue Kundschaft. Für meine Kundschaft!

Kürzlich kam ein "Newsletter" an von denen - und ich dachte: Naja - was soll da schon Interessantes drinstehen .... 
Schon wieder falsch gedacht. Es las sich heraus - daß die sich bewegen und was tun. Neben der aktiven Kundenaquise - ist es einfach mal ein nettes Gefühl, auch als Fahrer mit Informationen bedacht zu werden, was sich so im "Hintergrund" auf dem "Taximarkt" alles tut. Es bewegt sich was - wo scheinbar nur noch Stagnation herrschte.

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